Helmholtz-Institut für Energiespeicherung am Oberen Eselsberg eröffnet

Ulm hat jetzt auch ein Helmholtz-Institut – und zwar eines für Elektrochemische Energiespeicherung. Der 12 Millionen Euro teure Neubau, der rund 100 Wissenschaftlern Platz bietet, ist jetzt eröffnet worden. Mit einem Kommentar von Rudi Kübler

RUDI KÜBLER | 3 Meinungen

Dass die Forscher, die die Labore und Büros des neuen Helmholtz-Instituts Ulm (HIU) – mit der Adresse Helmholtzstraße 11 – bereits bezogen haben, vor einer großen Aufgabe stehen, dürfte ihnen spätestens beim Festakt auf dem Oberen Eselsberg bewusst geworden sein. Die Politik fordert von ihnen nicht weniger, als „die Speicherprobleme in den Griff zu bekommen, sonst gelingt die Energiewende nicht“, wie es Bundesforschungsministerin Johanna Wanka formulierte. Die Batterieforschung bezeichnete sie als das Zukunftsthema. In der Wissenschaftsstadt seien jetzt modernste Forschungsbedingungen geschaffen worden mit dem Ziel, „bahnbrechende Entwicklungen zu ermöglichen“.

Für das HIU haben sich vier Partner zusammengefunden: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Uni Ulm, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Träger der Forschungseinrichtung – der ersten außeruniversitären in Ulm – ist das KIT. Das Ulmer Helmholtz-Institut lediglich eine Außenstelle des KIT? Diese Frage stelle sich nicht, „es kommt vielmehr darauf an, Kompetenzen zusammenzuführen“, sagte KIT-Präsident Prof. Holger Hanselka.

Und das sei vorbildlich gelungen, stellte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fest. Dass die Uni Ulm in diesem Verbund zum Zuge kam, sei der „weitreichenden und klugen Entscheidung“ der Uni zu verdanken, weiter am Fach Elektrochemie festgehalten zu haben – im Gegensatz zu anderen Universitäten. Große Hoffnungen setzt sie auf die Wissenschaftler, die in diesem 12 Millionen Euro teuren Neubau attraktive Forschungsbedingungen vorfänden, um sowohl „grundlagen- als auch anwendungsorientiert“ zu arbeiten und leistungsfähige sowie langlebige Batterietypen zu entwickeln. „Wir werden noch viele gute Nachrichten aus Ulm hören“, ist sich Bauer sicher.

Uni-Präsident Prof. Karl Joachim Ebeling bezeichnete diesen Tag als „historischen Tag. Ulm ist kein weißer Fleck mehr im Bereich der außeruniversitären Forschungseinrichtungen.“ Wie Bauer so zeigte auch er sich überzeugt, dass das HIU ein Erfolgsmodell wird. „Wir werden eine führende Position in der Batterieforschung einnehmen.“ Und falls in Bälde eine Batterieproduktion entstehen soll, kündigte OB Ivo Gönner auf jeden Fall seine Hilfe an: „Wir haben in der Nähe noch ein Grundstückle.“

Kosten, Architekten, Etat und Forscher

Kosten 12 Millionen Euro kostet das dreigeschossige Gebäude des Helmholtz-Instituts (HIU), das von außen durch seine Aluminiumhaut besticht. Die Kosten teilen sich das Wissenschaftsministerium, die Uni Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT); die Ausstattung der Speziallabore und Büros schlägt mit 2 Millionen Euro zu Buche. Der Entwurf stammt vom Münchner Architekturbüro Nickl und Partner, errichtet wurde das Gebäude vom Ulmer Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg.

Etat Der Haushalt liegt bei 5,5 Millionen Euro, dazu kommen 3,5 Millionen Euro Drittmittel. Rund 100 Forscher arbeiten am HIU – Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Ingenieure, viele stammen aus Indien und China. Laborsprache ist Englisch.

