KOMMENTAR: 690.906 oder: Zivile Heilsarmee

Ulm. 

Die Aktion 100.000 und Ulmer helft ist zwar inzwischen fast eine Ganzjahresveranstaltung. Seine heiße Phase aber erlebt das Benefiz unserer Zeitung stets im Advent und in den Wochen über Neujahr. Dass zuletzt immer neue Höchstergebnisse vermeldet werden konnten wie jetzt die 690.906 Euro auf dem „Winterleuchten“-Empfang, die im Lauf des Abends noch aufgestockt wurden, gereicht dem Aktionsteam um Karl Bacherle zur Ehre. Steckt doch eine Menge Arbeit dahinter, von der bedürftige Menschen profitieren wie auch viele Sozialinitiativen.

Es entspricht dem menschlichen Naturell, immer noch besser werden zu wollen. Über Rekorde hinaus aber zeugen die Spendensummen davon, dass die Solidarität in Ulm/Neu-Ulm lebt. Der größte Ehrgeiz verliefe im Sand, existierte nicht eine dreifache Bereitschaft in der Stadtgesellschaft: Zum einen die, zu spenden; zum anderen jene, zum Spenden anzuregen; und schließlich die Bereitschaft, der Hilfsaktion zu helfen, indem man in rastloser Zeit zur Verfügung stellt, was keiner hat und was daher besonders wertvoll ist: ein Stück Zeit.

Eine breite Bürgerschicht versteht sich als eine Art zivile Heilsarmee. Sie kann damit zwar nicht den Sozialstaat ersetzen. Viel mehr als dieser aber kann diese Zivilgesellschaft das beruhigende Lebensgefühl vermitteln, dass hier keiner im Stich gelassen wird. Die Aktion 100.000 und Ulmer helft trägt bei zu dieser guten Befindlichkeit.


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Autor: HANS-ULI THIERER | 04.02.2012

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