Folteropfer in den Fokus rücken

Ulm.  Matthias Hambücher ist neuer Vorsitzender des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer. Gemeinsam mit seinen Vize Lisa Schanz und Otto Frey will er das Thema "Flüchtlinge" stärker publik machen.

Ein katholischer und ein evangelischer Würdenträger, dazu eine Sozialdemokratin aus der Kommunalpolitik: Der neue, nunmehr fünfköpfige Vorstand des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) ist das, was man eine gute Mischung nennt. Dekan Matthias Hambücher steht dem ehrenamtlichen Gremium vor, Stellvertreter sind der Geschäftsführer des Evangelischen Diakonieverbands, Pfarrer Otto Frey, sowie Stadträtin Lisa Schanz. Weiterhin im Vorstand sind Mario Stahr und Schatzmeisterin Katja Mayrhöfer.

Die Neuwahl war notwendig geworden, weil der bisherige Vorsitzende Harm Senne sein Amt wegen zeitlicher Überlastung zur Verfügung gestellt hatte. Hambücher, sagt, es sei eine Selbstverständlichkeit für ihn gewesen zuzusagen, als man ihm die Kandidatur antrug. "Christen sollten sich für Menschenrechte einsetzen." Frey hat durch die seit Jahren währende Flüchtlingsarbeit des Diakonieverbands im Übergangswohnheim Römerstraße einen Einblick in die Thematik. "Das BFU gibt traumatisierten Migranten eine Perspektive", gibt er als Grund für sein Engagement an.

Der neue Vorstand habe sich vorgenommen, das Thema Flüchtlingsarbeit mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, sagt Hambücher. Auch vor dem Hintergrund, dass die Flüchtlingszahlen in den vergangenen Monaten gestiegen seien. Wissenschaftlichen Studien zufolge seien 25 Prozent aller Flüchtlinge durch Folter oder andere Repressalien traumatisiert, sagt der organisatorische Leiter des BFU, Manfred Makowitzki. Allerdings variiere die Zahl je nach Herkunftsland stark. "Bei Flüchtlingen aus Afghanistan sind es bis zu 90 Prozent."

In den 16 Jahren seines Bestehens hat das BFU 1900 Flüchtlinge betreut. Die Therapien dauern zwischen einem und fünf Jahren, die Erfolgsquote sei hoch. Makowitzki: "Die meisten sind nach der Behandlung klinisch unauffällig."

Das Jahresbudget des BFU beträgt 250 000 Euro, finanziert wird es zu je 25 Prozent vom Europäischen Flüchtlingsfonds und durch Zuweisungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz. Weiterer Finanzier (12 Prozent) ist Amnesty International, der Rest kommt aus Stiftungen und Spenden. Von der Stadt Ulm gibt es zwar keine monetären Leistungen, "Ulm macht aber die beste Flüchtlingspolitik in Baden-Württemberg", sagt Makowitzki.


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Autor: CHRISTOPH MAYER | 15.07.2011

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