Anfangs auf Wiesen gekickt

Grimmelfingen.  Fußball, Tennis, Tanzen, Gymnastik, Aerobic; dazu die Integration ausländischer Vereine und eine gut gehende Gaststätte. Der SV Grimmelfingen ist fast perfekt. Fehlt nur noch ein Sportplatz mitten im Ort.

Bei "Rasenschach unterm Hallendach" hat die Fußballabteilung des SV Grimmelfingen vor einer Woche passend zum Jubiläumsjahr die 31. Auflage des Fußball-Hallen-Stadtpokals gewonnen. Statt "Rasenschach" wird es heute Abend ein großes Jubiläumsfest unterm Hallendach geben und zwar in der Einsinger Mehrzweckhalle, weil der Grimmelfinger Bürgersaal zu klein ist. Zu klein für die insgesamt rund 500 Mitglieder - wenn denn alle kommen. Zu klein vor allem für die Tanzvorführungen der SSV Ulm-Abteilungen rhythmische Sportgymnastik und Kunstturnen sowie der Grimmelfinger Tanzabteilung und der RocknRoll-Company mit ihrer bekannten Showtanzgruppe "Rocking Sparrows".

So viele Tänzer - an die 30 Standard-Tanzpaare und 50 RocknRoller - kann selten ein Sportverein vorweisen. Die Erfolge sind Deutsche Tanz-Sportabzeichen "mit 100-prozentiger Erfolgsquote" und Platzierungen bei Süddeutschen Meisterschaften, heißt es in der Vereinschronik zum 50-Jährigen.

Was auch noch einzigartig ist am Grimmelfinger Sportverein: Fußballplätze, Vereinsheim samt Gaststätte und die Tennisplätze liegen außerhalb des Ortes - im Donautal. Denn begonnen hatte die Geschichte des SV mit Stammtischtreffs in der Bahnhofsgaststätte. Pächter und Gäste kickten auf den damaligen Wiesen im Donautal. Tischtennis wurde in Schuppen gespielt.

Zwölf Mitglieder gründeten schließlich 1962 den Verein. Dann ging alles ganz schnell mit dem eigenen Sportplatz: Die Stadt Ulm stellte ein Grundstück im Donautal zur Verfügung, Geld kam rein durch Alteisen- und Altpapiersammlungen, und die Mitglieder packten tüchtig mit an. Im Winter wurde in der Pestalozzi-Turnhalle trainiert, wo sich heute noch eine der beiden Frauen-Gymnastikgruppen trifft.

Bald schon etablierte sich eine gutbürgerliche Speisegaststätte, in der vor allem "das Experiment American Football für gehörigen Bierumsatz sorgte", heißt es in der Chronik. Und wie läuft die Gaststätte heute, nachdem immer mehr Vereine mit ihrer Gastronomie scheitern? "Sie läuft gut, auch in diesem Monat mit unserer neuen Pächterin", sagt Dieter Leyendecker, der zweite Vorsitzende des SV Grimmelfingen. Das Erfolgsrezept ist einfach: Beim Mittagstisch gibt es zwei Essen zur Auswahl, kurze Wartezeiten und 160 Plätze. Das spricht sich schnell herum bei den vielen Beschäftigten im Industriegebiet Donautal.

Ein großes Manko ist jedoch die Lage der Sportanlagen fern des Ortes. Dazwischen verläuft die viel befahrene Bundesstraße 311. "Da lässt keiner unbesorgt sein Kind mit dem Fahrrad hinfahren", sagt Leyendecker. Das erschwere die Jugendarbeit. Damit trotzdem immer Betrieb ist auf dem Sportgelände, bietet der SV den ausländischen Vereinen KKS Croatia Ulm und FC Sloga Ulm "eine sportliche Heimat", sagt Leyendecker. Und: "Die Gemeinschaft klappt super."

Trotzdem gibt es "Bad Boys" im Verein: So nennen sich scherzhaft sechs pfeilschnelle Männer um die 40, die sich im Vorraum zu den Kegelbahnen montags und samstags zum Dart treffen, der jüngsten Abteilung des Vereins.

Bereits seit 13 Jahren bietet der SV Aerobic an. An dem fetzigen Fitnesstraining in der Gruppe haben Kinder, Teenies und Erwachsene Spaß. Eher ruhig geht es da seit 1997 bei Nin-Jitsu zu, einer "effektiven Selbstverteidigung". Die 31 Mitglieder sind im Sportverbund Hochsträß vereint und belegen Trainingsstunden in Grimmelfingen, Eggingen und Einsingen.

Die Idee, dass der SV eines Tages ein neues Sportgelände auf Grimmelfinger Gemarkung erhält, sei "im Bürgerverein platziert", sagt Leyendecker. Bürgervereins-Vorsitzender Eberhard Kast habe den Wunsch auch schon "Richtung Stadt kommuniziert".

Info Mehr zum Verein unter www.sv-grimmelfingen.de


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Autor: CAROLIN STÜWE | 28.01.2012

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