Ehrenamtliche stricken für Neugeborene in Ulm

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  • Eine Strickanleitung fürs Schühchen: Elfriede Knappich fängt mit 40 Maschen im Anschlag an, es folgen sechs Reihen im Perlmuster. 1/5
    Eine Strickanleitung fürs Schühchen: Elfriede Knappich fängt mit 40 Maschen im Anschlag an, es folgen sechs Reihen im Perlmuster. Foto: 
  • Zehn Reihen sind im Perlmuster gestrickt, einmal ein Lochmuster stricken, zwei Maschen zusammenstricken, vier Reihen glattstricken, für die Lasche sechs Reihen im Perlmuster. 2/5
    Zehn Reihen sind im Perlmuster gestrickt, einmal ein Lochmuster stricken, zwei Maschen zusammenstricken, vier Reihen glattstricken, für die Lasche sechs Reihen im Perlmuster. Foto: 
  • Das Schühchen wird erkennbar. Dafür wurden acht Reihen glatt im Kreis gestrickt.  3/5
    Das Schühchen wird erkennbar. Dafür wurden acht Reihen glatt im Kreis gestrickt.  Foto: 
  • Die Sohle wird geschlossen: Dafür im Perlmuster links/rechts je zwei Maschen zusammenstricken, fertig. 4/5
    Die Sohle wird geschlossen: Dafür im Perlmuster links/rechts je zwei Maschen zusammenstricken, fertig. Foto: 
  • Ein Kissen für den Rücken, und schon legen Elfriede Knappich (links) und Helene Barth mit Nadel und Wolle los. Foto: Volkmar Könneke 5/5
    Ein Kissen für den Rücken, und schon legen Elfriede Knappich (links) und Helene Barth mit Nadel und Wolle los. Foto: Volkmar Könneke Foto: 
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Ruhig auf dem Sofa sitzen und womöglich nichts tun? „Das geht nicht“, sagt Elfriede Knappich (68). „Das kann ich überhaupt nicht. Ich kann die Hände nicht ruhig halten“, sagt auch Helene Barth (82). Beide Frauen stricken Schühchen und Söckchen für Ulmer Neugeborene. Das Gestrickte kommt nämlich in die Ulmer Babytasche, mit der  alle Familien mit Babys beschenkt werden, die das möchten. Insgesamt besteht der Kreis der Strickerinnen aus 15 Frauen, Elfriede Knappich und Helene Barth sind die Rekordhalterinnen.

„Insgesamt bin ich bei über 1000“, sagt Elfriede Knappich. Helene Barth weiß es genauer: „1273 Paar Socken“, sagt sie stolz. Die seien, weil sie die Ferse extra strickt, einfach etwas zeitaufwendiger, erklärt sie. Beide arbeiten ehrenamtlich mit Nadel und Wolle seit dem Jahr 2012 für die Babytasche. Jede Frau produziert pro Jahr zwischen 200 und 300 Paar.

Das Selbstgestrickte in der Babytasche kommt bei den Hausbesuchen bei jungen Familien immer sehr gut an, erzählt Gabriele Burghardt, eine der beiden festangestellten Sozialpädagoginnen, die bei der AG West für die Babytasche zuständig ist. „Über die Söckchen und Schühchen freut sich jede Frau. Viele sagen, dass sie nicht wüssten, wie man das strickt.“ Und die Omas wüssten es oft auch nicht mehr –  oder hätten keine Lust dazu.

Das ist der große Unterschied zwischen den beiden Strickerinnen: Helene Barth strickt Babysöckchen, Elfriede Knappich hingegen Babyschühchen. Warum eigentlich, können beide nicht so richtig sagen. Das habe jede für sich schon immer so gemacht. Elfriede Knappich: „Meine Birgit wird nächstes Jahr 50. Seitdem mach’ ich die Schuhe.“ Sie hat als junge Mutter zunächst für ihre drei Töchter gestrickt, später für ihre fünf Enkelsöhne. Die kleidete sie in farblich abgestimmte Strampelanzüge. Später strickte sie sogar für den Verkauf bei „Baby Neher“, als der Laden noch in Ulm angesiedelt war.

Helene Barth hat zwei Kinder, acht Enkel und sieben Urenkel, die jüngsten sind Drillinge, „drei Mädels“, wie sie sagt. „Für alle habe ich gestrickt“, später dann in ehrenamtlicher Arbeit für das Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche. Mittlerweile „mag ich keine großen Sachen mehr stricken. Da sitzt man manchmal ewig dran.“ Die Babysöckchen haben genau die richtige Größe um sie an einem Abend zu beenden. Eineinhalb Stunden braucht sie für ein Söckchen, für ein Paar also doppelt so viel. Maschen zählen? Über das Stadium sind sie und Elfriede Knappich längst hinaus. „Ich stricke blind“, sagt Helene Barth. Nämlich abends beim Fernsehen. Film gucken und Nadeln klappern passt wunderbar zusammen.

Die richtige Wolle fürs Babys  Füßchen muss weich sein und sie dürfen darin nicht schwitzen. Auf keinen Fall dürfe Mohairwolle verwendet werden. Die fusselt. „Womöglich steckt das Kleine ein Füßle in den Mund und verschluckt sich an der Wolle. Das geht nicht.“ Beide sind sich einig, dass eine weiche Baumwolle die richtige ist. Helene Barth schwört auf die Marke „Regia, die Sockenwolle. Das ist kein Kruscht.“

Egal, ob Schühchen oder Söckchen – ein Bändel gehört dran, damit sie am Fuß halten. Knappich häkelt schmale Bändchen, Barth dreht eine Kordel. Ihr ist eine raffinierte Idee gekommen, wie sie die allein herstellen kann. „Ich binde die Fäden an eine Türklinke, die anderen Enden an den Handmixer und los geht’s.“

Ein Dankeschön bekommen die Strickerinnen übrigens nicht oft. Einmal habe sie eine Karte von einer türkischen Familie erhalten, erzählt Helene Barth. „Ich zweimal“, sagt Elfriede Knappich.

Helene Barth hat selbstverständlich für ihre jüngsten Urenkel, die drei Mädchen, zu Nadel und Wolle gegriffen. Für sie hat sie jedoch als erstes drei Mützchen gestrickt.

AG West Die Babytasche ist ein Kind der Weststadt. Dort wurde 2009 das Konzept  im Rahmen der Projektes „Soziale Stadt“ erprobt. Mittlerweile wird die Babytasche an alle Ulmer Eltern, die Nachwuchs bekommen haben, verteilt. Seit 2016 ist der Verein AG West der Träger der Babytasche.

Inhalt Rund 1200 Kinder kommen in Ulm jährlich zur Welt. Bei einem Hausbesuch erhalten Familien die Babytasche. Darin ist ein Ordner mit Infos aller Art wie über Kitas. Neben einem Body und dem „Stärkegutschein“ der Stadt Ulm liegen gestrickte Babyschuhe oder Söckchen bei.

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