KOMMENTAR · HANDWERK: Beschönigende Rechtfertigung
Es ist schon richtig: Im Handwerk bekommt mancher Jugendliche eine Chance, der ansonsten ohne Lehrstelle dastünde. Es ist löblich, dass kleinere Betriebe für schwierige Kandidaten Ausbildungsverantwortung übernehmen. Aber Hand aufs Herz: Ganz selbstlos ist das in den wenigsten Fällen. Hätte ein Handwerker die Wahl, würde er wahrscheinlich einen pflegeleichten Azubi bevorzugen.
Das besondere Engagement darf jedenfalls nicht als Legitimierung dafür dienen, junge Leute auszunutzen. Die Rechtfertigung des Ulmer Kammerpräsidenten angesichts der Kritik im DGB-Ausbildungsreport ist menschenverachtend. Er argumentiert: Der Stress, den Auszubildende manchmal beklagen, lohne sich schließlich im Endergebnis. Statt Hohn über dem Nachwuchs auszuschütten, sollte die Kammer lieber die Einhaltung der Gesetze schärfer kontrollieren. Nicht umsonst steht das Hotel- und Gaststättengewerbe seit Jahren in der Kritik, wo Azubis häufiger als in anderen Berufen beklagen, sie würden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt.
Der Markt entspannte sich aus Sicht der Jugendlichen, berichten Experten. Bezogen auf Stellen- und Bewerberzahlen stimmt das. Aber an den Strukturproblemen änderte sich nichts. Hauptschüler und Altbewerber haben nach wie vor einen schweren Stand. Handwerker geraten zunehmend unter Druck. Einige zu Recht. Andere zu Unrecht. Schade für jene, die lehrreiche Lehrjahre in attraktiven Berufen anbieten. REGINA FRANK
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Autor: SWP | 21.09.2011
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