Einsamen Kampf geführt

Ulm.  Mutig und hartnäckig setzt sie sich seit vielen Jahren für die Interessen lohnabhängig Beschäftigter ein. Und auch die Vorstellung ihrer Autobiographie gerät bei Ursula Engelen-Kefer zum kämpferischen Auftritt.

Vorlesen entspricht nicht so sehr ihrem Naturell. Sie spricht lieber ohne schriftliche Vorlage über die deutsche Gegenwart, die jüngste Vergangenheit und die Rolle, die sie selbst darin spielte. Ursula Engelen-Kefer hält ihr Buch "Kämpfen mit Herz und Verstand" zwar vor sich in Händen, sie schlägt es aber nur selten auf, während sie im Haus der Gewerkschaft ihre Kerngedanken, Analysen und persönlichen Erfahrungen vorträgt.

Die heilige Johanna der Sozialsysteme, wie sie mitunter genannt wurde, steht nicht mehr im medialen Blitzlichtgewitter - daraus zu schließen, die langjährige stellvertretende Vorsitzende des DGB hätte sich aus dem politischen Geschäft zurückgezogen, wäre allerdings falsch. "Das hätte manch einer gern gesehen", merkt sie amüsiert an. Nein, wenn sie überzeugt ist recht zu haben, nimmt sie nach wie vor kein Blatt vor den Mund. In der SPD nicht, wo sie nach wie vor aktiv ist, nicht im Arbeitskreis Sozialversicherung im Sozialverband Deutschland, den sie leitet, und nicht vor ihren Zuhörern in Ulm. Sie schimpft über einen überbordenden Lobbyismus, entlarvt fragwürdige Argumentationen, die die Mittelstandserosion negieren und kritisiert, dass sich die Gesellschaft auf einer Schnellstraße in die Spaltung befindet (in Anspielung auf die Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, der den deutschen Arbeitsmarkt auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung sieht).

Berichte über sinkende Arbeitslosenzahlen und viele neue Stellen zeichnen ihrer Meinung nach ein falsches Bild. Realität sei vielmehr: Es gibt viele Arbeitnehmer, die verzweifelt eine Stelle suchen und überall abgelehnt werden. Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor. Und Junge werden oft nur noch befristet eingestellt.

Engelen-Kefer zieht nach ihren einschlägigen Erfahrungen das Fazit: "Ich habe einen ziemlich aussichtslosen und einsamen Kampf geführt." Die Hartz-Kommission nahm die Arbeitslosenversicherung auseinander, die Rürup-Kommission die Rentenversicherung. Und die Unterstützer von Engelen-Kefer wurden in den 16 Jahren als stellvertretende DGB-Vorsitzende immer weniger. "Das Buch zeigt, wie die Kämpfe anhalten und der Erfolg geringer wird."

Ihre Lehre: "Wir brauchen wieder mehr Zivilcourage." Und sie ist der Meinung: Die Gewerkschaften müssten sich an die Spitze der Bewegung stellen.


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Autor: REGINA FRANK | 22.01.2011

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