Internationaler Frauentag mit Geschichten über den Mauerfall

Internationaler Frauentag im Haus der Donau: Zwei Frauen aus den Donauländern erzählten, was sie mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verbinden. Die eine hatte ihn hier, die andere in Rumänien erlebt.

LISA MARIA SPORRER |

Diese Worte kennt fast jeder. Als am Abend des 9. November 1989 ZK-Sekretär Günter Schabowski eher beiläufig das Inkrafttreten einer neuen Reiseregelung für DDR-Bürger verkündete, wurde „Wann?“ nachgefragt. „Sofort und unverzüglich“, so seine Antwort.

Bei vielen verursachen die Erinnerungen und die Bilder jenes Abends noch heute Gänsehaut. „Ich habe einfach nur geweint“, sagt Roswitha Drechsel, die die Öffnung der Berliner Mauer im Fernsehen erlebt hat. Aber es waren keine Freudentränen. Drei Jahre hatte die Technische Zeichnerin, die heute in Ulm ein Atelier betreibt, für ihre Ausreise gekämpft. Im Juli 1989 war es dann soweit: Nur vier Monate länger hätte sie warten müssen, sagt sie heute.

Das Donaubüro hatte anlässlich des Internationalen Frauentags zur Podiumsdiskussion geladen, gemeinsam mit der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum und der Frauenakademie an der Volkshochschule. „Trennende Erinnerungen – 25 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs“ lautete das Thema, und Sabine Meigel, Leiterin des Donaubüros sagt: „Die politische Seite ist allgemein bekannt. Aber wir wollen auch Platz für die persönliche Seite schaffen.“ Zehn Jahre nach der EU-Erweiterung 2004 und 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei Europa in den Köpfen vieler Deutscher noch nicht zusammengewachsen. Auch Rita Sigmund, die mit auf dem Podium saß und zur Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen gehört, fühlte sich von ihrer ehemaligen Regierung verkauft. Der Grund sei das bisher wenig bekannte Kapitel in der Geschichte der kommunistischen Diktaturen: Unter dem Decknamen „Geheimsache-Kanal“, wie das Vorgehen in Bonn bezeichnet wurde, ließ Nicolae Ceausescu Rumäniendeutsche im Kalten Krieg gegen Zahlung eines Kopfgelds nach Deutschland ausreisen. Die studierte Germanistin, die 1987 nach Ulm kam, war eine von ihnen. „Die Bürger der DDR waren ja automatisch Bürger der BRD. Wir Rumänen aber nicht, wir kamen als Kontingent-Deutsche“, sagt sie.

Derzeit wird im Haus der Donau die Ausstellung „Temeswar 1989 – Symbol der Freiheit“ über die rumänische Revolution an Weihnachten 1989 gezeigt. Zwischen Bildern von Demonstranten und Panzern, brennenden Häusern und Frauen, die ihr Leben für die Freiheit gelassen hatten, erzählte Rita Sigmund von den Problemen, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. In Rumänien sei sie als Lehrerin Kulturträgerin gewesen. In Ulm kam der soziale Abstieg. „Ich musste vorher nie beweisen, wer ich bin. Hier war das anders.“ Roswitha Drechsel hatte den Eindruck, dass man es in Westdeutschland nicht gewohnt war, dass eine Frau genau so viel könne wie ein Mann. „Der Frauentag in der DDR war der Tag, an dem die Frauen geehrt wurden: in der Firma und Zuhause.“ Rita Sigmund ergänzt: „Der Frauentag war so etwas wie der kommunistische Muttertag.“

Auch 25 Jahre nach der Wende ist das Kapitel noch nicht für sie beendet. Zum Donaufest im Juli werde es unter dem Motto „Europa im Koffer“ täglich Talkrunden geben, bei denen aus verschiedenen Ländern berichtet wird, sagt Sabine Meidel.

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