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Dieselruß der Loks stinkt Anwohnern

Ruß, Lärm und Gestank, den Diesellokomotiven auf dem Ulmer Bahnhofsgelände verbreiten, sind für viele ein Ärgernis. Trotz strikter Umweltzone in der Innenstadt: Abhilfe wird es so schnell nicht geben.

JÜRGEN BUCHTA | 11 Meinungen

Vom Karlsplatz aus liegen die Gleisstränge des Hauptbahnhofs knapp 500 Meter entfernt. Dennoch klagen Leute, die in den oberen Stockwerken des Hochhauses wohnen, über penetranten Dieselgestank in der Nacht. Der Westwind treibe ihn vom Bahngelände rüber, berichten sie. Dann bleibe ihnen nur, die Fenster fest zu schließen.

Deutlich übler dran fühlen sich viele, die auf der östlichen Seite des Magirushofs und im Haus Schillerstraße 1 leben. Nur wenige Meter trennen ihre Wohnungen von den Gleisen. „Das Rangieren der Dieselloks mit Stellwerk und Ampel befindet sich leider direkt vor den Häusern“, schildert ein Vertreter der Hausgemeinschaft. „Loks warten bei laufenden und kalten Dieselmotoren teilweise bis zu einer Viertelstunde, bis die Strecke in den Bahnhof frei gegeben wird.“

Freilich: Nicht alle Lokführer verhielten sich gleich, berichtet ein Mieter aus dem Magirushof 53. Die Älteren zeigten in der Regel mehr Verantwortung und stellten die Motoren ab, sobald sie länger warten müssen. Jüngere aber scherten sich kaum darum, wenn sie vor ihren Maschinen stehen und man ihnen „Abschalten“ zurufe. Eher zeigten sie den Bewohnern den Vogel.

Die hatten sich bereits im April 2011 schriftlich an die Bahn gewandt: „Uns ist bewusst, dass wir direkt an der Bahnstrecke wohnen; ein vorbeifahrender Zug ist für uns kein Problem.“ Anders sehe es mit stehenden Diesel-Loks mit laufendem Motor aus. Für die Ulmer Umweltzone brauchten alle Autofahrer mittlerweile eine grüne Plakette. Eine Lok aber, die im Vergleich zum Dieselauto ein Vielfaches an ungefiltertem Ruß rausbläst, dürfe schier endlos die Luft verpesten.

Wenn man die Ampelanlage ein paar hundert Meter in Richtung Adenauerbrücke versetzte, wo keiner wohnt, so ihr Vorschlag, dann würde das das gesundheitliche Umfeld für die Bewohner entscheidend verbessern.

In ihrer Antwort vom 23. September 2011 ging die Bahn auf diesen Vorschlag erst gar nicht ein. Die beiden Chefs der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB), die den Brief unterzeichneten, versprachen lediglich, ihr „Personal zu sensibilisieren“. „Bisher ohne jeden Erfolg“, sind sich die Leute im Magirushof einig.

„Kein Käufer einer der Wohnungen in dieser Ecke, kein Mieter, der dort einzieht, weiß nicht, dass er vom Zugverkehr beeinträchtigt wird“, sagt heute auf Nachfrage ein Bahnsprecher aus Stuttgart. Den Lok-Stopp vor den Fenstern der Bewohner des Magirushofs 53 zu verlegen sei nicht möglich. „Zudem, es ist auch keiner da, der das bezahlen würde.“ Doch hätten die RAB-Chefs auch ihm noch einmal zugesagt, alles zu unternehmen, um die Lokführer, die auf dem Bahnhof arbeiten, für die Belange der Anwohner zu sensibilisieren.

Und wie sieht es mit dem Ruß aus, den die alten D-Lok innerhalb der Umweltzone in die Luft blasen? „Da bewegen wir uns auf der rechtlich sicheren Schiene“, sagt der Sprecher. Prüfinstanz in der Angelegenheit sei das Eisenbahn-Bundesamt. Alle eingesetzten Lokomotiven seien zum Betrieb zugelassen.

Dem hat auch das Regierungspräsidium Tübingen (RP), das über die Umweltzone wacht und sie zum Jahresbeginn gerade wieder verschärft hat, wenig hinzuzufügen. „Für die Bahn gibt es keine Regelung“, sagt RP-Sprecher Carsten Dehner. „Das war für uns bisher kein Thema.“

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11 Kommentare

07.04.2013 18:26 Uhr

Es sind nicht nur Abgase

Als ebenfalls Betroffener Anwohner nahe des Magirushofes möchte ich noch eines hinzufügen: Nicht nur der immer wieder deutlich wahrnehmbare Abgasgeruch hat in den letzten Jahren zugenommen, auch der Lärm. Der Grund ist die Schallschutzwand, die östlich der Gleise im Zuge des ICE-Trassenausbaus gebaut wurde.
Ironischerweise wurden vorher sogar Lärmmessungen in den Wohnungen vorgenommen. Mittlerweile habe ich den Verdacht, dass da ausgelotet wurde, wie weit man noch von Grenzwerten entfernt war. Ein Schlafen bei offenem Fenster ist jedenfalls nur noch sehr eingeschränkt möglich.

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05.04.2013 17:25 Uhr

Was kleinkariert klingt, ist aber nun mal die Wahrheit.

