IHK: Spitzenplatz für die Region
Ulm. Die Region Ulm, Alb-Donau und Biberach muss nicht nach den süddeutschen Metropolen Stuttgart und München schielen. Dies zeigt Datenmaterial der IHK Ulm zur Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaft.
Die IHK-Region Ulm mit Stadt Ulm, Alb-Donau-Kreis und Landkreis Biberach ist eine der stärksten Regionen in Deutschland. Daher besteht überhaupt kein Anlass, auf benachbarte Metropolen wie Stuttgart oder München zu schielen. Auf diesen Standpunkt stellte sich IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle bei der Vorlage von Zahlenmaterial aus dem "Datencheck 2010" der Kammer. Dabei geht es insbesondere um Daten zu Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmarkt, Wirtschaftskraft und industrieller Struktur.
Die wichtigsten Stärken der Region liegen aus Sicht Sälzles:
im robusten Arbeitsmarkt und der mit Ravensburg bundesweit niedrigsten Arbeitslosenquote
im deutschlandweit höchsten Wirtschaftswachstum in den Jahren 1998 bis 2007 um 41 Prozent
in der Bevölkerungsperspektive, denn das Durchschnittsalter ist mit 41,1 Jahren vor Osnabrück (41,4) das niedrigste in Deutschland.
Sälzle machte aber auch Defizite aus: im Wohnungsbau, der vor allem in Ulm weniger als ein Fünftel des Werts von 1995 beträgt, weshalb in der Region fast 25 000 Wohnungen fehlen; in der Kinderbetreuung sowie in der Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs.
Der Fachkräftemangel sei angesichts rückläufiger Schulabgängerzahlen die "zentrale Herausforderung" für die Wirtschaft, sagte Sälzle. Dies gelte für die Region umso mehr, da es kein großes Potenzial an Arbeitslosen mehr gebe, die noch in die Betriebe geholt werden können. Nach den Erkenntnissen der IHK fehlen im Raum Ulm bis zum Jahr 2025 etwa 60 000 Fachkräfte, darunter 10 000 Akademiker. Die Region sei wegen ihres wirtschaftlichen Wachstums besonders auf neue Arbeitskräfte angewiesen.
Diese Dynamik spiegelt sich auch im Umsatz des verarbeitenden Gewerbes wider, der in Ulm, Alb-Donau und Biberach zwischen 1997 und 2008 um 67 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro wuchs. In Biberach stieg der Wert um fast das Doppelte auf 7 Milliarden. Ulm liegt mit 6,8 Milliarden auf Platz zwei vor dem Alb-Donau-Kreis mit 4,5 Milliarden. Der größte Anteil der Beschäftigten ist mit 28 Prozent im Maschinenbau tätig, im Fahrzeugbau sind es 13 Prozent, somit weniger als im Landesdurchschnitt (20 Prozent). Auch die Pharmabranche und Biotechnologie spielt eine wichtige Rolle. Der drastische Rückgang im Baugewerbe ist dagegen nach Sälzles Dafürhalten unumkehrbar.
Die Stärke des Zentrums Ulm zeigt sich nach seinen Worten auch im hohen Pendlerüberschuss von fast 40 000 Einpendlern. Biberach, Ehingen und Laupheim verzeichnen ebenfalls Pendlerüberschüsse. Sälzle verglich die Region mit einer oberitalienischen Städtelandschaft, die nicht auf eine Metropole fixiert sei. Man müsse im Wettstreit der Regionen "die eigene Stärke betonen".
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Autor: FRANK KÖNIG | 12.08.2010
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