Roy El-Halabi: Tochter "kampfunfähig schießen"

Ulm/Berlin.  Dritter Verhandlungstag gegen Roy El-Halabi, der seine Adoptivtochter Rola vor einem Boxkampf schwer verletzt hatte: Ihr betreuender Ulmer Arzt schilderte jetzt vor Gericht die Situation von Rola El-Halabi.

Weinend verlässt Katja El-Halabi den Saal des Berliner Kriminalgerichts. Sie durfte sich nicht von ihrem Vater auf der Anklagebank verabschieden. Katja (24) ist die jüngere Schwester der angeschossenen Boxerin. Sie hatte ebenso wie ihre Mutter Hoda (46) im Gericht die Aussage verweigert. Beide Frauen wollten nichts zu den Ursachen sagen, die in Berlin in dem blutigen Attentat auf Rola gipfelten. „Danke“ sagte der Vater, als Tochter Katja von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte. Die Ehefrau hatte im Zuschauerraum Platz genommen und konnte ihrer Tränen nicht Herr werden.

Nichts scheint abgeschlossen oder verarbeitet zu sein in dieser Familie, die fast zwei Jahrezehnte lang offensichtlich gut funktioniert hatte. Bis zu dem Tag im Sommer 2010, an dem Rola sich in einen Mann verliebte, der nicht die Zustimmung des Vaters fand. Zunächst hatte Rola ihrem Vater und damaligen Manager sogar die Beziehung zu dem verheirateten Griechen verheimlicht. Als der Vater schließlich davon erfuhr, eskalierte die Situation. Rola, die immer alles getan hatte, was der Vater verlangte, sollte die Beziehung beenden, weigerte sich aber. Mehrfach erlitt sie in jenem Sommer Ohnmachtsanfälle, wofür keine organische Ursache gefunden werden konnte. „Das war psychosomatisch“, erklärte der Ulmer Arzt Mark Dorfmüller (45) vor Gericht. Er hatte Rola viele Jahre lang sportmedizinisch betreut und war auch vor Ort, als der Angeklagte im April auf die Boxerin schoss.

In letzter Konsequenz entließ Rola ihren Adoptivvater als Manager, holte ihren ehemaligen Trainer ins Team zurück und ging ihren Weg allein. „Roy fühlte sich von allen verlassen“, schilderte Dorfmüller die Reaktion des Mannes, dessen Lebenselixier die Karriere seiner Tochter gewesen war. Freunde hätten versucht, ihm klar zu machen, dass Rola ein Recht auf ein eigenes Leben hat. Aber er habe sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt.

In der Familie müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben, die auch dem Betreuer-Team um Rola nicht verborgen geblieben waren. So erinnerte sich der Arzt an einen Brief Rolas an ihren Vater. Darin habe sie behauptet, dass auch „seine Freunde“ wissen, dass er ein „Psychopath“ sei und „ständig jeden kontrollieren“ wolle. „Roy ist völlig zusammengebrochen, hat geweint“, erinnerte sich Dorfmüller.

Einmal seien Vater und Tochter sogar bei einer Psychologin gewesen, um die Probleme in den Griff zu bekommen, doch über gegenseitige Vorwürfe sei man nicht hinaus gekommen. Auch räumte er ein, von den Drohungen gehört zu haben, die El-Halabi ausgestoßen haben soll. Er wolle seine Tochter und deren Freund „zu Pflegefällen“ machen und seine Tochter „kampfunfähig schießen“, soll die Rede gewesen sein. Dennoch, so der Arzt, habe er sich „nicht im Traum“ vorstellen können, dass es zu „Gewalttätigkeiten“ kommen könnte.

Rola hatte es sich wohl vorstellen können. Sie hatte zwei Wachmänner beauftragt, vor dem Titel-Wettkampf im April in Berlin-Karlshorst Posten vor ihrer Kabine zu beziehen. Aber die Männer konnten nichts ausrichten, als Roy El-Halabi sie mit einer Waffe bedrohte. „Mit gehetztem Gesichtsausdruck“, so der Zeuge Dorfmüller vor Gericht, habe Roy plötzlich in Rolas Kabine gestanden, nachdem er zuvor auf die Wachmänner geschossen hatte.

Der Prozess wird am Donnerstag mit der Vernehmung von Rolas Lebensgefährten fortgesetzt.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: DIETGARD OBERST | 18.10.2011

Google 1+

Boxerin Rola El-Halabi

Urteil gegen Adoptivvater der Boxerin El-Halabi erwartet

Berlin/Ulm Im Prozess gegen den Adoptivvater der Profiboxerin Rola El-Halabi wird heute vor dem Berliner Landgericht das Urteil gesprochen.... mehr

Mehrjährige Haft für Roy El-Halabi beantragt

Berlin/Ulm Der Adoptivvater der Ulmer Profiboxerin Rola El-Halabi soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung sechs Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Der 44-Jährige hatte mehrmals auf die 26-Jährige geschossen und sie erheblich verletzt.... mehr

Anschlag auf Rola "von langer Hand geplant"

Berlin/Ulm Sechster Tag im Prozess gegen den Stiefvater der Boxerin Rola El-Halabi. Für den Anschlag ist Roy El-Halabi voll verantwortlich, sagt der Gutachter.... mehr

Fünfter Verhandlungstag: Kann Rola wieder boxen?

Ulm Fünfter Verhandlungstag im Prozess gegen Roy El-Halabi: Am Dienstag wurde in Berlin die Frage behandelt, ob Boxerin Rola El-Halabi ihre Boxkarriere aufgrund der erlittenen Verletzungen beenden muss.... mehr

Rola El-Halabi: "Ich durfte doch nirgendwo alleine hin"

Ulm/Berlin Wie intim war die Beziehung zwischen Rola El-Halabi und ihrem Freund wirklich? Diese Frage steht im Zentrum der Verhandlung gegen Rolas Vater.... mehr

Roy El-Halabi zeigt sich wenig beeindruckt

Ulm/Berlin Im Prozess gegen Roy El-Halabi sagten gestern die von ihm verletzten Sicherheitskräfte aus. Entschuldigt hat sich der Angeklagte nur bei einem.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr