Ulm/Neu-Ulm:

wolkig

wolkig
12°C/-1°C

Griechenland hat ein Imageproblem

Es gibt enge Beziehungen zwischen Ulm und dem überschuldeten Griechenland. Wir haben mit Landsleuten und Partnern aus der Wirtschaft gesprochen.

Autor: JULIA DERESKO REGINA FRANK |
Per E-Mail verschicken Diesen Artikel drucken

Eine Alltagsbeobachtung des Exportmanagers von Liqui Moly spricht Bände: In den größeren Städten Griechenlands kommt man mit dem Auto plötzlich durch. Der Verkehr ging deutlich zurück. Für den Manager ist dies allerdings kein Grund zur Freude, er soll in Griechenland schließlich Motoröl verkaufen.

Konkurrenten des Ulmer Unternehmens ziehen sich schon aus dem Markt zurück, berichtet Pressesprecher Peter Szarafinski. Die Geschäfte sind ihnen offenbar nicht mehr lukrativ genug. "Die Liqui-Moly-Denke ist eine andere. Wir verhalten uns antizyklisch." Soll heißen: Das Unternehmen versteht eine Krise als Chance. Es bleibt erst recht im Markt und versucht, in dieser Situation weitere Anteile des Kuchens zu gewinnen.

Selbst wenn die Rechnung nicht aufgehen sollte und der griechische Importeur von Liqui Moly entgegen aller Erwartungen in Kalamitäten gerät, wäre das für den Ulmer Motorölhersteller nicht weiter dramatisch. Der Anteil Griechenlands am Gesamtumsatz des Unternehmens liegt laut Szarafinski im einstelligen Bereich. Liqui Moly liefert zwar in 90 verschiedene Länder, dennoch spielt der Export eine vergleichsweise untergeordnete Rolle: 60 Prozent des Umsatzes werden in Deutschland und Österreich erwirtschaftet.

Um ein anderes Öl geht es Konstantinos Kontzinos. Der Ulmer Politiker und Grünen-Stadtrat findet, dass Griechenland ein Imageproblem hat. Schließlich habe das Land mehr zu bieten als Olivenöl. Kontzinos setzt auf erneuerbare Energie. Griechenland könnte Strom mit Windenergie produzieren, meint er, und den Überschuss ins Ausland exportieren. Und selbst das griechische Olivenöl werde unter Wert verkauft. "Wenn beim Ökohändler ein Liter griechisches Olivenöl acht Euro kostet und daneben ein italienisches steht, das zehn Euro kostet, kauft der Deutsche das italienische Olivenöl", sagt Kontzinos. Dabei exportiere Griechenland viel Olivenöl an Italien, welches der Endkunde als italienisches Olivenöl verkauft bekommt. "Das ist ein Vermarktungsproblem. Die Menschen haben kein Vertrauen in die griechischen Produkte und Qualität."

Die Familie des Politikers lebt in Griechenland. Sein Bruder, der ein PC-Geschäft besitzt, habe sehr zu kämpfen. Nicht nur die Mehrwertsteuer wurde erhöht, auch die Preise für Benzin und öffentliche Verkehrsmittel sind gestiegen, letztere um 40 bis 50 Prozent in den vergangenen sechs Monaten. Die Menschen sind gezwungen, auf einiges zu verzichten. "Geld müssen wir aber Gott sei Dank noch nicht schicken. Die Menschen haben noch eigene Reserven."

"Griechenland braucht keine Angst zu haben. In letzter Zeit wurde bei uns viel Erdöl und Erdgas gefunden", sagt Malamo Sotiriou-Braun, Kassierin des griechiechischen Elternvereins Ulm. Sie lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Ihre Familie blieb in Griechenland. Was Malamo Sotiriou-Braun stört, ist die Sicht auf die Krise: "Die Stimmung in Deutschland ist schlimmer als in Griechenland." Natürlich müssen die Menschen Einbußen hinnehmen. Doch das trifft die Bewohner in großen Städten eher als die auf dem Land. "Die Menschen im Dorf müssen keine Miete zahlen und bauen ihre eigenen Lebensmittel an. Aber in der Stadt hat nicht jeder ein eigenes Haus."

Mit Gelassenheit verfolgt man auch bei Iveco die Ereignisse in Griechenland. Im Ulmer Werk werden zwar schwere Lastwagen für den griechischen Markt hergestellt. Aber nur bis zu zwei im Monat. Sehr wenige, verglichen mit der Gesamtproduktion, die zurzeit bei 80 Stück liegt. Ob der Markt ganz einbricht oder sich erholt, habe keine spürbaren Auswirkungen auf die Ulmer Fertigung, sagt Pressesprecher Manfred Kuchlmayr. Das wahre Problem liege für Iveco nicht in Griechenland, sondern in Italien, wo der Lkw-Hersteller Marktführer ist und die Stückzahlen wegen der wirtschaftlichen Schwäche des Landes massiv einbrachen. "Schon das ganze Jahr über müssen wir den italienischen Markt hier in Deutschland kompensieren."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Verwandte Artikel
Themenschwerpunkt

Sedelhof

Sedelhof

In Ulm entsteht bis 2016 ein neues Stadtquartier: die Sedelhöfe. Das Millionen-Projekt wird das Gesicht der Stadt verändern. Derzeit laufen die Abrissarbeiten. Doch das Projekt gerät ins Stocken.

mehr zum Thema

Zum Schluss

Atemberaubende Riesen-Bilder

Fast 4.000 XXL-Kunstwerke an Gebäuden zieren die Metropole des US-Bundesstaates Pennsylvania – nicht umsonst nennt sie sich "Stadt der Wandbilder". mehr

ISS-Astronaut singt Bowie-Hit

Nasa-Astronaut Chris Hadfield singt David Bowies

Der Astronaut Chris Hadfield hat seine Fans mit Musik überrascht: Im All sang er den Bowie-Hit "Space Oddity" – und wurde zum Youtube-Star. mehr

Spielen: Ulmer Memorix

SWP Memory

Dieses 16-Karten-Memorix können Sie mit verschiedenen Motiven spielen: Ulm - einst und jetzt, 200 Jahr Berblinger Flug, und einige mehr. mehr