Fairer Kaffee, kalter Kaffee

Ulm.  Kaffee trinken für eine bessere Welt - ein erster Schritt auf dem Weg zur Fair Trade-Stadt. Dieses Siegel will die lokale Agenda für Ulm.

Genießen mit gutem Gewissen - das ist das Prinzip von Fair Trade. Manche Bürger der Wohlstandsgesellschaft bezahlen bewusst mehr für Kaffee und Schokolade, damit Bauern in ärmeren Ländern gerecht entlohnt werden.

Doch nicht nur koffeinhaltige Heißgetränke, auch Städte können Fair Trade sein. Das findet zumindest die Organisation TransFair, die den fairen Handel fördert und das Siegel "Fair Trade Town" verleiht, weltweit bereits an mehr als 1000 Städte. Und weil Ulm sich bekanntermaßen gern mit Titeln (etwa Solar- und Wissenschaftstadt) schmückt, hat die Lokale Agenda 21 eine Initiative gegründet, um auch diesen nach Ulm zu holen.

Die Voraussetzungen dafür? Zuallererst muss der OB Fair Trade-Kaffee trinken, ebenso wie die Stadträte bei allen Sitzungen und Ausschüssen. Außerdem sollte mindestens ein weiteres fair gehandeltes Produkt im Rathaus konsumiert werden. TransFair schlägt zum Beispiel Zucker oder Kekse vor. Da schmeckt der Kaffee gleich noch besser.

Doch damit nicht genug: Ulm muss sich einer Gesamtanstrengung unterwerfen, wenn die Stadt als fair gelten will. Gemessen an der Einwohnerzahl sollten 22 Einzelhändler und 11 Cafés oder Restaurants faire Produkte anbieten, außerdem mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde.

So richtig konnte sich der Gemeinderat allerdings nicht für den Vorschlag erwärmen. Vor allem OB Ivo Gönner gab sich nachdenklich: "Je mehr wir im Wohlstand leben, desto mehr fahren wir auf solche Themen ab." Natürlich müsse die Stadt vorausgehen. "Aber die Donaustädte jenseits von Bratislava haben völlig andere Probleme", gab Gönner zu bedenken. Man müsse nicht an jedem Wettbewerb teilnehmen und noch mehr Titeln hinterher jagen. Sein Fazit: "Es kann doch auch reichen, dass mans einfach macht."

Gemacht wird es in der Tat: Der Kaffee im Rathaus ist schon seit ein paar Jahren fair. Das erste Kriterium auf dem Weg zur gerechten Handelsstadt wäre also schon mal erfüllt.


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Autor: CHRISTINE LIEBHARDT | 23.02.2012

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