Intendant Andreas von Studnitz spielt den Monolog "Event"

Nun wirklich in der Kulturnacht, bis weit nach elf, hielt der Intendant am Theater Ulm einen Monolog - als Schauspieler, der einen Schauspieler spielt. Viel Beifall für Andreas von Studnitz in "Event".

JÜRGEN KANOLD |

Durch das Krankenzimmer, vorbei an Liege und Rollstuhl, verlässt der Theatergänger das obere Foyer und dringt ins Innere ein. Garderoben, Flure, Treppen. Der Weg führt auf die Bühne des Großen Hauses. Harte Holzbänke warten auf das Publikum; grelle Scheinwerfer blenden, als stünde diesmal der Zuschauer im Rampenlicht. Dann dreht das Licht und ermöglicht den Blick auf eines der besten (und billigsten) Bühnenbilder, die das Theater Ulm je zeigte - den leeren Zuschauerraum des Großen Hauses. Das heißt, den fast leeren: In einer der letzten Reihen sitzt nachdenklich ein Herr im Smoking, einsam, wie vergessen. Aber er wird nach vorne kommen und sich als Schauspieler vorstellen: Andreas von Studnitz, der Intendant.

"Die ganze Welt ist eine Bühne / Und alle Fraun und Männer bloße Spieler", dieser Satz des Jacques aus Shakespeares Komödie "Wie es euch gefällt" - er wird einem in dieser Perspektive bewusst. "Bloße Spieler": Alles ist Theater, doppelbödiger Schein. Oder umgekehrt: Was ist die Welt, was ist wirklich? Auch damit beschäftigt sich John Clancys mehr oder weniger absurder Monolog "Event". Ein Schauspieler reflektiert das Theater und die Welt - aber wer hat ihm eigentlich den Text geschrieben, was sagt er mit welchem Sinn und Verstand auch über sich? Was ist seine Rolle, wieviel Ich bringt er ins Spiel? Und natürlich ist es der Clou der Ulmer Aufführung, wenn der Intendant des Theaters selbst den Schauspieler spielt, der vor den "Fremden", also uns Zuschauern, über das Theater und die ganze "Kunstkacke" räsoniert.

Der Mann, der vor dem Publikum stehe, sagt dieser Mann, sei "ein Exhibitionist: eine Person, die ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit anderer benötigt, um ihr Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten". Lacher im Publikum. Und er begrüßt auch seine Kollegen: "Ich sehe deine Vorstellung, du siehst meine Vorstellung, und auf diese Weise wird ein grundsolider und gleichzeitig völlig verlogener und ichbezogener Austausch simuliert." Wieder Lacher. Branchenwitze. Aber es geht um existenzielle Fragen: um Konventionen, die Freiheit, und zwar nicht nur im Theater.

Studnitz spricht den Monolog in der Regie von Nilufar K. Münzing mit seiner hellen Stimme manchmal böse und grinsend, aber eher gedämpft schnoddrig, bewusst ironiefrei. Er haut nicht auf die Pauke - nur auf einen kleinen Gong. Da holt kein Theater-Zampano aus Clancys "Event" noch die letzte Pointe raus. Studnitz gibt den gehemmten Komiker, den Verletzlichen. Aber alles ist ja nur ein Spiel - worüber man 70 Minuten nachdenken kann. Viel Applaus für diesen "Event".

Info
Die nächsten Aufführungen: 4., 18. Oktober; 23. November.

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