Ein Kommentar von Rudi Kübler: Helmholtz-Institut: Endlich im erlesenen Kreis

Wer hat, dem wird gegeben. Heißt es bei Matthäus. Oder prosaisch ausgedrückt: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Dieses Verteilungsprinzip, Matthäus-Effekt genannt, herrscht auch in der deutschen Forschungslandschaft vor: Die vier außeruniversitären Forschungseinrichtungen – Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie Leibniz-Gemeinschaft – sind fast durch die Bank an den großen Universitäten zu finden. 34 solcher Einrichtungen waren bislang in Baden-Württemberg angesiedelt – in Freiburg und Stuttgart (je 8), in Tübingen und Heidelberg (je 5), in Karlsruhe (4), in Mannheim (3) und sogar in Konstanz (1). Ulm? Fehlanzeige.

Was das heißt, wird beim Blick auf den Etat dieser von Bund und Land finanzierten „Big Four“ deutlich: Sie verfügen in Baden-Württemberg über jährlich knapp 1,4 Milliarden Euro. Von diesem Geldfluss war die Uni Ulm abgeschnitten – mit eklatanten Folgen: Denn Geld geht immer einher mit kreativen Köpfen.

Die Eröffnung des Helmholtz-Instituts Ulm (HIU) bedeutet zwar keine Zeitenwende, die Uni Ulm ist mit dieser Ansiedlung aber im erlesenen Kreis außeruniversitärer Forschung angekommen. Und das mit dem zentralen Thema der Energiewende: der Energiespeicherung. Die Ulmer Wissenschaftler stehen im Fokus, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwarten Ergebnisse. Jetzt gilt’s.

3 Kommentare

03.11.2014 19:32 Uhr

"Grundstückle" frei?

Es ist sehr zu begrüßen, dass in Ulm Spitzenforschung zu Batteriespeichern betrieben wird, einer wichtigen Zukunftstechnologie!
Und wie diverse renomierte deutsche Unis und Forschungseinrichtungen in mehreren Studien gezeigt haben, hat man dafür auch noch genügend Zeit, weil mindestens in den nächsten 15-20 Jahren keine neuen Stromspeicher für die Energiewende benötigt werden.
Dies muss auch dazu führen, dass der leider seitens der finanziell am Abgrund stehenden SWU und ihrem Aufsichtsratschef OB Gönner immer noch weiterverfolgte ökologisch und ökonomisch unsinnige Pumpspeicher Blautal /Hochsträß endlich endgültig eingestellt wird.
Und wenn OB Gönner noch ein "Grundstückle" frei hat am Oberen Eselsberg und unbedingt trotzdem noch eine unsinnige Betonwanne für 100 Jahre in die Landschaft setzen muss, dann kann er das gerne dort machen grinsen

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02.11.2014 19:27 Uhr

Weggabelung

Wissenschaftlich betriebene Forschung bleibt ungeachtet ihrer ohnehin allfälligen Überhöhungen zunächst nichts weiter als eine unter vielen Formen menschlich verausgabter Arbeitskraft. Orientieren sich die Angehörigen des nunmehr seit vergangenen Freitag eröffneten Helmholtz-Instituts auf dem Oberen Eselsberg in Ulm/Do. nicht an deren sozialwissenschaftlich hinreichend untersuchten Imperativen, stehen die dort insbesondere von der Ministerin des Bundes für Bildung und Forschung bahnbrechend erwarteten Entwicklungen bis in die fernste Zukunft hinein aus. Insofern wäre die Einrichtung schlecht beraten, ein sich zunehmend unter der Bevölkerung ausbreitendes Phänomen nachzuahmen und die in dieser Frage längst auf dem Tisch liegenden Erkenntnisse von demselben zu wischen, wenn Millionensummen öffentlicher Gelder dadurch nicht schon heute gleichsam als verbrannt gelten sollen.

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03.11.2014 09:05 Uhr

Antwort auf „Weggabelung”

Könnte das jemand von der Redaktion in allgemeinverständliches Deutsch übersetzen?

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