"Junge Choreografen" im Podium

Beziehungsextreme, Sinnsuche, Mord und Partylaune - all das konnte man in sechs Arbeiten der "Jungen Choreografen" im Podium erleben. Es ist ein mitreißender und bejubelter Tanzabend.

UDO EBERL |

Wie ausgeglichen und stark besetzt das Ensemble des Ballett im Theater Ulm derzeit ist, spiegelt sich auch in der "Junge Choreografen"-Show im Podium wider. Die spürbare Lust und Energie, die unterschiedlichen Bewegungsansätze und emotionalen Farben wie auch der Mut zum Risiko, zur Selbstironie und so manch virtuoser Moment wurden vom Publikum der Uraufführung am Samstagabend lang anhaltend und stehend bejubelt.

Klar, da gibt es auch Sequenzen, in denen bewährte Muster angehäuft und die Dance-Party eine Runde zu Pop-quietschig wird. In der Summe ist diese zweistündige Tanzcollage aber ein großer Wurf mit extrem hohen Sprüngen.

Yuka Kawazu legt zu Beginn mit ihrer Arbeit "Namenlose Stimme" die Latte für die Kollegen sehr hoch. Eine Familiengeschichte zunächst als zeitgeraffter Schattenriss, dann als Feuerwerk der Synchronität. Entfesselte Dynamik und theatralische Überzeugungskraft werden in die Waagschale geworfen. Bravo-Rufe.

Mit Pablo Sansalvadors Pas de Deux "Before I Die", der Startperformance für ein Projekt mit Flüchtlingen im kommenden Sommer, geht's mitten hinein in emotionale Tiefen. Tanztheater topaktuell, intensiv und mit starken Figuren im Fluss, bevor Lorenzo Angelini mit "The Elements" zappelig-kantige Dance-Clip-Power, Pas-de-Deux-Seligkeit und Spitzentanz-Klasse mit rasanten Kostümwechseln in den Raum schleudert. Ein Mix der Stile und Techniken, auch wegen der Musikauswahl sehr griffig, von den Besuchern gefeiert wie ein Finale.

Doch es geht weiter: Mit krimineller Energie, einem blitzgefährlichen Racheengel-Quartett, einer Dessous-Offensive, einem Lustmörder im touristischen Ulm, Sadomaso-Grenzwertigkeit im gottlosen Klosterkeller und Kriminaltango-Zwielicht. Endlich der "Tatort" für Ulm - als bitterböser, blutiger Bilderrreigen: menschliche Abgründe im Fischerviertel-Idyll. Nun bekommt man sie also von Damien Nazabal mit schwarzem Humor aufgekocht aufgetischt, bevor es es mit Carlos Kerr jr. und seiner Trio-Arbeit "On the Verge. . ." noch einmal mitten hineingeht in den zeitgenössischen Tanz inklusive Konfetti-Regen.

Schließlich Angelinis zweite Choreografie "How To Dance Contemporary" mit reichlich Selbstironie, Augenzwinkern und finaler Party-Power. Mitklatschen ist erlaubt, als es am Ende dieser Tanz-Satire richtig funky wird und alle Dämme brechen dürfen. Alles gegeben, alles gewonnen. In Summe ist dieser kurzweilige Abend ein echter Knaller.

Info Nächste Aufführungen: 16., 18., 27 Dezember.

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