Fitness-Studios und Sportvereine im Clinch

Immer mehr Vereine springen auf die Fitness-Welle auf und bauen Trainings-Zentren. Private Betreiber von Fitness-Studios beklagen eine Wettbewerbsverzerrung wegen unscharfer Förderrichtlinien.

CHIRIN KOLB ... |

Mucki-Buden oder Krafträume waren früher oft übel nach Männerschweiß riechende Folterkammern für einige wenige Muskelmänner. Private Anbieter haben die Gesundheits- und Fitnesswelle früh erkannt und teilweise schon vor 30 Jahren öffentliche und kommerzielle Trainingszentren geschaffen, mit Sauna und Gastro-Bereich.

Seit einigen Jahren ziehen auch die Vereine nach, die die große Nachfrage auch ihrer Vereinsmitglieder bedienen wollen und in ihren Sportvereinszentren große Fitnessanlagen bauen. Der Vorläufer dazu war der SSV Ulm 1846 mit seinem Hans-Lorenser-Sportzentrum (HaLo), aber auch die TSG Söflingen mit ihren Plänen zu Sportopia oder ganz aktuell der SV Jungingen zielen in diese Richtung.

Mit den Vereinen aber wird die Geschichte kompliziert, weil die im Unterschied zu privaten Anbietern für Teile ihrer Sportanlagen öffentliche Gelder von Stadt und Land bekommen. Gerade diese Art von Sportförderung bezeichnen die Privaten aber als höchst unsportlich, weil sie eine Konkurrenz aufbaue, die den Wettbewerb verzerre.

Die Kritiker Erst Ende Januar haben 13 Betreiber privater Fitnessstudios in einem Brief an die Ulmer Stadtspitze, wie berichtet, die Entwicklung beklagt. Projekte wie Sportopia der TSG Söflingen würden die wirtschaftliche Basis der privaten Fitnessstudios untergraben, hieß es in dem Brief, den seinerzeit Georg Hatzichristou vom Olympia in Blaustein öffentlich vorstellte.

Sein Kollege Harald Pietschmann vom Zentrum für Fitness und Physiotherapie in Böfingen kritisiert ganz offen die Wettbewerbsverzerrung, weil der Landessportbund eine aggressive Förderpolitik fahre und billigend in Kauf nehme, dass kommerzielle Unternehmen schließen müssten. Es finde mit Steuergeldern subventioniert ein Verdrängungswettbewerb statt.

Vereine, wie beispielsweise der SV Jungingen, die die Zeichen der Zeit verschlafen hätten, würden jetzt öffentlich unterstützt ihre Fehler korrigieren. Pietschmann: "Missmanagement soll quasi mit Steuergeldern entlohnt werden." Die Behauptung von Stadt und Vereinen, dass in den vereinseigenen Fitnesszentren nur Vereinsmitglieder trainieren würden, sei falsch. Pietschmann: "Das stimmt einfach nicht."

Die Vereine Der SSV Ulm 1846 war vor 21 Jahren mit seinem Hans-Lorenser-Sportzentrum (HaLo) Vorreiter in der Fitness-Szene. Damals gab es kaum private Anbieter, "nur zwei oder drei", sagt Vereinspräsident Willy Götz. Deshalb habe auch keiner Einwände gegen das HaLo erhoben. Inzwischen sei die Zahl der privaten Studios deutlich gewachsen, auf rund 25 im Raum Ulm. "Jetzt sind die Margen geringer, jetzt tobt der Verteilungskampf."

Für Götz ist klar: Der SSV 1846 braucht das HaLo. Nicht nur als sportliches Angebot, sondern auch finanziell. Das Fitnesszentrum wirft Überschüsse ab, und die kommen nach Abzug der Steuer dem Gesamtverein zugute. "Von den Überschüssen profitiert kein Vorstand, kein Betreiber, sondern ein gemeinnütziger Verein." Von Mitgliederbeiträgen allein könne der SSV sein Angebot nicht finanzieren. Abteilungen wie Tanzen, Fechten oder Bahnengolf tragen sich nicht allein, sagt Götz. Bei kleinen Vereinen sei das anders, dafür sei deren sportliches Angebot aber auch deutlich kleiner.