Dieselloks (und Holzheizungen) dürfen qualmen stinken und Geruchsbelästigungen vollführen wie sie wollen. Hauptsache unsere Kfz werden dazu verdonnert Feinstaub und Abgase zu vermeiden.

Ein Pkw eine Diesellok und die Holzheizung sind nunmal nicht das gleiche. Genauso wenig wie ein Radfahrer Linienbusfahrer oder Privat-Pkw die eine Rote Ampel überfahren. So ist das halt bei den Grünen und Öko`s zwinkern

PS:
Es hat ergänzend schon immer und überall Diesellok-/Dieseltriebwagenbetrieb gegeben. Daran wird auch die elektrifizierung der Südbahn oder die verhinderung von S21 nichts ändern.

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05.04.2013 14:56 Uhr

Dank S(chutt)21 gibt es keinen Ausbau der Südbahn

Da die Ulmer sich energisch für den Bau von S(chutt)21 eingesetzt haben,werden die Rußgeplagten Anwohner mit der elektrifizierung der Südbahn und Umstellung auf sauberer E-Lok,s noch bis zum "sanktnimmerleinstag"warten müssen.Auch die modernisierung von Bahnhöfen und Strecken wird in Ulm und Umgebung für Jahrzehnte zurückgestellt nur um ein paar Minuten schneller über die Alb zu kommen.

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05.04.2013 13:36 Uhr

Einfache Lösung: Elektrifizierung

Klar wäre es wünschenswert, den Ampelhalt zu verlegen, aber das Achselzucken der zuständigen kann ich auch nachvollziehen: wer will das bezahlen? Selbst für dringendere Maßnahmen will keiner Geld rausrücken.

Den Anwohnern würde ich eher empfehlen, ihren Abgeordneten Druck wegs der Elektrifizierung der Südbahn zu machen. Dann wäre das Problem mittelfristig elegant behoben.

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05.04.2013 09:09 Uhr

„Das war für uns bisher kein Thema.“ - und wird es wohl nie werden

Das RP hat für die 1. Fortschreibung des Luftreinhalteplans amtlich festgestellt, dass die Belastungen durch den Schienenverkehr nur sehr gering sind weil das nämlich so im Emissionskataster für Baden-Württemberg steht. Basta!
Alle Maßnahmen zur Emissionsreduzierung im Schienenverkehr werden wegen Geringfügigkeit und fehlender Rechtsgrundlage abgelehnt.
Wer sich von diesen Abgasen (in Summe mehr als alles, was Fahrzeuge mit gelber und roter Plakette ausstossen) beeinträchtigt sieht - und das sind nicht nur die Anwohner - wird sich noch lange damit abfinden müssen.

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05.04.2013 08:27 Uhr

Bessere Idee:

Feinstaubplaketten für Loks und ein generelles Tempolimit Nachts auf 30km/h sollte für die Stadt doch wohl kein Problem sein zwinkern

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05.04.2013 07:21 Uhr

Wer war zuerst da...

man sollte mal darüber nachdenken wer eigentlich zuerst da war, die Schienen oder diese Häuser. Wem´s nicht passt soll halt weg ziehen. Wann werden die Leute es endlich mal kapieren, dass die Innenstadt kein Dorf ist.
Sowas erinnert mich an die Kuhglocken im Allgäu.

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05.04.2013 07:39 Uhr

Antwort auf „Wer war zuerst da...”

Tschuldigung, hauptsache was geschrieben. Ihr Kommentar ist ja sowas von daneben (und überflüssig). Sie zeigen damit deutlich, dass sie sich weder mit der Thematik, und schon gar nicht mit der Problematik auskennen. Schade.

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05.04.2013 12:16 Uhr

Herr Maurer,

denke Sie haben nicht kapiert um was es mir ging. Aber egal, ich lass es mal so stehen, bevor man am Ende noch wieder in die rechte Schiene abgeschoben wird, was ja tüpisch wäre bei diesen notorischen grünen gegen alles sein.

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05.04.2013 13:31 Uhr

Antwort auf „Herr Maurer,”

An einen rechts motivierten Kommentar hätte ich nun zwar nicht gedacht, aber wo Rauch ist...

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05.04.2013 19:40 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Herr Maurer,””

Ich wusste gar nicht, dass ein Sachthema "Luftverunreinigung durch Diesellok" rechts oder links sein kann zwinkern
Es zeugt von unüberlegter Arroganz sofort zu sagen: "wenn es euch nicht passt, dann geht doch!" Eben nicht. Es gibt Dinge die darf man bei uns ansprechen und versuchen zu ändern. Und hier geht es nicht um gottgegebene Naturgesetze, sondern scheinbar (so entnehme ich es dem Beitrag) um kleinkarierte Bürokratie: Diesellok darf dampfen, weil irgendwo so festgelegt, Auto darf nicht dampfen, sonst wird bestraft. Die Verhältnissmäßigkeit scheint hier aus den Fugen geraten zu sein. Klar macht eine Lok mehr Dreck, aber muß man das einfach so hinnehmen?
Vor einiger Zeit wurde hier über die Tempolimits auf der B10 diskutiert: An der Autobahn steht ein Schild. "100 - Luftreinhaltung" , bei Lehr steht ein Schild " 70 - Luftreinhaltung". Da frag ich mich, bei welchem Tempo wird denn nun die Luft rein gehalten? Und wenn ich ein Elektroauto fahre, kann ich dann die Schilder ignorieren??

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