KOMMENTAR · FAMILIENHILFE: Die heikle Frage der Obhut
Auch an Fest- und Freudentagen wie Weihnachten kann man nicht die Augen davor verschließen, dass es unter uns Not, Verelendung, Verwahrlosung gibt. Das zeigt das Beispiel des zehnjährigen Mädchens, das wenige Tage vor Heiligabend in die Obhut eines Heimes genommen werden musste. Zumindest vorsorglich, weil das Jugendamt nicht ausschließen konnte, dass das Kind in seiner eigenen Familie verprügelt worden war. Die Erklärung des Vaters, das Mädchen sei von der Rutsche gefallen, hatten die Uni-Ärzte nicht geglaubt.
Die Geschichte ist tragisch, weil vor Jahresfrist der Bruder des Mädchens mit abgerissenem Arm in die Klinik gekommen war. Zwar haben staatsanwaltschaftliche Ermittlungen den Eltern keine Schuld belegen können, trotzdem ist zu fragen, ob nicht alle sechs Kinder zu ihrem Schutz den Eltern entzogen werden sollten.
Eine heikle Angelegenheit, um die die Mitarbeiter des Jugendamts nicht zu beneiden sind, die jährlich 450 Familien betreuen und in knapp einem Dutzend Fällen pro Jahr solche schwerwiegenden Entscheidungen treffen müssen. Kinder haben eine hohe Loyalität gegenüber ihren Eltern, auch wenn diese nicht immer gut zu ihnen sind. Und Kinder sind grundsätzlich bei Vater und Mutter besser aufgehoben als in Heimen. Aber es gibt die Ausnahmefälle wie diesen. Das Familiengericht hat vorsorglich entschieden, das Kind in Obhut zu nehmen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. HANS-ULI MAYER
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Autor: SWP | 27.12.2010
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