INTERVIEW · TROMPETER HANNES SCHÜLE: Klassischer Kampfsport
Kampfsport als Konzertvorbereitung? Trompeter Hannes Schüle hat das Kammerorchester Ulmer Studenten (KUS) in einen Aikido-Workshop gesteckt.
Wie sind Sie darauf gekommen, das Ulmer Studentenorchester mit Aikido zu konfrontieren? Die klassische Art ist das eher nicht.
HANNES SCHÜLE: Die Idee ist nach einem Konzert mit dem Dirigenten Philipp Vogler entstanden. Er weiß, dass ich Aikido mache, und er war sofort Feuer und Flamme, weil er selbst Karate ausübt. Aikido hat tolle weiche Bewegungen, das hat etwas sehr Musikalisches. Da sagte er: Das probieren wir mal mit dem ganzen Orchester.
Was haben Sie mit den Musikern konkret geübt?
SCHÜLE: Wir haben Josef Daam eingeladen, einen Aikido-Trainer und Ergotherapeuten. Die Musiker kamen von einem Acht-Stunden-Probetag, eigentlich waren ihre Akkus leer. Doch schon bei den fernöstlichen Aufwärmübungen hat man gemerkt, wie der müde Haufen aus 30 Musikern wieder wach und konzentriert wurde. Wir haben nur gemeinsam rudimentäre Bewegungsübungen gemacht, doch danach waren alle wohlgelaunt und entspannt.
Wo liegt der Zusammenhang zwischen Kampfkunst und Musizieren?
SCHÜLE: Es gibt viele Parallelen. Aikido lebt stark vom gemeinsamen Üben, vom aufeinander Einlassen. Es gibt immer einen Angreifer und einen Verteidiger, die miteinander, nicht gegeneinander trainieren - wie im Orchesterspiel, wenn etwa ein Instrument die Melodie von einem anderen aufnimmt. Man ist im Aikido körperlich sehr nah beieinander - wie Musiker im Orchester. Auch die komplexen Bewegungsabläufe kann man teils übertragen.
Kein Gegeneinander? Aikido ist doch Kampfsport.
SCHÜLE: Ja, aber komplett defensiv angelegt. Es hat keinen Wettkampf-Charakter. Hat die Musik ja normalerweise auch nicht.
Sie selbst sind Trompeter. Können Sie anderen dank Aikido besser den Marsch blasen?
SCHÜLE: Ich spiele ein körperintensives Instrument, und Aikido trainiert den ganzen Körper. Ich kann dadurch besser atmen, die hohe Konzentration in die Musik rübernehmen. Bei Aikido übt man etwa, dass man mit einem Stock angegriffen wird. Diese Stress-Situation kann man durchaus damit vergleichen, in einem Orchester zu sitzen.
Info Das Kammerorchester Ulmer Studenten gibt am Sonntag, 20 Uhr, sein Semesterkonzert im Stadthaus. Auf dem Programm: Beethovens Sinfonie Nr. 1, Mozarts Violinkonzert Nr. 4 und Schuberts Sinfonie Nr. 7.
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Autor: MAGDI ABOUL-KHEIR | 02.07.2010
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Aikido hilft ihm beim Musizieren: Hannes Schüle. Foto: Privat
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