Interview: Gardena bleibt starke Marke
Ulm. Nach dem Weggang von Martin Bertinchamp ist Sascha Menges neuer Standortchef bei Gardena. Er macht eine klare Ansage: Die Ulmer Marke wird im schwedischen Husqvarna-Konzern keinesfalls verwässert.
In welcher Form existiert die Firma Gardena nach dem Verkauf an Husqvarna 2006 noch. Inwieweit ist sie im Konzern aufgegangen?
SASCHA MENGES: Die operative Ebene hat eine höhere Bedeutung als die legalen Strukturen. Aber der Standort Ulm ist einer der vier wichtigsten im Husqvarna-Verbund neben den Standorten Huskvarna, Shanghai und Charlotte (USA). Ein Viertel der Top-Führungskräfte des Konzerns sitzt im Donautal. Darunter befinden sich der für den weltweiten Einkauf verantwortliche Vorstand Martin Austermann, Entwicklungschef Peter Lameli und Teile des internationalen Produktmanagements. Die Marke Gardena wird somit weiter von Ulm aus geführt.
Wie wirkt sich die Integration in den Konzern aus, gibt es dadurch auch Vorteile für die Marke Gardena?
MENGES: Durch die Integration in den Husqvarna-Konzern profitiert Gardena bei Mährobotern, Heckenscheren und Rasenmähern - das Modell Powermax war nun zum zweiten Mal in Folge der meistverkaufte Rasenmäher in Deutschland -, aber auch bei Kettensägen, natürlich bei Gardena in der Elektroversion. Husqvarna wiederum profitiert stark von der durch Gardena entwickelten Akku-Technologie.
Wie läuft es für die Gardena-Produkte? Haben Sie die Marktführerschaft behalten? Wird Gardena überhaupt noch mit Ulm identifiziert?
MENGES: Das Produkt wird nicht verwässert. Gardena ist die beliebteste und stärkste Verbrauchermarke im Konzern, sie steht für pfiffige Ideen im Garten und ist ein echtes Zugpferd. Wir haben eine sehr positive Entwicklung durch neue Produkte, erzielen seit der Zugehörigkeit zu Husqvarna steigende Umsätze und sind für den Privatgarten weiter Marktführer in Europa. Ansonsten gilt: Gardena bleibt ein Ulmer Produkt. Wir wollen diesen Anspruch von Gardena auf Husqvarna übertragen, denn die Marke mit ihren professionellen Geräten ist derzeit beim Konsumenten nicht so bekannt. Daher freuen wir uns über den neuen Husqvarna-Händler im früheren Smart-Turm in Senden.
Welche Aufgaben hat der Standort Ulm - einschließlich der Satelliten Niederstotzingen und Heuchlingen - im Gesamtkonzern?
MENGES: In Ulm sitzt die Verwaltung mit Einkauf, Vertrieb, Marketing, Produktmanagement und Entwicklung. Dazu kommen die Produktion mit der Montage, speziell von Bewässerungsprodukten. Vor allem die Logistik wächst sehr stark, hier haben wir 2011 in Ulm und Laichingen 50 Mitarbeiter eingestellt. Niederstotzingen ist für den gesamten Schneidbereich verantwortlich bis zur Montage von Heckenscheren, Heuchlingen für Spritzguss-Vorprodukte wie Trimmergehäuse.
Welche Aufgaben haben Sie in diesem Umfeld als Standortchef?
MENGES: Als Sitemanager bin ich für die weitere Integration von Gardena in die Husqvarna-Gruppe verantwortlich, ohne dass dabei die Stärken von Gardena verlorengehen. Außerdem vertrete ich in der globalen Organisation die Standort-Sicht. Es gibt auch eine legale Verantwortung durch meine Position als Geschäftsführer bei den deutschen Gesellschaften.
Gibt es gerade aktuelle Themen, die Sie beschäftigen, oder ist es eher business as usual?
