Frauen machen Frauen Mut

Ulm/Neu-Ulm.  Gleichberechtigung ist im Grundgesetz verankert. Doch wie sieht die Realität im Berufsleben von Frauen aus? Der Internationale Frauentag gab einen Einblick in individuelle Lebenslagen.

Um nicht untätig daheim zu sitzen, war Maria Bauer-Fenkl (53) sogar bereit, einen unterbezahlten Job anzunehmen. Ihr war gekündigt worden und sie hatte auf ihre Bewerbungen nur ein Echo erhalten: Absagen. Den schlecht bezahlten Job schmiss sie wieder hin und nahm damit eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld in Kauf. Aus der Not heraus ging die Gärtnerin einen für sie völlig neuen Weg: Sie machte sich - ermutigt von einem Existenzgründerseminar - im November in Neu-Ulm selbstständig und bietet Gartenpflege speziell für Gärten von Frauen an, die auf vorsichtige Rückschnitte Wert legen. Sie erhielt bereits Folgeaufträge.

Eine von drei Biographien, die am Internationalen Frauentag davon erzählten, was Frauen imstande sind, aus sich zu machen. Eine von drei Biographien, die anderen Frauen Mut machen können - zumal deren Erwerbssituation schwierig ist. In einer Gesprächsrunde wurde deshalb Frauen im Haus der Gewerkschaft eine Stimme gegeben, moderiert von vh-Leiterin Dagmar Engels.

Eines wurde an diesem Abend ebenfalls deutlich: Die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt tritt umso deutlicher zutage, als die Bildungsanstrengungen und -erfolge der Mädchen und jungen Frauen zunehmen. "Das katholische Mädchen vom Lande ohne Hauptschulabschluss gibt es nicht mehr", sagt die Leiterin für Chancengleichheit in der Arbeitsagentur Baden-Württemberg, Ruth Weckenmann. Aber die bessere Bildung werde vom Arbeitsmarkt nicht honoriert. Gerade die Vollzeitarbeitsplätze im Handel nahmen ab - und damit typische Frauenarbeitsplätze. "Was wächst, ist die geringfügige Beschäftigung."

Für die Türkin Saadet Ileri (46) war ein Spüljob in einer Gaststätte indes der Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. "Deutsch habe ich vom Koch gelernt", erzählt sie, einen Sprachkurs zu machen hatte der Vater der damals 18-Jährigen nicht erlaubt. Es folgen Zwangsheirat und Scheidung. In dieser misslichen Lage schafft es die energische Frau, sich ihren Lebensunterhalt - und den für ihre drei Kinder - als Versorgungsassistentin an der Ulmer Universitätsklinik selbst zu verdienen. Sie mag diese Arbeit, sie engagiert sich sogar als Betriebsrätin.

Ein Ärgernis, das Frauen auch am 8. März des Jahres 2010 noch beschäftigt, ist die Lohnungleichheit. Wenn Frauen weniger verdienen als Männer, ist das nicht nur eine Frage des aktuellen Lebensstandards, sondern eine der späteren Rente. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung, fand während einer akademischen Veranstaltung prägnante Worte für diesen Missstand: "Der Heiratsmarkt ist für Frauen immer noch lukrativer als der Arbeitsmarkt." Anders ausgedrückt: Die Witwenrente ist im Schnitt höher als die Rente, die eine Frau im Beruf erwerben kann.

Dennoch kämpfen sich Frauen durch den Berufsalltag, selbst in Männerdomänen. Nicole Pflüger (42) kann ein Lied davon singen, wie anstrengend das ist. Als Architektin "muss ich mehr überzeugen und mich länger beweisen als ein Mann". Bezeichnend: Es war eine Frau, eine der wenigen Bauherrinnen, die ihr eine erste Chance gab. Inzwischen hat sich Nicole Pflüger mit ihrem Neu-Ulmer Büro etabliert und sitzt oft im Kreise männlicher Entscheidungsträger, die ihre ganz eigene Kommunikationskultur pflegen. "Nach einer Stunde hat sich jeder präsentiert und lamentiert, aber man ist keinen Schritt weiter. Die merken gar nicht, dass sie nichts beschlossen haben." Frauen hingegen hätten die Art, bald auf den Punkt zu kommen. "Also greife ich moderierend ein, obwohl das oft Ärger verursacht."


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Autor: REGINA FRANK | 10.03.2010

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