Joongbae Jee: Debüt am Theater Ulm mit "Don Giovanni"

Er ist seit Beginn der Spielzeit 1. Kapellmeister am Theater Ulm. Am Donnerstagabend leitet der koreanische Dirigent Joongbae Jee im Großen Haus seine erste Ulmer Premiere: Mozarts "Don Giovanni".

HELMUT PUSCH |

Feuerwehrmann, Lokführer, Polizist oder Pilot. Das sind die Wünsche, die die meisten Neunjährigen nennen, wenn man sie nach ihrem Traumberuf fragt. Bei Joongbae Jee war das anders: "Nachdem ich mein erstes klassisches Konzert gesehen hatte, war klar: Ich werde Dirigent", erzählt der koreanische Musiker. Joongbae Jee war damals neun Jahre alt. Noch in der Grundschule gründete Joongbae, der Klavier und Querflöte lernte, ein Ensemble: "Die Hälfte meiner Mitschüler konnte keine Noten lesen, aber ich hatte ein Orchester, das ich leiten konnte."

Als er die Musik-Highschool besuchte, bekam er auch erstmals Unterricht im Dirigieren. In seiner Heimatstadt Seoul studierte er an der Hochschule, machte den Bachelor als Dirigent, in Mannheim dann das Diplom, arbeitete drei Spielzeiten als Kapellmeister am Theater in Trier und ist jetzt Nachfolger Daniel Montanés im Ulmer Haus am Karajanplatz.

Jee ist 33 Jahre alt - nach deutscher Rechnung, wie er schmunzelnd erklärt. "In Korea zählt beim Alter auch schon die Schwangerschaft mit. Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir schon ein Jahr alt. Der Entbindungstermin ist also schon unser erster Geburtstag."

Auch wenn Jees Eltern keine Musiker waren, gab es "bei uns zu Hause viel Musik: Rock, Blues, Pop. Mein Vater nahm mich öfter auf Konzerte mit - auf Pop- und Rock-Konzerte."

Wie gesagt: Das erste Klassik-Konzert sah Joongbae dann mit neun Jahren. "Ich war völlig weg von diesem Charisma, dass der Dirigent ausstrahlte. Das war wie Charlie Chaplin bei seiner Rede in ,Der große Diktator'." Der Dirigent hieß Hun Joung Lim, zehn Jahre später sollte er einer der Lehrer Jees an der Universität von Seoul sein.

Was zog den jungen Koreaner nach Deutschland? "Das ist das Land von Beethoven, Bruckner, Mahler, Mendelssohn. Diese Kultur und die Atmosphäre wollte ich schon als Kind kennenlernen", sagt Jee. Dass es zudem in Deutschland eine beispiellose Landschaft von Stadttheatern und Orchestern gibt, "spielte damals für mich keine Rolle", sagt Jee. "Aber heute finde ich es natürlich toll, dass es hier so viele Stellen für Dirigenten gibt."

Und jetzt also Mozarts "Don Giovanni". "Mozart ist für mich die pure Musik", erklärt Jee. "Alles ist vordergründig schön und leicht, aber immer wenn ich Mozart höre oder selbst spiele, habe ich das Gefühl von einem kleinen Schmerz in mir. Das macht Mozart so wertvoll. Das ist nicht einfach nur schön, das hat Tiefe."

Und das ganz besonders in "Don Giovanni". "Das ist für mich keine komische Oper, wie Librettist Lorenze da Ponte mit seinem Gattungsbegriff glauben machen will. ,Don Giovanni' ist ein Musikdrama." Als solches wird es Jee auch in Ulm musikalisch auf die Bühne bringen. Mit allen Emotionen, die nicht zuletzt auch im Dirigenten toben. "Freunde von mir sagen, ich wirke bei Dirigieren immer etwas verrückt, weil ich mich völlig in die Musik vertiefe. Das stimmt: Wenn ich Tschaikowskis ,Pathétique' dirigiere, dann bin ich tot, und wenn ich am Schluss von ,Don Giovanni' die Höllenfahrt dirigiere, dann fahre ich selbst zur Hölle", sagt Jee quicklebendig und schmunzelt.

Am Donnerstag ist Premiere im Großen Haus

Werk "Dramma giocoso" nannten Librettist Lorenzo da Ponte (1749-1838) und Komponist Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) ihre Oper "Don Giovanni", die am Donnerstag, 20 Uhr, im Großen Haus des Theaters Ulm Premiere hat. Dramma giocoso bedeutet nichts anderes als "unterhaltendes Theater", das eine tieflotende Parabel, einen Krimi samt Mörderhatz, eine Groteske und knisternde Erotik, ein Lehrstück vom bestraften Wüstling und ein sensibles Psychospiel zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Beziehungen bietet.

Inszenierung In Ulm wird die Mozart-Oper in italienischer Sprache gespielt - mit deutschen Übertiteln. Inszeniert hat sie Operndirektor Matthias Kaiser, Joongbae Jee dirigiert das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm, das Bühnenbild ist von Marianne Hollenstein, die Kostüme sind von Angela C. Schuett.

Ensemble Kwang-Keun Lee (Don Giovanni), Don Lee (Il Commendatore / Masetto), Edith Lorans (Donna Anna), Thorsten Sigurdsson (Don Ottavio), Maria Rosendorfsky (Donna Elvira), Tomasz Kaluzny (Leporello), I Chiao Shih / JungYoun Kim (Zerlina), der Opernchor des Theaters Ulm.

Aufführungsdauer Drei Stunden zehn Minuten inklusive einer Pause.

Nachtkritik Etwa eine Stunde nach der Premiere steht eine erste Kritik online unter swp.de

 

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