Florian Aicher hält ein Plädoyer für Bauernhäuser

Wie baut man alte Bauernhäusern behutsam um? Diese Frage beantwortet der gebürtige Ulmer Florian Aicher in einem prächtigen Buch.

HELMUT PUSCH |

So sperrig der Titel "Belebte Substanz. Umgebaute Bauernhäuser im Bregenzerwald" auf den ersten Blick klingen mag: Das, was Florian Aicher und sein Co-Autor Hermann Kaufmann da auf den 200 Seiten ihres großformatigen Bandes zusammengestellt haben, ist alles andere als sperrig oder trocken. Und es richtet sich nicht nur an Fachleute: "Wir wollten zwar einerseits das Fachpublikum ansprechen, aber auch eine breitere Öffentlichkeit", sagt Aicher.

Der gebürtige Ulmer ist der älteste Sohn des Designers Otl Aicher und von vh-Gründerin Inge Aicher-Scholl. Er hat in Stuttgart Architektur studiert, lehrt an der Fachhochschule Kärnten und lebt in Rotis, jenem Ortsteil von Leutkirch, in den Otl Aicher Anfang der 70er Jahre zog und nach dem er seine Rotis-Schriftenfamilie benannt hat.

Was die beiden Autoren vorlegen, ist nichts weniger als ein Plädoyer für den Erhalt von Architektur. "Man kennt das doch. Da steht ein altes Haus. Doch statt zu überlegen, wie man die Substanz weiter nutzen kann, heißt es oft: zusammenschieben", sagt Aicher. Zumindest in vielen Regionen ist das so. Die Ausnahme: der Bregenzerwald. "Dort gibt es eine Kultur, die alten Häuser umzubauen, sie den neuen Bedürfnissen anzupassen", sagt der 60-Jährige. Mit dem schönen Nebeneffekt: "Die Kulturlandschaft, zu der diese Häuser gehören, bleibt erhalten. Und die Menschen kommen sogar als Touristen, um sich in dieser Landschaft wohlzufühlen."

Wie geschmackvoll und geschickt man alte Häuser umgestalten kann, das zeigen Aicher und Kaufmann in 17 Reportagen über realisierte Umbauten, mit aussagekräftigen Fotos und Planzeichnungen. Wer die Häuser vor Ort in Augenschein nehmen will: Es gibt auch eine Landkarte mit den jeweiligen Standorten. Und in einem umfangreichen Glossar werden auch jede Menge Fakten über die Häuser erklärt, damit potenzieller Bauherr und Architekt eine gemeinsame Sprache sprechen, wenn sie darangehen, ein Stück Kulturlandschaft zu erhalten.

Ganz im Sinne von Florian Aicher, der davon überzeugt ist, dass Architektur nicht nur etwas für die Gegenwart ist. "Sie war vor uns da und sollte auch nach uns da sein. Unsere Aufgabe ist es, sie sinnvoll zu nutzen und zu bewahren."

Info Florian Aicher/Hermann Kaufmann: Belebte Substanz. Umgebaute Bauernhäuser im Bregenzerwald. DVA, 200 Seiten mit 260 Farbfotos und 350 Planzeichnungen, 49.99 Euro.

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