Herzlich und mit Verstand: Premiere von "Der Zauberer von Oz"

"Ach, könnt ich doch fliegen", singt die kleine Dorothy. Und dann geht im Kinderstück "Der Zauberer von Oz" tatsächlich die Post ab. Martin Borowski erzählt die Geschichte am Theater Ulm herzlich, mit Verstand.

JÜRGEN KANOLD |

Was ist das nur für eine bedauernswerte Truppe: eine Vogelscheuche, die Stroh im Kopf hat, ein herzloses, eingerostetes Stück sprechendes Blech, ein Angsthase von einem Löwen und ein im Sturm verlorengegangenes Mädchen, das nicht mehr nach Hause findet. Aber nein, überhaupt nicht, das ist ein großartiges, verschworenes Team liebenswerter Figuren, das mutig in jedes Abenteuer zieht - und eigentlich keine Hexerei braucht, um sich in dieser Welt zurechtzufinden.

Das ist die Botschaft des Kinderbuchklassikers "Der Zauberer von Oz", und am Theater Ulm wird diese Geschichte jetzt in 70 Minuten richtig gut erzählt für ein Publikum ab fünf Jahren: fantasievoll bebildert und kostümiert von Mona Hapke und mit einem starken Ensemble um Sidonie von Krosigk als Dorothy. Ein Glücksfall, dass diese junge Schauspielerin, die als Bibi Blocksberg einst Millionen Zuschauer ins Kino und vor den Fernseher lockte, ihre herzerfrischende Natürlichkeit bewahrt hat und nun auch live am Stadttheater tatendurstig mit Grübchenlächeln gegen Hexen aus allen Himmelsrichtungen kämpft. Ihre Mitstreiter im Lande Oz agieren nicht weniger sympathisch und einfühlsam im "Weihnachtsmärchen": Matthias Happach als schlauer Strohmann mit Depardieu-Nase, Julia Baukus als praktischer Blechmann, der auch Tränen verdrückt, und Dan Glatzer als Löwe, der das Brüllen lernt.

Die palästinensischen Gäste Yasmin Shlalda und Jihad Al-khateeb schlüpfen - wortlos - in diverse Rollen vom Mümmler bis zum Baum. Sibylle Schleicher ist nicht nur Tante Em, sondern die Hexe für alle Fälle: giftig und böse ("Alter, ist die unfreundlich", kommentieren die Erstklässler), aber auch feenhaft lieb bis münchnerisch nett. Gunther Nickles gibt den Onkel Henry und verwandelt sich virtuos in den großen Zauberer von Oz, der am Ende als harmloser, Zähne putzender Waschlappen entzaubert wird. "Ich bin nur ein Schauspieler", sagt er entwaffnend, und wie Regisseur Martin Borowski diese Desillusionierung thematisiert und zeigt, ist eine durchdachte, wirkungsvolle Szene auch für die Erwachsenen.

Das muss man sagen: Borowski hat den "Zauberer von Oz" nicht nur pfiffig und effektvoll inszeniert, sondern zunächst mal eine gut komprimierte Bühnenfassung des Buches von L. Frank Baum geschrieben. Borowski, und das ist im Kindertheater ja längst nicht selbstverständlich, "erzählt" seine Geschichte. Dass die Akteure die Kinder nicht permanent auffordern müssen, die Handlung anzufeuern, die Figuren anzuschreien, ist dabei wohltuend. Auch so war gestern morgen bei der Premiere des "Zauberers" im ausverkauften Großen Haus das junge Publikum sehr engagiert dabei: Es ist ja ziemlich spannend, was die Helden so alles erleben und durchstehen müssen.

Musik (auch von Martin Borowski) und Tanz gibts ebenso, und zwar gut dosiert. "Ich will weg, weg, weg! Ach, könnt ich doch fliegen!" Mit einem knackigen Song gibt Dorothy schon am Anfang die Richtung vor: fort ins Märchenland. Ja, das kann das aufgeweckte Mädchen aus Kansas haben. Allerdings anders als erhofft. Ein böser Sturm tobt, und dann dreht sich die Hundehütte, in der Dorothy Schutz suchte, wunderlich fort. Am Ende aber war alles nur ein Traum - wirklich, ein sehr unterhaltsamer.

Aufführungen

Karten Fast 40 Mal steht das Kinderstück "Der Zauberer von Oz" bis Januar auf dem Spielplan des Theaters Ulm. Viele Vorstellungen sind bereits stark gebucht. Karten gibt es vor allem noch für die Sonntage: 26. Oktober (11 und 13 Uhr), 9. November (14 und 16 Uhr), 21. Dezember (11 Uhr) und 28. Dezember (11 und 13 Uhr). Vorverkauf: Tel. 0731/161-4444. 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr