Im Kajak von Ulm nach Australien

Ulm.  Die Donau hinunter und noch viel weiter: Oskar Speck brach im Jahr 1932 mit seinem Faltboot in Ulm auf - und landete in Australien. Seit Samstag wiederholt Sandy Robson seine aufregende Reise im Kajak.

"Ja, ich mache verrückte Sachen", sagt Sandy Robson. Ihre Augen strahlen. Sie lacht. Der australische Akzent in ihren englischen Sätzen ist nicht zu überhören. "Aber es ist doch gut, seine Träume zu leben." Und was für einen Traum die blonde 43-Jährige hat: Sie möchte im Kajak den gleichen Weg zurücklegen wie Oskar Speck - von Ulm nach Australien. Fünf Jahre Zeit hat Robson für die Reise auf Flüssen und Meeren eingeplant. Die ersten 4000 Kilometer nach Zypern will sie bis Oktober schaffen. Die Mittelmeerinsel war auch das ursprüngliche Ziel von Oskar Speck, als dieser im Mai 1932 in seinem Faltboot die Donau abwärts losfuhr (siehe Infokasten).

"Wenn ich auf Zypern ankomme, habe ich wahrscheinlich kein Geld mehr", erzählt die Australierin aus Fremantle bei Perth. Dann muss sie in die Heimat zurückfliegen und arbeiten, bevor die nächste Etappe beginnen kann. "Oder ich finde doch noch einen Sponsor." Derzeit hat ihr Arbeitgeber sie für ein halbes Jahr freigestellt. Anstatt als "Tourguide" Kajak-Ausfahrten an der australischen Westküste durchzuführen, paddelt Robson durch Europa. "Ich werde nicht allein sein", sagt sie. "Es sind doch gerade all die Menschen, die ich treffen werde: Sie machen meine Reise zu etwas Besonderem."

Vor 17 Jahren hat Robson an der Uni ihre Leidenschaft fürs Seekajak entdeckt. Eine Hüftoperation hielt sie nicht ab, weiter ins Boot zu steigen und mit dem Doppelpaddel ins Meerwasser zu stechen. "2007 bin ich in einem Jahr 6000 Kilometer an der australischen Küste entlanggepaddelt." Dann attackierte ein Krokodil die Sportlerin. Sie blieb unverletzt, das Kajak nicht, die Australien-Umrundung brach sie aber ab. Doch die Faszination für lange Kajaktouren lässt sie nicht los. "Mein Vater ist auch abenteuerlustig. Er hat sich mit mir alle Landkarten für den Trip angeschaut", sagt Robson. "Aber meine Mutter ist seit der Sache mit dem Krokodil besorgt."

Sorgen um Robson machen sich Thomas Lang und Dagmar Vollmann von den Ulmer Kanufreunden nicht. Sie haben ihr zwei Nächte Unterschlupf geboten. "Das packt sie auf jeden Fall", gibt sich Lang, der Vereinsvorsitzende, zuversichtlich. "Die Donau ist das geringste Problem für sie. Da sind höchstens die vielen Wehre nervig. Wahrscheinlich kommt Sandy in der Ägäis erst auf Touren." Robson wirke entspannt, sei neugierig, körperlich fit und vor allem erfahren. Dagmar Vollmann findet Robsons Idee "total cool. Das müsste man eigentlich auch mal machen. Aber die deutsche Mentalität bremst einen wahrscheinlich. Es ist immer so ein logistisches Theater, die Boote an die richtigen Stellen zu bringen."

Die Australierin hat sich in Deutschland ein Seekajak für rund 2500 Euro zugelegt. "Der Mercedes unter den Kajaks", erklärt Vollmann. "Modernste Materialien. Für so eine Reise braucht sie das auch." Rund 80 Kilo wiegt das Kajak vollbepackt, schätzt Robson. Zelt, Kleidung, Schlafausrüstung, ein Segel für die Fahrt auf dem Meer, etwas Essen und Trinken, Radio, Handy und einen Spot-Messenger hat sie dabei. Wenn sie an letzterem einen Knopf drückt, wird via Satellit ihre Position durchgegeben, und Mama weiß, dass es ihr gut geht. "Ganz oben auf dem Ulmer Münster habe ich draufgedrückt." 40 bis 50 Kilometer will sie täglich zurücklegen. Ruhetage zwischendrin sind gut für Körper und Geist: "Ich kann entspannen und alle Orte ansehen", freut sich die 43-Jährige.

Samstag, 8 Uhr, bewölkter Himmel, ruhig fließende Donau: Hier steht sie, strahlend und gut gelaunt. Ein letztes Foto und Robson packt den Fotoapparat in ihre wasserdichte Schwimmwestentasche. Auf dem gelben Boot prangt eine kleine australische Flagge. Setzen, Spritzschutz überziehen, winken, Doppelpaddel in die Hand und los gehts. Sandy Robson paddelt auf Oskar Specks Spuren in ihr Abenteuer.

Info Auf der Website www.sandy-robson.com berichtet die Kajakfahrerin von ihrer Reise. Sie freut sich über Tipps, Kontakte und andere Paddler und Paddlerinnen, die sie ein Stück auf ihrer Reise begleiten.


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Autor: LYDIA BENTSCHE | 16.05.2011

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