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Ist Spielsucht therapierbar?

Glücksspielsüchtige fallen bisher durch jedes therapeutische Raster. Hilft eine ursprünglich für Alkoholabhängige entwickelte Gesprächstherapie? Das wollen Ulmer Wissenschaftler in einer Studie herausfinden.

Autor: CHRISTOPH MAYER |
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Wie viele Menschen in Deutschland sind glücksspielsüchtig? Dazu gibt es unterschiedliche Erhebungen und ergo differierende Zahlen. Die Wissenschaft geht von 100 000 bis 300 000 pathologischen Spielern aus. Verglichen mit "Volkskrankheiten" wie Depression (vier Millionen Betroffene) oder Alkoholismus (zwei Millionen) nicht viel. Doch man muss die Dynamik sehen, sagt Dr. Maximilian Gahr von der Ulmer Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie III. "Wahrscheinlich nimmt die Zahl von Menschen mit Glücksspielsucht zu."

Warum das so ist, darüber gibt es noch keine wissenschaftlich belegbaren Aussagen. Doch angesichts einer unübersehbaren Zunahme von Wettbüros und Spielhallen an beinahe jeder Straßenecke sowie dem Boom von Glücksspielen im Internet dürfte die Aussage kaum jemanden überraschen.

Darüber hinaus ist Glücksspielsucht keine Petitesse. "Die Erkrankung ist mit hohem Leidensdruck verbunden", sagt Gahr. Überschuldung, Berufsverlust und sozialer Abstieg sind häufige Folgen, viele Betroffene geraten auf die schiefe Bahn, um ihre Sucht zu finanzieren. Spielsucht gehe oft mit anderen, stoffgebundenen Süchten oder Depressionen einher, sei aber dennoch eine eigenständige Suchtkrankheit und somit als solche zu behandeln.

Vor diesem Hintergrund mag es überraschen, dass für Spielsucht bislang keine adäquate Therapie vorhanden ist. "Wir haben nichts, was wirklich hilft", sagt Gahr, "unsere Patienten fallen durch das therapeutische Raster". Versuche, pathologisches Spielen medikamentös - etwa durch Gabe von Psychopharmaka - zu behandeln, seien andernorts zwar teilweise erfolgreich verlaufen. "Die Rückfallwahrscheinlichkeit ist aber dennoch hoch."

An der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie will man es nun mit einem nicht-medikamentösen Ansatz versuchen. Basis ist ein Anfang der 1990er Jahre von den US-Psychologen William Miller und Stephen Rollnick ausgearbeitetes Konzept zur Behandlung von Alkoholsucht: die sogenannte "Motivierende Gesprächsführung" (fachsprachlich: Motivational Interviewing). Diese Form der Psychotherapie habe bei Alkoholikern gute Erfolge erzielt, sagen Gahr und Prof. Carlos Schönfeldt-Lecuona, die die Studie gemeinsam leiten. Ihre Idee: Warum das Konzept nicht auch auf Spielsüchtige anwenden?

Für die Studie suchen die Mediziner jetzt noch 25 bis 30 Teilnehmer, die unter Spielsucht leiden. Vorgesehen sind 4 bis 7 jeweils halbstündige Einzelgespräche in wöchentlichem Abstand.

Vor Beginn der Kurztherapie findet ein einführendes Gespräch statt, nach Abschluss der Therapie müssen die Probanden im Verlauf von sechs Monaten dreimal einen Fragebogen ausfüllen. Eine Verordnung von Arzneimitteln sei nicht vorgesehen, sagt Gahr, die Behandlung sei zudem kostenlos und eine Überweisung in die Uni-Klinik nicht notwendig.

Das Besondere am Motivational Interviewing ist: Die Therapieform ist nicht konfrontativ, das heißt, der Patient muss nicht in seiner Vergangenheit graben oder sich mit den Ursachen seiner Sucht auseinandersetzen. Stattdessen führt der Therapeut das Gespräch unter Berücksichtigung bestimmter Techniken so, dass der Patient bewusst selbst Widersprüche erzeugt und daher in die Lage versetzt wird, sich mit seinem ambivalenten Verhalten auseinanderzusetzen und es schließlich zu verändern, sagt Gahr. So werde der Patient zum Fürsprecher seiner eigenen Veränderung.

Info Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann mit der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie III Kontakt aufnehmen. Unter Tel. (0731) 500 61 552 oder - 61 500 ist tagsüber von 8 bis 17 Uhr ein Ansprechpartner zu erreichen.

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