Echte Supernasen
Ulm. Hunde können Menschenleben retten. Am Sonntag wurde der vierbeinigen Supernasen im Rahmen eines weltweiten Tags des Rettungshundes gedacht. Ein Blick hinter die Kulissen der Ausbildung.
Aponi will arbeiten. Schwanzwedelnd springt die junge Australian-Shepherd-Hündin aus dem Auto ihres Frauchens, hat sofort alles im Blick. Geht"s los? Zuerst ist jedoch ihre Geduld gefragt: Ihre Hundeführerin Lilia Lüsi-Kraus bespricht den aktuellen Trainingsplan mit ihrem Ausbildungsleiter Eugen Glocker. Denn die beiden haben ein großes Ziel: Aponi soll Rettungshündin werden. Jetzt, im Alter von gerade einmal zehn Monaten, ist die quirlige Hündin mit dem bunten Fell bereits seit über einem halben Jahr bei der Rettungshundestaffel Ulm. In ein bis zwei Jahren wird sie in der Lage sein, gemeinsam mit ihrer Hundeführerin in Einsätzen nach vermissten Personen zu suchen. Dann ist Aponi eine echte Supernase: Bei der Suche in unwegsamen und dichten Waldgebieten ersetzt ein einsatzfähiger Flächenhund bis zu 30 Menschen.
Bis Aponi und Lilia Lüsi-Kraus soweit sind, haben sie noch einen weiten Weg vor sich. Viele hundert Trainingsstunden müssen investiert werden, um Hund und Frauchen zu einem professionellen Team zusammenwachsen zu lassen.
Denn obwohl die Arbeit der Rettungshundestaffel Ulm ehrenamtlich ist und Einsätze kostenlos geleistet werden, streben doch alle ein hohes Niveau an. "Wenn wir ein Gebiet im Einsatz freigeben, sucht dort keiner mehr", erklärt Eugen Glocker. Würde ein Team nicht einwandfrei funktionieren, dann könne dies im Ernstfall den Tod einer nicht gefundenen vermissten Person bedeuten.
Damit das nicht passiert, wird in Ulm fleißig trainiert. Bis zu zwei Mal pro Woche treffen sich die rund 30 aktiven Mitglieder der Staffel zum Übungsbetrieb.
"Was machen wir dieses Mal?", fragt Lilia Lüsi-Kraus in die Runde. Die 28-jährige Soldatin steht mit Aponi an der Leine und einer großen Dose voller Fleischwurst in handlichen Würfeln bereit. Heute soll Aponi das Bellen an der Versteckperson lernen. Damit das klappt, wird die Übung ganz einfach gestaltet: Ein Helfer soll ihr die Fleischwurst zeigen und ein Stückchen in den Wald rennen, dann darf die Junghündin hinterher. "Wenn Aponi kommt, gibst du ihr sofort ein Leckerchen", weist Ausbildungsleiter Glocker den Helfer ein. Anschließend soll dieser erst einmal warten, was die Hündin von sich aus anbietet: "Wenn sie bellt, belohnst du sie sofort." Dann heißt es Start frei für Aponi. "Schau mal, was ich da habe", lockt der Helfer und wedelt mit der Wurstdose vor Aponis Nase. Dann rennt er einige Meter weit in den Wald, und die Australian-Shepherd-Hündin darf hinterher. "Such und hilf", flüstert Lilia Lüsi-Kraus ihr zu. Wie der Wind fegt Aponi über zwei umgestürzte Baumstämme zum Helfer. Eine kurze Stille. Dann bellt Aponi tatsächlich. Einmal, zweimal, dreimal. Fordernd und wie eine Große. Sie hat gelernt: Menschen haben Wurst, und die will sie haben. Die Wurstdose geht auf und Aponi langt tüchtig zu - Bezahlung für die gute Arbeit. Mit dem Helfer kommt sie zurück zum Startpunkt.
Weil die erste Übung so gut geklappt hat, folgt gleich der nächste Schritt. Nun verschwindet der Helfer ganz aus Aponis Sichtfeld und die Hündin muss ihre Nase einsetzen. Kein Problem für Aponi. Sie ist für ihre Aufgabe als Rettungshund prädestiniert: "Sie hat eine gute Auffassungsgabe und lernt schnell", befindet Ausbildungsleiter Glocker. Und: "Ihr macht es einfach nur Spaß", sagt Lüsi-Kraus.
Das ist wichtig, denn in der anspruchsvollen Rettungshundearbeit kommt man ohne eine hohe Motivation des Hundes nicht zum Erfolg - schließlich kann ein Realeinsatz oft Suchen über mehrere Stunden erfordern.
Info
Weitere Informationen über die Ausbildung zum Rettungshund gibt es auf den Seiten der Rettungshundestaffeln der Region: www.rettungshundestaffel.ulm.de (Rettungshundestaffel Ulm ) oder www.rettungshundestaffel.de (Rettungshundestaffel Neu-Ulm).
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Autor: AMREI GROSS | 29.04.2010
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Viel Training ist nötig, bis der Hund ausgebildet ist. Foto: Amrei Gross
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