Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Wenn Kinder ihre suchtkranken Eltern krank melden müssen, weil diese dazu selbst nicht in der Lage sind, dann brauchen diese Kinder Hilfe von außen. Halt gibt ihnen in Ulm die Suchthilfe der Caritas.

BEATE STORZ |

Eltern haben eine Vorbildfunktion. Aus Sicht ihrer Kinder machen sie zunächst einmal alles richtig. Darum kopiert der Nachwuchs meist deren Verhalten. Doch was, wenn Eltern kein Vorbild sein können, wenn Kinder sich sogar ihrer schämen müssen? Aus Kindersicht ein Tabu: "Meine Eltern sind süchtig." Am Montag beginnt die bundesweite "Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien". In vielen Städten finden Vorträge und Aktionen statt. Organisiert wird die Aktionswoche von karitativen und sozialpädagogischen Einrichtungen, die sich intensiv mit dem Thema Sucht beschäftigen.

In Ulm gibt es dazu zwar keine eigene Veranstaltung. Aber immerhin gab es ein Pressegespräch, um auf die Thematik aufmerksam zu machen. "Wir haben das ganze Jahr über Angebote für die Kinder und deren Angehörige", sagt Bernd Tiltscher von der Suchtberatungsstelle der Caritas Ulm. Nur wenige suchtkranke Eltern geben ihre Kinder in die Hände von Fachleute - weil sie sich nicht trauen und gar nicht daran denken. Denn die meisten Eltern sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt und merken nicht, wie ihre Kinder unter der Sucht leiden.

"Echt Stark!" ist ein Gruppenangebot für Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern. Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren treffen sich mit Sozialpädagogen und Gleichaltrigen in Gruppen. Dort können sie unter Leidensgenossen offen über ihre Eltern und ihre Ängste sprechen. So lernen sie, mit der Erkrankung der Eltern und deren Auswirkungen auf die eigene Psyche zurechtzukommen.

"Sucht ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu. Man kann nicht offen damit umgehen", sagt Tiltscher. Es tue Kindern aber nicht gut, Probleme in sich hineinzufressen. Geschätzte 2,65 Millionen Kinder unter 18 Jahren wachsen in Deutschland mit suchtkranken Eltern auf. Diese Kinder tragen laut den Organisatoren der Aktionswoche ein großes Risiko, später selbst einmal süchtig zu werden.

So berichtete ein 47-Jähriger im Pressegespräch über seine Erfahrungen als Kind mit Eltern, die beide Alkoholiker waren. Er hatte vier Geschwister. Als die Sucht der Mutter immer schlimmer wurde, übernahmen die älteren Kinder die Verantwortung für den Haushalt und die jüngeren Geschwister. Die Schule litt darunter. "Mit 15 Jahren habe ich meine Familie verlassen und den Kontakt abgebrochen." Er absolvierte eine Ausbildung und wurde danach Zeitsoldat, flüchtete sich in Leistungssport, gehörte zur Bundeswehr-Sportfördergruppe. Doch nach dem Ende seiner Bundeswehrzeit rutschte der heute 47-Jährige selbst in die Sucht. Er habe viel gearbeitet, doch Beziehungen habe er nicht eingehen können - der Kindheitserfahrung wegen. Seine Mutter sei unberechenbar gewesen. "Ich wusste nie, was mich nach der Schule zu Hause erwartete. Deshalb traue ich bis heute keiner Bezugsperson."

Ständige Angst und die Unfähigkeit, sich jemandem anzuvertrauen, haben den Mann sein Leben lang nicht mehr losgelassen. Sein Resümee: "Es wäre schön gewesen, wenn ich in meiner Kindheit Hilfe bekommen hätte. Dann wäre ich vielleicht nicht selbst alkoholsüchtig geworden."

Info Informationen über das Gruppenprojekt "Echt stark" der Suchtberatungsstelle der Caritas in Zusammenarbeit der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm gibt es unter Tel. (0731) 40 34 21 60.

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