Hilfe für die Bedürftigsten
Ulm/Ukunda. "Wir helfen Ukunda" heißt ein Ulmer Verein, der in dem kenianischen Dorf Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Neuestes Projekt ist ein Waisenhaus für Kinder mit HIV. Das Grundstück will Fabian Dörr im Februar kaufen.
Mehr als 350 Mal hat Dr. Ireri im Medical Centre im kenianischen Ukunda seinen OP-Kittel bereits übergestreift. Der OP-Saal für Notfälle ist 2007 mit Spendengeldern auch aus Ulm eingerichtet worden. "Das sind 350 Menschen, die sonst wohl gestorben wären. Mütter etwa, bei denen es Komplikationen bei der Geburt gab", sagt Fabian Dörr, zweiter Vorsitzender von "Wir helfen Ukunda".
Hilfe zur Selbsthilfe hat sich der Ulmer Verein bei der Gründung vor sieben Jahren auf die Fahnen geschrieben. Er unterstützt nicht nur das Medical Centre und eine Arztpraxis. Von seinem Engagement in dem Ort mit immerhin 30 000 Einwohnern profitieren derzeit 2500 Schüler an der Mwakigwena Primary School, Partnerschule des Ulmer Kepler-Gymnasiums, und der Bongwe Primary School. Dort hat der Verein zudem einen Kindergarten für 70 Kinder errichtet, die täglich eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen.
Am 21. Februar will Dörr, vor Jahren talentierter Nachwuchsleichtathlet beim SSV Ulm, wieder nach Kenia fliegen. Dann soll der Grundstein für die Kindergartenerweiterung gelegt werden. Dörr, inzwischen Medizinstudent in Jena, hat zudem einen Auftrag. Unweit der Projekt-Schulen wird er für den Verein ein 7000 Quadratmeter großes Areal erwerben, auf dessen Grund ein weiteres Großprojekt des Vereins entstehen soll: ein Waisenhaus für HIV-infizierte Kinder.
Schon jetzt unterstützen Dörr und seine Mitstreiter eine Selbsthilfegruppe, in der die gesetzlichen Vertreter und die Waisenkinder organisiert sind. Im letzten Hilfscontainer, der im Herbst eintraf, waren auch Schulmaterialien, Kleider und Schuhe für die künftigen Bewohner des Heims. "Diese Kinder sind die Bedürftigsten", sagt Dörr. "Sie haben nicht nur ihre Eltern an die tödliche Krankheit verloren, als Infizierte sind sie stigmatisiert, werden von den Pflegeeltern, meist Verwandte, nur geduldet."
Für die 28 Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahre sollen auf dem Areal Schlaf- und Waschräume, eine Küche und ein Aufenthaltsraum gebaut werden. Geplant ist außerdem, den fußballfeldgroßen Grund schon nach dem Erwerb und auch nach dem Bau des Heims landwirtschaftlich zu nutzen. Für die Ausstattung will man auf die vom Verein geschaffene Infrastruktur, etwa die Ausbildungs-Schneiderei und -Schreinerei an der Bongwe School, zurückgreifen.
Die Finanzierung für das Areal - rund 18 000 Euro - und die Kindergartenerweiterung steht. Doch für den Fortgang des neuen Großprojekts - die Baukosten werden sich wohl auf 20 000 bis 30 000 Euro belaufen - ist der Verein auf weitere Spenden angewiesen. Zwei Schulen, der Kindergarten, zwei Krankenstationen und nun das neue Waisenhaus: "Die Verknüpfung mit unseren bestehenden Projekten ist uns wichtig", betont Dörr. "Die Waisen werden medizinisch gut versorgt, müssen in den von uns unterstützten Einrichtungen nicht mit Benachteiligungen rechnen. Und die gesunden Kinder lernen, ohne Hemmungen auf HIV-Kranke zuzugehen."
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Autor: NICOLE REUSS | 24.01.2011
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Fabian Dörr im kenianischen Ukunda beim Verteilen der Kleiderspenden an die Waisenkinder. Sie sollen nun ein gemeinsames Zuhause bekommen. Privatfoto
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