MENGES: Wir hatten 2011 im Konzern einige Wechsel im Management und wollen zunächst wieder für Stabilität sorgen. Gleichzeitig ist die erste Jahreshälfte entscheidend fürs Gartengeschäft. Unsere ganze Aufmerksamkeit liegt darauf, dass wir maximal und flexibel liefern können und die Qualität stimmt. Die konjunkturelle Lage bleibt zwar unklar, aber wir sind mit zahlreichen Innovationen in unserer Pipeline gut gerüstet. Beispiele dafür sind der neue Gardena-Mähroboter, das überarbeitete Sortiment an Spaten mit Stoßdämpfern und einer breiteren Trittfläche aus Kunststoff sowie ein neuer Wassermengenzähler zur Ressourcenschonung. Wir machen auch sowohl bei Gardena als auch Husqvarna mehr bei Akku-Geräten. Gardena ist in dieser Technologie seit 1973 stark. Mit Husqvarna bedienen wir damit nun auch professionelle Nutzer.
Wie ist die Stimmung am Standort? Ist die Integration in den Konzern abgeschlossen. Sind frühere Probleme - Beschwerden über einen zu ruppigen Umgang in der Produktion, vor allem von Frauen - gelöst?
MENGES: Eine Integration geht nie spurlos an den Mitarbeitern und der Firmenkultur vorbei. Wir sind aber schon sehr weit gekommen und bleiben auf einem guten Weg. Dieser Kraftakt war nicht reibungsfrei. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem früheren mittelständischen Familienunternehmen Gardena war natürlich sehr hoch. Wir müssen ein gesundes Mittelmaß zwischen dieser Identifikation und der Integration finden. Das Thema gibt es auch an anderen Standorten, die Husqvarna gekauft hat. Heute vertreten wir in Ulm neben Gardena alle Marken des Konzerns gleichermaßen und sind voll in das Konzerngeschehen eingebunden. Zu den angesprochenen Problemen: Es gibt nichts Aktuelles, dass Mitarbeiter sich drangsaliert fühlen. Sonst hätten wir sofort reagiert. Wir hatten zweifellos in der Produktion Veränderungen, der Standort Ulm hat jedoch bei der jüngsten weltweiten Umfrage unter den Mitarbeitern besonders gut abgeschnitten.
Ihr Verhältnis zum Betriebsrat?
MENGES: Ich war ja vorher schon Geschäftsführer bei Gardena Manufacturing und habe deshalb ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, angepasst an die Jahreszeiten flexibel zu produzieren, dies bleibt unser gemeinsames Ziel.
Was wurde durch die nun abgeschlossene Auslagerung der Informationstechnologie erreicht?
MENGES: Die IT hat inzwischen mit rund 50 Personen unter dem Dach von TDS Fujitsu ihren neuen Standort in Söflingen bezogen und ist nach wie vor für Husqvarna, aber auch Dritte, tätig.
Wie ist die Großwetterlage im Husqvarna-Konzern, die Sie als Vorstandsmitglied bestens kennen? Alles ruhig?
MENGES: Wir wollen uns mit dem neuen Management dieses Jahr stabilisieren und Projekte zu Ende führen. Angesichts der konjunkturell unsicheren Lage geht es nicht zuletzt darum, kaufmännisch mit Bedacht zu agieren und zu sehen, wie es weitergeht. Andererseits gehen wir mit TV-Spots für Husqvarna und Gardena in die Offensive.
Gardena wurde soeben 50 Jahre alt, was haben wir in den nächsten 50 Jahren von der Marke zu erwarten? Gibt es auf Dauer noch Innovationspotenzial im Garten?
MENGES: Der Akku ist ein wichtiges Thema, die Ressource Wasser ist ein Thema. Es gibt in einigen Ländern strenge Vorschriften für die Bewässerung. Ein Zukunftsthema ist auch das Robotermähen. Der neue Gardena-Mähroboter ist bereits in den Baumärkten. Es gibt unter der Marke Husqvarna auch den Auto-Mower für größere Flächen. Das ist ein Zukunftsmarkt.
Das führt uns zur Schlussfrage: Wie kann man noch Umsatzsteigerungen erzielen?
MENGES: Gardena ist stark in Europa, aber es gibt im Verbund mit Husqvarna noch ein riesiges Potenzial auf bisher nicht ausreichend erschlossenen Auslandsmärkten, beispielsweise in Nord- und Südamerika. Auch der Markt in Osteuropa wächst extrem. Wir sehen überdies ein großes Potenzial durch innovative neue Produkte im Sortiment.
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Autor: FRANK KÖNIG | 09.02.2012
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Gardena wird auch in Zukunft von Ulm aus geführt.
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