Wer im HaLo trainieren will, muss SSV-Mitglied sein. Zusätzlich zum Vereinsbeitrag wird dann der Beitrag zum HaLo fällig. Kostenlos dürfen es nur wenige nutzen: Leistungssportler des Vereins, so genannte Kader-Athleten. Leichtathleten wie Mathias Brugger oder Arthur Abele beispielsweise. Von den rund 9600 SSV-Mitgliedern trainieren 2000 im HaLo.

Der Verein hat das Fitnesszentrum erst vor zwei Jahren für rund 400.000 Euro modernisiert. Den Großteil der Kosten trug der SSV, sagt der Präsident. Die Stadt habe ihre Förderung zurückgefahren und bezuschusse Fitnessanlagen für Freizeitsportler nicht mehr.

Wer wie der SV Jungingen ein Sportvereinszentrum mit Fitnessstudio bauen will, muss sehr genau rechnen. Von den rund 3,5 Millionen Euro Gesamtkosten erhält der Verein vermutlich weniger als eine Million Euro an Zuschüssen vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) und Stadt Ulm, sagt der Vorsitzende Christian Grupp. In dem Zentrum kommen zusätzlich zum Fitnessbereich die Geschäftsstelle, eine Sauna und vor allem Duschen und Umkleideräume für die Fußballer unter. Der hohe Eigenanteil von mehr als 2 Millionen Euro rechnet sich für den Verein nur, wenn das Fitnesszentrum ausreichend Zulauf hat.

Ein Verein müsse also ebenso rechnen wie private Anbieter. Der Fitnessbereich sei für den SV Jungingen eine Investition in die Zukunft, sagte Grupp kürzlich der SÜDWEST PRESSE. Das sieht auch SSV-Präsident Willy Götz so: "Das HaLo ist ein Goldstück für den Verein."

Der Vorsitzende der TSG Söflingen, Walter Feucht, fährt schwere Geschütze gegen die privaten Fitnessbetreiber auf und kritisiert diese in der ihm eigenen Sprache. Beispielsweise gegen den Betreiber des Olympia-Studios in Blaustein, der versuche, "seine eigenen Unzulänglichkeiten . . . auf dem Rücken der TSG Söflingen auszutragen".

Die Stadt In den Sportförderrichtlinien steht, dass die Stadt den Sport als unverzichtbaren Bestandteil einer modernen Gesellschafts-, Bildungs- und Gesundheitspolitik fördert. Nicht gefördert werden, und auch das steht in den Richtlinien, alle privaten und gewerblichen Sportangebote. Laut Gerhard Semler, Abteilungsleiter Bildung und Sport bei der Stadt, gehören dazu auch Fitnesscenter, Saunen und "Einrichtungen der Wellness", die grundsätzlich nicht gefördert würden. Grundsätze, die in ihrer allgemeinen Beschreibung allerdings schwer zu fassen sind. Das System ist kompliziert und lässt obendrein zahlreiche Ausnahmen zu. Semler: "In der Sportförderung gibt es nichts von der Stange. Jeder Verein hat seine Eigenarten."

Die Schwierigkeit, private Anbieter und Vereine möglichst gleich zu behandeln, sieht der Abteilungsleiter. Im Grundsatz beruft sich die Stadt auf die Einschätzung des Landessportbundes, der überprüft, welche Maßnahmen dabei förderfähig sind. Davon übernimmt der WLSB selber 33 Prozent, die Stadt 50 Prozent. Allerdings kann der Gemeinderat davon abweichen, wie Semler sagt. Bei allen Grundsätzen gebe es immer eine Einzelfallprüfung. Wie die aussehen kann, soll in den nächsten Richtlinien der Sportförderung der Stadt definiert werden, die derzeit beraten und im Herbst beschlossen werden sollen.

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