Ex-Terrorist Fritz G. bleibt in Haft

Im Mai 2010 ist Fritz G. als Kopf der islamistischen Sauerland-Terroristen zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt hätte er nach zwei Dritteln auf Bewährung freikommen können, er bleibt aber weiter in Haft.

HANS-ULI MAYER |
Der Ulmer Fritz G. galt als Kopf der Sauerland-Gruppe, die vor Jahren im Namen der usbekischen „Islamischen Jihad Union“ (IJU) mit engen Beziehungen zu Al Kaida Bombenanschläge auf US-Einrichtungen verüben wollte. Die Männer waren bis zu ihrer Verhaftung im September 2007 in einem kleinen Ort im Sauerland weit vorangekommen mit ihren Vorbereitungen und hatten bereits begonnen, die Wasserstoffperoxid-Bomben zu bauen. 2009 wurde ihnen der Prozess gemacht, im Mai 2010 wurden sie verurteilt – der Ulmer Fritz G. zu insgesamt elf Jahren Haft.

Im vergangenen Herbst hätte er auf Bewährung freikommen können, nachdem er zwei Drittel seiner Haftstrafe verbüßt hat. Das deutsche Strafgesetzbuch sieht vor, dass so genannte zeitige Freiheitsstrafen – also nicht Verurteilungen zu lebenslanger Haft – unter bestimmten Umständen nach zwei Dritteln der Zeit zur Bewährung ausgesetzt werden können. Die Überprüfung findet von Amts wegen statt, die betreffende Person muss aber zustimmen. Wie die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Anfrage mitteilte, bleibt G. aber ebenso weiter in Haft wie der Mittäter Adem Y., während Daniel S. unter strengen Auflagen zur Bewährung freikam. Der Vierte im Bunde, der ebenfalls aus Ulm stammende Atilla S., war als Helfer nur zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt worden und schon vor Jahren freigekommen.

Warum es zu der unterschiedlichen Bewertung der einzelnen Mitglieder der Sauerland-Gruppe kommt, ist nicht eindeutig. Bei dem Ulmer Fritz G. verhält es sich nach Recherchen der SÜDWEST PRESSE so, dass der Inhaftierte einer solchen automatischen Überprüfung nicht zugestimmt hat, und es insofern gar keine gab.

Eine der Bedingungen für eine vorzeitige Haftentlassung ist eine günstige Sozialprognose. Also der Nachweis, dass das Leben nach dem Gefängnis in geordneten Bahnen verlaufen kann und von der Person potenziell keine Gefahr mehr ausgeht. Letzteres wird offenbar tatsächlich nicht mehr gesehen, wenngleich der Sprecher der Generalbundesanwaltschaft betont, dass es sich hier um eine Prognose handelt. Tatsächlich hatte G. in seinem Prozess den islamistischen Zielen abgeschworen und Terror als falschen Weg bezeichnet.

Offenbar hat sich bei dem 36-Jährige in der Haftzeit aber eine Erkrankung ausgebildet, wegen der er nicht stabil genug war, sich um seine Zukunft zu kümmern. Beispielsweise um eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz – es gibt eine ganze Reihe von Punkten, an denen die Sozialprognose gemessen wird. Wie sein Karlsruher Anwalt Dirk Uden aber mitteilt, kann ein solcher Antrag auf vorzeitige Haftentlassung zur Bewährung jederzeit nachgeholt werden. Ob und wann dies geschehen könne, lasse sich derzeit nicht vorhersagen, teilte der Anwalt mit.

1985 war G. im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern nach Ulm gekommen. Hier hatte er nach der Scheidung seiner Eltern mit türkischen Freunden öfters Moscheen besucht und war Mitte der 90er Jahre zum Islam konvertiert. Als ausschlaggebend für seine Radikalisierung nannte er die Verschleppung von Khaled El Masri durch die CIA. Masri hatte in der Moschee vor ihm gesessen. Wie G. im Prozess sagte, habe die USA „den Krieg in das Multikultur-Haus gebracht“.

Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant

Der Plan
Ihren Namen hat die Sauerland-Gruppe durch den Ort ihrer Verhaftung. Drei von ihnen hatten in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschlehdorn ihre Planungen vorangetrieben und mit dem Bau von Bomben begonnen. Sie hatten bereits 730 Kilogramm Wasserstoffperoxid gekauft, was ausgereicht hätte, um Bomben mit stärkerer Sprengkraft zu bauen, als sie bei den Anschlägen in Madrid oder Londen eingesetzt wurden.

Die Ziele
Erstmals aufgefallen war die Gruppe im Dezember 2006, also neun Monate vor ihrer Verhaftung. Damals waren sie dabei beobachtet worden, wie sie eine amerikanische Kaserne in Hanau bei Frankfurt ausspionierten. Aber auch in Frankfurt selbst gab es offenbar ein Anschlagsziel. Die Angriffe sollten an verschiedenen Stellen gleichzeitig stattfinden. Vor Gericht gestanden die Angeklagten ihren Plan, möglichst viele US-Amerikaner zu töten.

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