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Heiligabend hinter Gittern: "Da werden selbst harte Männer weich"

Wenn an Heiligabend allerorten die stille Nacht besungen wird, ist es im Gefängnis meist besonders still. Die Sicherheit ist auch an Weihnachten oberstes Gebot. Vergünstigungen gibt es so gut wie nicht.

HANS-ULI MAYER | 0 Meinungen

Die diesjährige Weihnachtsamnestie hat zwar 22 Häftlingen vor der Zeit die Freiheit gebracht, dennoch ist die Ulmer Justizvollzugsanstalt mit ihren verschiedenen Abteilungen auch an Weihnachten gut belegt. Weit mehr als die Hälfte der knapp 320 im offenen Vollzug und im Untersuchungsgefängnis inhaftierten Personen verbringen die Feiertage hinter Gittern, nur knapp 40 Prozent dürfen auf Urlaub zu ihren Familien.

Wer in der Anstalt bleibt, darf allerdings kaum auf Erleichterungen hoffen. Die Sicherheit steht auch über Weihnachten an oberster Stelle. Und so sind Weihnachtsbäume und offenes Kerzenlicht in den Zellen nicht erlaubt. Die Häftlinge im Freigang können zwar durchaus ein paar Kugeln zur Dekoration aufhängen, aber "alles nur in kleinem Rahmen", wie die stellvertretende Anstaltsleiterin Jennifer Rietschler sagt.

Ganz allein gelassen aber werden die Männer über Weihnachten nicht, berichtet der Leiter der Justizvollzugsanstalt Ulrich Schiefelbein. Denn am 24. Dezember gibt es insgesamt drei Weihnachtsfeiern hinter Gittern - jeweils eine auf jeder der beiden Etagen in der Untersuchungshaft am Frauengraben und zusätzlich eine in der Hauptanstalt an der Talfinger Straße.

Dabei wird den Häftlingen besondere Ehre zuteil. So hat der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz sein Kommen zugesagt. Er wird die drei Gottesdienste höchstpersönlich zelebrieren, an denen nach Angaben der Anstaltsleitung auch muslimische Insassen teilnehmen, für die es kein gesondertes religiöses Angebot gibt.

Weihnachtsbäume werden nur in den Gemeinschaftsräumen aufgestellt und lediglich von elektrischen Lichterketten erhellt. Auch Päckchen von außen gibt es an Weihnachten nicht: Private Geschenke dürfen nicht ins Gefängnis geliefert werden. Für Geschenke sorgt die Anstalt lieber selbst: Jeder, der Heiligabend hinter Gittern verbringt, bekommt ein Päckchen, in dem freilich keine Überraschungen enthalten sind, sondern immer dasselbe Standardangebot bestehend aus Kaffee, Schokolade, Christstollen, Lebkuchen, Zigarettentabak und einem Feuerzeug.

Auch die Besuchszeiten werden nicht ausgeweitet, die Regelungen bleiben wie das ganze Jahr über bestehen. Letztlich ist dies dem Umstand geschuldet, dass auch die Vollzugsbeamten an Weihnachten zu Hause verbringen und nicht Zusatzschichten im Gefängnis schieben wollen. Natürlich besteht in der Vollzugsanstalt auch ein grundsätzliches und generelles Alkoholverbot. An Weihnachten gibt es also weder Glühwein noch Punsch, statt Sekt nur Selters.

Weihnachten im Gefängnis zu verbringen ist auch für Hartgesottene nicht einfach, weiß Vollzugsdienstleiter Dieter Schmucker. Am schwierigsten ist es für Männer, die Familie mit kleinen Kinder zuhause haben, die hätten über die Feiertage schon ordentlich zu kämpfen. "Da werden selbst harte Männer weich", sagt Schmucker, der in diesen Tagen durchaus Gefangene "beißen" sieht und in Einzelfällen sogar feuchte Augen beobachtet.

Einzig beim Essen gibt es einen Zuschlag - nicht unbedingt bei der Menge, da gebe es immer genug, sagt Schiefelbein. An den beiden Weihnachtsfeiertagen gibt es aber einmal Schweinefilet und einmal Schweinebraten mit den entsprechenden Beilagen und Zutaten, was im Unterschied zu dem normalen Anstaltsessen doch eine Steigerung bedeutet. Für Muslime wie für Vegetarier oder Diabetiker wird ohnehin ein gesondertes Angebot zur Auswahl bereitgestellt.

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