Dritter Sieg: Schumachers Pfützen-Rallye

Ulm.  Richard Schumacher hat es schon wieder getan. Der schmächtige Läufer aus Süßen hat zum dritten Mal den Einstein-Marathon gewonnen. Die Zeit von 2:36,10 Stunden angesichts der Bedingungen: gut.

Block C war nicht zu halten. Eigentlich hätte für jeden der drei Blöcke ein eigener Startschuss das Signal zum Start ihres Einstein-Marathons sein sollen. Doch die Hobbyläufer schmissen ihre Müllsäcke und Plastiktüten weg, in die sie sich gehüllt hatten, und trabten unaufhaltsam drauflos. Der Starter machte gar nicht erst den Versuch die stampfende Herde noch einmal aufzuhalten.

Mit dem Ausgang der Rennen hatten diese Läufer ohnehin nichts zu tun. Mit dieser Ambition waren sie auch gar nicht angetreten. Es ging allein ums Durchhalten, ganz besonders für diejenigen, die sich auf die kompletten 42,195 Kilometer wagten. Vom grausligen Wetter merkten sie eigentlich gar nichts oder ignorierten es einfach.

Anfangs war es auch nur der Dauerregen, der auf die Läufer einprasselte, später kam der Wind dazu. Er ging durch Mark und Bein. Doch richtig merkten es die meisten erst hinterher, als sie ausgemergelt über die Ziellinie liefen. War dann nicht gleich eine goldene Rettungsdecke zur Hand, begann das Zittern und Bibbern.

Davon blieb auch der nicht verschont, der am schnellsten wieder zurück war: Richard Schumacher, Dauergast beim Einstein-Marathon und nun schon zum dritten Mal Sieger sowie zweimal Zweiter. Auch er klapperte auf dem Weg zu den Gepäcktransportern in seine Folie gehüllt mit den Zähnen und konnte den Becher mit warmem Tee nur mit Mühe still halten. Die Hinteransicht von Matschspritzern verunstaltet, suchte Schumacher das Warme und vor allem trockene Klamotten.

"Die Pfützen haben mich aufgeregt", gab der zurückhaltende Sieger zu Protokoll: "Aber es hilft ja nichts, da muss man einfach mitten durch." Eine bessere Zeit hat ihn das gekostet, deshalb war Schumacher nicht ganz zufrieden mit seinen 2:36,10 Stunden.

Der Konkurrenz freilich hatte er schon nach wenigen Kilometern die Hacken gezeigt und sich früh abgesetzt. Markus Spägele (Mindelzell) hatte noch versucht ihm zu folgen, musste dieses Unterfangen jedoch bald aufgeben. Er bezahlte letztlich für das hohe Anfangstempo und wurde noch auf Rang sechs durchgereicht. Davon profitierte der bereits bei Kilometer 14 an dritter und vierter Stelle laufenden David Hinze (CNC Technik Mack/2:45,54)) und Guido Maier (Ratiopharm/2:47,16). Hinze hatte bei der Siegerehrung Mühe das Podium stilvoll zu erklettern, die 42,195 Kilometer hatten sichtlich Spuren hinterlassen. "Es war mein erster Marathon. Vielleicht habe ich das unter- oder überschätzt", meinte er gelassen. Den Schmerzen, die unweigerlich kommen werden in den nächsten Tagen, schaut er gefasst entgegen: Schließlich ist er Triathlet, und die sind Schmerzen gewöhnt.

Die breite Masse brauchte noch länger, war dem Wetter noch weit länger ausgesetzt. Besonders rund ums Münster zog es wie Hechtsuppe. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass fast alle, die dort standen mit den Läufern entweder verwandt oder zumindest gut befreundet waren. Ohne konkreten Grund tat sich das kaum jemand an.

Nicole Schneider wird trotzdem gerne wiederkommen. Denn auch sie kennt die Siegesgefühle in Ulm schon. Auf die 3:17,40 Stunden des Vorjahres ließ Schumachers Süßener Teamkollegin nun 3:08,16 Stunden folgen, eine durchaus beeindruckende Steigerung.

Das Feld der Damen, in dem im Marathon nur 93 Läuferinnen an den Start gegangen waren, zog sich ebenfalls früh auseinander. Nicole Schneider lief ihr eigenes Rennen, ebenso wie Kathrin Stöcker (Troisdorf-Siegburg), die in 3:13,28 Stunden auf den zweiten Rang lief. Weitere siebeneinhalb Minuten später folgte die nächste Lokalmatadorin: Carmen Kneer aus Feldstetten.

Der Wunsch der Organisatoren, die lokale Läuferszene in den Mittelpunkt zu stellen, hat sich damit erfüllt. Die wenigsten bekamen an diesem Tag wohl mit, wer denn da besonders schnell gelaufen war. Für sie ging es nur um ihr eigenes Rennen. Da wurden auf der Strecke neue Freundschaften geschlossen, Rangeleien gab es allenfalls um die letzten Rettungsfolien. Denn die waren kurzzeitig ausgegangen, als das Gros der Halbmarathon-Läufer sich durchs Ziel drängelte. Doch man hilft sich am Ende aus unter Kollegen. Manch einer erbettelte sich einen Müllsack oder holte die gebrauchte Folie wieder aus dem Müll. Das war der Marathon 2011.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: UTE GALLBRONNER | 19.09.2011

Google 1+

Wenig Polizeieinsätze

Ein ruhiger Tag war der Einstein-Marathon für die Ulmer und Neu-Ulmer Polizei. Einzig ein Gittermast war auf dem Ulmer Marktplatz umgestürzt und hatte zwei Personen verletzt, eine leicht, die andere mittelschwer.... mehr

„Der läuft in einer anderen Welt“

Ulm Regen und Kälte machen Ben Masai Beine. Der 19-jährige Kenianer gewann wie im Vorjahr den Halbmarathon beim siebten Ulmer Einstein Lauf. Schnellste Frau war Judit Mess vom AST Süßen.... mehr

Video: Start und Ziel des 7. Einstein-Marathons

Strömender Regen auf der ganzen Strecke: Die Teilnehmer des 7. Einstein-Marathons kamen mit nassen Füßen ins Ziel.... mehr

Vorjahressieger Masai gewinnt Halbmarathon erneut

Ulm Nach 1:06:18 Stunden ist am Sonntag Ben Masai über die Ziellinie des Einstein-Marathons gelaufen. Der 20-Jährige war bereits im vergangenen Jahr Sieger über die 21 Kilometer.... mehr

Wehe wenn sie losgelassen. . .

Ulm 5000 Kinder waren gestern bei den Jugendläufen im Donaustadion am Start. Es gab kleine, große Sieger und viele, die stolz waren die Medaille erlaufen zu haben. Heute um 9 Uhr fällt der Startschuss zum Einstein-Marathon.... mehr

Video: Das große Rennen am Samstag

Ulm Als der Startschuss fiel, gab es kein Halten mehr: Am Samstag tobten sich rund 5500 Kinder und Jugendliche bei den siebten Jugendläufen im Donaustadion aus. Erstmals dabei waren in diesem Jahr Handbiker. Organisator Wolfgang Beck zog sein Fazit.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr