Fuß in der Tür zum Milchmarkt
Dellmensingen.
THOMAS STEIBADLER
Dellmensingen. Wenn es darum geht, die Position der Milcherbauern gegenüber den verarbeitenden Molkereien und dem Handel zu stärken, zögen der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) an einem Strang. Das betonte ABL-Bundesvorsitzende Maria Heubuch am Montag in der Mitgliederversammlung des BDM-Kreises Alb-Donau. Vor allem der Marktmacht der Handelsriesen stünden die Bauern als Erzeuger machtlos gegenüber. Diese Machtstrukturen müssten aufgebrochen werden, sagte die Landwirtin aus Leutkirch: „Das ist wichtig für unserer Existenz.“
Ein Hebel, mit dem dies gelingen soll, ist nach Ansicht von ABL und BDM die „faire Milch“. Die wird seit Mitte Januar über die in Freising ansässige Milchvermarktungsgesellschaft (MVS) vertrieben. Vom Verkaufspreis von 99 Cent pro Liter Vollmilch gehen laut MVS 40 Cent an die Erzeuger, die im BDM organisiert sein müssen. Bislang stehen 120 Landwirte aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen auf der Lieferantenliste, aus der Region Ulm/Neu-Ulm sind aber noch keine dabei. Die „faire Milch“ wird bisher ausschließlich in der Immergut-Molkerei im hessischen Schlüchtern verarbeitet und abgefüllt. Verkauft wird sie in Rewe-Supermärkten sowie in Märkten der vor allem in Hessen und Thüringen aktiven Tegut-Kette.
Seit etwa drei Wochen hat auch der in Ochsenhausen (Kreis Biberach) ansässige Großhändler Utz die „faire Milch“ im Sortiment. Mit der Resonanz aus den etwa 450 kleinen Geschäften, die Utz in Süddeutschland beliefert (zum Beispiel „Um’s Eck“) sei er zufrieden, sagte Verkaufsleiter Gebhard Voltenauer auf Anfrage unserer Zeitung: „Der Absatz ist sehr gut.“ Ob daraus ein dauerhafter Erfolg werde, entscheide aber der Verbraucher.
Die Eigenvermarktung spielt für die Landwirte ebenfalls eine Rolle, in erster Linie, um die „faire Milch“ bekannter zu machen und so Nachfrage zu wecken. Zu diesem Zweck plant der BDM zum Beispiel Aktionen in der Ulmer Fußgängerzone sowie während des Verkaufssonntags am 21. März in Ehingen. Den Bauern kommt dabei zugute, dass es sich um haltbare Milch handelt, was die Lagerhaltung erleichtert.
Auch auf politischer Ebene sehen BDM und ABL ermutigende Ansätze. Erzeugerverbände und die europäische Interessenvereinigung „European Milk Board“ hätten zum Beispiel zur „Sonderstellung der Milch in der EU-Agrarpolitik“ beigetragen, sagte Maria Heubuch. So habe der neue EU-Agrarkommissar Dacian Çiolos bereits angedeutet, dass das Ende Milchmengenregulierung im Jahr 2015 nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Mengensteuerung sein werde. Unterstützung sieht die ABL-Vorsitzende auch von Seiten des Europäischen Wirtschafts- und Sozial-Ausschusses. Diese Beratungsorganisation der EU betone die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens anstelle des Verfolgens immer ehrgeizigerer Wachstumsziele.
In der Mitgliederversammlung im Gasthaus Hirsch ist außer den Gemeindevertretern des Bundes Deutscher Milchviehhalter auch der Kreisvorstand gewählt worden. Zu diesem Kreis-Team gehören: Paul Fisel (Lauterach), Karl Eugen Kühnle (Unterweiler), Hubert Renz (Unterweiler), Martin Schwarz (Langenau-Göttingen) und Gernot Ströbele (Ehingen-Nasgenstadt). Mit 29 Stimmen wurde Ströbele zudem als Kreisvorsitzender bestätigt.
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Autor: THOMAS STEIBADLER | 09.03.2010
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