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In Ulm gibt's Passbilder für aller Herren Länder

Aufgepasst beim Fotografen. Passbild ist nicht gleich Passbild. Ein Deutscher, der nach Amerika möchte, benötigt ein quadratisches. Für den Deutschen, der einen neuen Personalausweis beantragt, müssen es 3,5 x 4,5 Zentimeter sein. Die Kroaten brauchen größere Köpfe und die Schweizer Luft oberhalb ihres Hauptes.

Lydia Bentsche | 0 Meinungen
"Wir fertigen jede Art von Passbild", steht auf dem Schild: russisch, asiatisch, brasilianisch, englisch, schweizerisch oder griechisch. Ist es etwa so kompliziert, das richtige Passfoto zu machen? "Ja", sagt Helmut Breyer. "Das ist eine Wissenschaft für sich."

Aus der Schublade kramt der Inhaber von Foto Schnell Labor Breyer eine Mappe. Darin: Kopien von Länderregelungen. Von Ägypten über Kuba, Kasachstan und Kenia bis hin zu Schweden. "Ich bin immer froh, wenn Kunden hereinkommen und ganz präzise sagen: 'Ich brauche ein biometrisches Passbild für dieses und jenes Land'", sagt Breyer, der immer wieder Menschen verschiedener Nationalitäten oder Menschen, die in fremde Länder reisen möchten, fotografiert. "Und ich bin froh, wenn sie ein Schreiben mit den genauen Anforderungen mitbringen."

In den meisten Staaten seien biometrische Bilder für offizielle Dokumente vorgeschrieben, etwa einheitlicher Augen- und Nasenbereich sowie einheitliche Gesichtsgröße. Aber länderübergreifende Einheitlichkeit gibt es leider nicht, sagt Breyer. 3,5 mal 4,5 Zentimeter ist zwar häufig das vorgegebene Format, doch während die Kopflänge von Kinn bis Schädeldecke in Deutschland zwischen 32 und 36 Millimeter betragen muss, sind es in den Niederlanden nur 25 bis 30 Millimeter. "Dort ist der Kopf auf dem Foto also viel kleiner", sagt Breyer.

In der Schweiz müssen oberhalb des Kopfes noch fünf Millimeter Hintergrund zu sehen sein, und "die größten Köpfe", wie Breyer sagt, haben derzeit die Kroaten. Dort müssten 90 Prozent des Bildes mit dem Kopf ausgefüllt sein, "also sieht man fast keine Ohren mehr". Doch die Krönung sei Griechenland, findet der Fotograf. "Da braucht man wahrscheinlich ein Architekturstudium, um das richtig zu machen." Nicht nur zwei oder drei, sondern sechs Maß-Linien müssen Fotografen beachten, auch die Gesichtsbreite.

Vor Kurzem sei ein türkischer Mitbürger mit einer neuen Regelung ins Fotogeschäft gekommen. Statt des Formats von 3,5 mal 4,5 Zentimetern benötigte er ein quadratisches Passbild. Ein junger Deutscher, der zum Auslandsstudium in die USA einreisen wollte, brauchte ebenfalls ein 5 mal 5 Zentimeter großes quadratisches Foto. "Zusätzlich gibt es in Amerika Sonderanweisungen für Pixel, RGB-Wert und die maximale Kilobyte-Anzahl, wenn das Bild online geschickt werden muss."

Für Kanadier muss der Fotograf auf der Rückseite des 5x7-Zentimeter-Bildes das Datum notieren, Stempel und Unterschrift hinzufügen. In Schweden darf das Foto nicht älter als sechs Monate sein, wenn es eingereicht wird. "Und auf Fotos der Italiener muss rechts ein weißer Streifen sein, auf dem sie selbst unterschreiben", erzählt Breyer. "Ich weiß aber nicht, ob das noch aktuell ist."

Der Bildhintergrund sei meistens weiß, doch in den Phillippinen sei königsblau vorgeschrieben. Breyer hat auch schon von Staaten gehört, die roten Hintergrund fordern. Früher wurden in Russland nur matte Bilder zugelassen, mittlerweile auch glänzendes Papier: heute vielerorts Standard.

Bahncard, Schüler-, Studenten- oder Firmenausweis kommen ohne biometrische Fotos aus: Lachen, Kopfbedeckung, Nicht-in-die-Kamera-Schauen sind erlaubt, sogar Grimassen-Bilder werden ab und an zugelassen. Breyer empfiehlt seinen Kunden trotzdem immer, biometrische Bilder zu machen. Denn: "Wenn man sie hat, kann man sie irgendwann später für Reisepass, Personalausweis, Führerschein und für die AOK verwenden." Er gibt allerdings zu, dass biometrische Bilder nie richtig schön werden, sondern immer ein bisschen wie Verbrecherfotos aussehen. Egal, welche Nationalität man hat oder in welches Land man reisen möchte.

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