Hohoho macht froh

Im Podium des Theaters Ulm weihnachtet es bereits. Michael Sommers "Fürchtet euch (nicht)" ist eine amüsante Abrechnung mit dem Rummel.

CHRISTINA KIRSCH |

Bald geht es wieder los. Weihnachtsmänner werden mit Sack und Packdurch Fußgängerzonen streunen und ihre Glöckchen leuchten. Santa Claus heizt unsere trägen Konsumbegierden an. Hohoho.

Ignorieren kann man die Kerle kaum. Michael Sommer versucht es in seinem Stück "Fürchtet euch (nicht)" mit Erschießen, Totschlag und verbalem Draufdreschen. Seine "Abrechnung mit dem Fest des Geldes" legt in der Podium-Bar zwei Weihnachtsmanngeschichten übereinander. Die Reste des Lukasevangelium ächzen darin unter einem sattem Konsumanstrich.

Hinter dem Tresen der Podiums-Bar staubt Barkeeper Dr. Konrad Adamski (Maximilian Wigger-Suttner) die Insignien seines kleinen Reichs ab, darunter ein Portrait des Genossen Lenin. Es ist Heiliger Abend, ein Schmerzenstag für den gestandenen Sozi. Marx und Lenin: Seine persönlichen Heiligen. Aber dann schneit Carl Bröckle (Christian Streit) herein und ist genau das, was der Barkeeper hasst: ein Berufsweihnachtsmann. Carl hat acht Bescherungen hinter sich, fünf noch vor sich. Eigentlich ist er Schauspieler, so talentlos wie berufen. Da landet man schnell als Weihnachtsmann auf der Straße. Carls braucht Kohle, denn die Freundin ist schwanger. Ein Kind wird erwartet.

Christian Streit gibt den gestressten Rotkittel im Bescherungsmodus hektisch und fahrig. Die Berufsfachschule für Bescherungstechnik hat ihm das Lukasevangelium und den Verhaltenscode für Santa Clause zwei Leitfäden an die Hand gegeben. Doch an Adamskis Tresen schlägt ihm der blanke Hass ins bärtige Gesicht. Das schmale Oberlippenbärtchen zuckt über zusammengepressten Lippen, die Mephisto-Augenbrauen schnellen in die Höhe. Unvermittelt geht der Sozi mit einer Pistole auf das pelzige Kapitalistenschwein los. Doch Carl kontert mit der Bibel.

Man redet sich in Rage. Den Zuschauer erwartet ein Stofftiermassaker, die Entbindung eines Erlösers, das Würgen einer Gummipuppen- Maria und einen "wie wild herumnagelnden Zimmermann". Christian Streit spielt in der einstündigen Inszenierung Martin Borowskis eine rasante Weihnachtsgeschichte voller Komik, Überraschungen und Wortspielereien. Vergnügen pur. Am Ende ist dieser Typ im roten Mantel einfach nicht totzukriegen. Auch dann nicht, wenn statt des Sterns von Bethlehem ein Campari-Schild über der Bar blinkt.

Info Nächste Aufführungen: 4., 19. und 27. November. 0731/161 44 44.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr