Humoriger Ehezwist - "Anderthalb Stunden zu spät" im Theater Neu-Ulm

Alles gelaufen in dieser Ehe? "Anderthalb Stunden zu spät" feierte im Theater Neu-Ulm Premiere. Auf der Bühne standen die beiden Theatermacher Claudia Riese und Heinz Koch höchstselbst.

STEFAN LOEFFLER |

Mein Gott, was kann man nicht alles in 90 Minuten machen? Ein Fußballspiel ansehen, eine Runde durch den Wald joggen - oder die vergangenen 25 Jahre seines Lebens in Frage stellen. Letzteres tut Laurence Sancieu in der Komödie "Anderthalb Stunden zu spät", die im Theater Neu-Ulm Premiere hatte. Leidtragender ist ihr Mann Pierre, der von dem Wehmutsanfall schlichtweg überrumpelt wird. Eigentlich waren die beiden zum Abendessen bei einem wichtigen Geschäftspartner eingeladen. Doch während Pierre (Heinz Koch) im Mantel an der Tür wartet, entfährt es ihr (Claudia Riese) wie aus heiterem Himmel: "Ich kann nicht."

Drei Worte, die einem eheerprobten Partner sofort das Blut in den Adern gefrieren lassen. Dem smarten Pierre Sancieu geht es nicht besser, zumal seine Frau ein Geplauder mit der Gastgeberin ablehnt: "Ich habe keine Kraft für einen Smalltalk mit dieser blöden Kuh." Jedoch fehlt ihr nicht die Energie, um mit dem verblüfften Ehemann zu reden. Über alles, sprich Söhne und Tochter, das neugeborene Enkelkind, über das zugegebenermaßen etwas in die Jahre gekommene Sexleben, ach, einfach über alles. Und zwar sofort, denn es ist dringlich: "Ich stehe am Abgrund, bin alt, überflüssig und befinde mich auf dem Endspurt zum Sarg."

Oje. Dieser besorgte Blick auf einen eventuell sinnentleerten Ruhestand lässt den Aufbruch zum gemütlichen Dinner in weite Ferne rücken, denn der fürsorgliche Gatte ist plötzlich vollauf damit beschäftigt, die emotionale Talfahrt seiner Angetrauten zu stoppen. Im Verlauf des immer emotionaler geführten Hin und Her um verlorene oder zumindest verloren geglaubte Ideale muss er so einige Überraschungen erfahren. Ein Fass nach dem anderen wird von der hadernden Lebensgenossin aufgemacht und das Eheleben fein säuberlich wie mit einem Skalpell seziert.

Trotz aller Kabbeleien des liebenswerten Ehepaares erlebten die Besucher mit der von Gérald Sibleyras und Jean Dell erfundenen Komödie einen vergnüglichen Abend, da es weder Claudia Riese, die auch Regie führte, noch Heinz Koch in ihren Rollen darauf anlegten, ordentlich die Fetzen fliegen zu lassen und letztendlich Harmonie und Humor in den Vordergrund rückten. So manchem Besucher kam das Geschehen auf der Bühne wohl sehr bekannt vor, wie das Urteil eines Premierenbesuchers bewies: "Wie dahoim."

So regte das Stück nicht nur zum Schmunzeln, sondern durchaus auch zum Nachdenken an. Am Ende brechen die Eheleute dann doch noch mit Verspätung zum Abendessen auf. Nach anderthalb Stunden. Eine Zeit, in der man viele schöne Dinge machen kann. Man kann ein komplettes Fußballspiel ansehen, eine Runde joggen oder eben ins Theater Neu-Ulm gehen, um sich diesen humorigen Ehezwist anzusehen.

Info Weitere Aufführungen sind am 12., 13., 14., 19., 20., 21., 26. und 27. Dezember.

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