Ein saftiges Stück Theater: "Sauschneidn" im Podium

Männer sind Schweine? Und das Leben ohnehin eine einzige Suhlerei im Unglück? Ewald Palmetshofers saftiges Stück "Sauschneidn" ist im Podium freilich ein garstiger, fettglänzender Spaß.

MAGDI ABOUL-KHEIR |

Kartoffeln, Mehl, Schmalz, Grammeln, alles angeröstet. Er könnte eine deftige Spezialität sein, dieser "Erdäpfelsterz", dessen Rezept im Programmheft abgedruckt ist. Aber was da in "Sauschneidn" im Topf gematscht, in Mäuler gestopft und herumgeschmiert wird, ist nurmehr eine fiese Pampe. Ganz so wie das Leben in Ewald Palmetshofers Stück. Am Samstagabend feierte sein "Mütterspiel" - vor zehn Jahren der Durchbruch des österreichischen Dramatikers - im Podium kräftig beklatscht Premiere.

Wir sind also im tiefsten Österreich. Ganz unten sozusagen. Auf einem Hof haben es sich Schwiegermutter Hansi und Schwiegertochter Rosi in ihrem Elend ungemütlich eingerichtet: "Dreckarbeit" auf dem Feld, in Stall und Küche, sonst nichts. Da bleibt nur Stumpfsinn und Suff. Schnaps als Gegengift: "I tring net, Muatta. I sauf. Saufn tua i. Wie a Loch sauf i", sagt Rosi.

Die Frauen führen fast eine symbiotische Beziehung. Hansi sieht, wie sich ihr Schicksal in dem ihrer Schwiegertochter wiederholt. Ihr Sohn, roh und gewalttätig, ist zum Peiniger geworden, wie ihr Mann einer war: "Aus mein kloan Fackerl is a Saubär woan. Wia sei Vata." Daher, findet Hansi, soll die Sau geschnittn werden - also kastriert: "Es muaß was passiern. Zwa Weiba. Und a Erlösung." Das geht Rosi zu weit. Aber wie soll dieses Leben überhaupt weiter gehen?

Fanny Brunner inszeniert wirkungsvoll ein Anti-Idyll, ein Anti-Märchen. Betten, Herd, Esstisch: Es ist eine kleine, muffige Welt in Grauschattierungen (Raum, Kostüme: Britta Lammers). An der Wand zeigt sich ein Kruzifix, das Mobiliar ist mit lateinischen Gebetsfetzen vollgekritzelt: gut abgehangener Katholizismus überall - der Rahmen dieser Gesellschaft. Brummtöne, Kuhglocken, böse Lieder wehen hinein: "Schwimmt das Schwänzlein / von dem Schweindl /schwimmt im Wasser / Schwanz und Schweindi". Betten werden zerwühlt, Sterz fliegt herum, Weihwasser spritzt. Ein garstiges Treiben.

Palmetshofer Stück ist in einer dialektalen Kunstsprache gehalten, die nicht künstlich wirkt, in der sich Unmittelbarkeit und das Unaussprechbare aneinander reiben. Wie das Handeln ist auch das Sprechen letztlich ein Akt des Scheiterns. Sibylle Schleicher, gebürtige Steiermarkerin, hat sich all die Litaneien und Zetereien beeindruckend einverleibt. Grantig suhlt sich ihre Hansi im Lebensunglück, im Hass. Menschen und Schweine: alles eins.

Ebenso überzeugend ist Renate Steinle als Rosi. Mal trocken, mal deftig, durchaus auch bösartig lässt sie sich ihren Text schmecken. Effektvoll weidet sie den Menschenekel ihrer Figur aus, aber es scheint auch immer wieder eine Art Akzeptanz des Widerwärtigen durch.

Raffiniert wird "Sauschneidn" durch eine dritte Figur, die für Brüche sorgt. Im Personenverzeichnis steht nur "Sie", eine "Frau unbestimmten Alters", aber diese "Sie", das können auch "die Männer" sein. Oder das "männliche Prinzip" in diversen Formen: Genussvoll monologisiert, kommentiert sie, verkörpert mal Rationalisierung, mal Lust- und mal Gewaltprinzip, mal Kirche und mal Teufel. Und um Sexualität - oder um ihre Kompensation - geht es sowieso, vom "Stoßgebet" zum "Stoßen" ist's da nie weit. Barbara Trottmann ist ein prima spielfreudiger Gast.

Und zum Schluss? Brennt alles nieder? Oder ist das nur die Wirkung des Obstbrands? Rauch oder Nebelschwaden des Vergessens? Egal. Das Leben geht weiter, auch wenn es nicht weiter geht.

Info Nächste Aufführungen: 25. und 28. Februar, 21. und 28. März. Karten-Telefon: 0731/161 44 44.

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