Ein Skelett aus 2000 Einzelteilen

Neu-Ulm/Sengenthal.  Die ersten Stützen der Multifunktionshalle stehen schon als weithin sichtbares Zeichen für den Baufortschritt in Neu-Ulm. Die Neu-Ulmer SPD-Fraktion hat am Montag die Baufirma Bögl in der Oberpfalz besucht.

Aus mehr als 2000 Teilen wird in diesen Tagen das Skelett der Multifunktionshalle zusammengefügt, die die beiden Städte Ulm und Neu-Ulm an der Neu-Ulmer Europastraße von der Bauunternehmung Max Bögl bauen lassen. Die tonnenschweren Stützen und Träger aus Beton werden seit Beginn der Woche und jetzt dann täglich mit Sattelschleppern von Sengenthal bei Neumarkt auf die Baustelle gekarrt - einfache Entfernung 220 Kilometer. In umgekehrter Richtung waren am Montag Neu-Ulmer SPD-Stadträte zu einem Firmenbesuch in der Oberpfalz unterwegs. Dort haben sie sich in erster Linie über die Firmengruppe Max Bögl informieren lassen. Und: Sie haben just jene schweren Hallenteile gesehen, die in diesen Tagen in Sengenthal produziert werden.

Was die Bauabwicklung betrifft, liege man voll im Zeitplan, sagte Jürgen Kotzbauer, bei Bögl der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Die Eröffnung der Ratiopharm-Arena ist im Dezember 2011 geplant. Nichts spreche dagegen, dass der Termin eingehalten wird. Auch an den Kosten in Höhe von knapp 28 Millionen Euro habe sich seit Baubeginn absolut nichts geändert. Zwei Drittel der Kosten übernimmt Ulm, ein Drittel Neu-Ulm.

Fest steht zudem, dass sich drei Mitarbeiter der Bögl-Projektentwicklung jetzt schon um den Betrieb der Halle kümmern: Christian Bolz soll Veranstaltungen herbeischaffen, fürs Marketing ist Ralf Peter zuständig und für die Vermarktung Richard King. Der Arbeitsplatz des Trios wird spätestens im Dezember 2011 direkt in der Halle vor Ort sein. Bis zur Eröffnung soll auch eine eigene Betreibergesellschaft gegründet werden.

Auch wenn die Bögl-Projektentwicklung schon Kontakte zu Veranstaltern knüpft, wollte Ralf Peter sich noch nicht über Künstler auslassen, die demnächst in Neu-Ulm auftreten werden. Peter: "Bis zum Dezember 2011 ist es ja noch eine Weile hin." Ein Ankermieter werden die Ulmer Bundesliga-Basketballer sein. Am Betrieb werden sich auch die beiden Städte mit jährlich einer halben Millionen Euro beteiligen.

Was das Hallen-Management in Neu-Ulm betrifft, will Bögl auch von den Erfahrungen mit zwei Hallen profitieren, die das Unternehmen gebaut hat und betreibt: seit 2001 die Arena Nürnberger Versicherung in Nürnberg und seit 2009 eine Arena im kroatischen Varazdin. Kotzbauer: "Wir haben in diesen Hallen von der ersten Minute an gelernt. Fehler, die wir gemacht haben, werden wir in Neu-Ulm sicher vermeiden." Mit der Projektentwicklung, einem relativ jungen und kleinen Geschäftszweig der Firmengruppe, werde sich Bögl auch nicht überschätzen. Es sei eben ein weiteres geschäftliches Betätigungsfeld. Die Erfahrungen könnten später beispielsweise in den Betrieb von großen Sportstätten einfließen. Auch das sei eine strategische Option des Unternehmens. Bislang hat Bögl Fußballstadien nur im Auftrag gebaut, darunter die Commerzbank-Arena in Frankfurt, die BayArea in Leverkusen und das Rhein-Energie-Stadion in Köln. Derzeit baut Bögl zur Fußball-Europameisterschaft in 2012 in Polen und der Ukraine ein 43 000 Menschen fassendes Stadion in Wroclaw (Breslau). Auch baut Bögl mit einem örtlichen Partner das Vereinsstadion des FC Bunyodkor in Taschkent in Usbekistan für 33 000 Zuschauer.

Die Unternehmensgruppe habe ihre Stärke darin, dass von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zum Bau alles in eigenen Unternehmenszweigen erledigt werde, sagt Kotzbauer. Kaum etwas werde ausgelagert - mit Ausnahme von kleineren Fliesen- oder Elektrikarbeiten, um am Beispiel der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena zu bleiben. Die Angebote von Bögl seien deshalb sicher nicht die billigsten, aber sehr sicher. In Halle 1 in Sengenthal werden derzeit die großen Stützen und Träger für die Neu-Ulmer Multifunktionshalle aus Beton gegossen. Werkleiter Karsten Penner kann anhand einer Computersimulation nachvollziehen, welche Teile eingebaut sind, welche produziert werden. Auf einer Homepage kann der tägliche Baufortschritt mit Hilfe einer Webcam beobachtet werden.

Info Mehr über die Unternehmensgruppe Bögl unter www.max-bögl.de. Und die Webcam ist auf www.ratiopharm.de/bilder/webcam.html zu erreichen. Mehr Bilder auch auf www.swp.de/bilder


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Autor: EDWIN RUSCHITZKA | 25.08.2010

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