Die schlanke Truppe der Zukunft
Ulm. Deutschland führt Krieg, und die Bevölkerung schaut weg. Wie muss die Bundeswehr der Zukunft aussehen? Eine Diskussion im Stadthaus.
Es dauerte, bis sich die Politik traute zu sagen, was längst klar war: In Afghanistan herrscht Krieg. Weitere Waffengänge mit deutscher Beteiligung dürften folgen. Doch während die Anforderungen steigen, wird die Truppe zurückgestutzt, die Politik agiert mit Einzelfallentscheidungen, während ein schlüssiges strategisches Konzept in Deutschland bis heute fehlt. Das wurde im Stadthaus bei einer Podiumsdiskussion des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung deutlich.
"Dieses Land wird nicht abtauchen können", warnte Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Als eine der wirtschaftsstärksten Nationen der Welt werde sich Deutschland den außenpolitischen Herausforderungen stellen müssen. Wie diese aussehen, skizzierte der Generalinspekteur a.D. der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, der die Gegenwart als "heißen Frieden" bezeichnete: Dschihadismus, internationaler Terrorismus, Staatszerfall und Piraterie. Am Beispiel Libyen fragte er: "Wann sind wir verpflichtet, zu intervenieren, um unserer Verantwortung gerecht zu werden?" Ein Appell an die Politik, den Arnold aufgriff: "Sind wir bereit, die Streitkräfte als Instrument der Politik anzusehen und einzusetzen?" Denn im Rahmen der Systeme kollektiver Sicherheit dürfe es "keine Trittbrettfahrer" geben, wie der Konstanzer Professor für Politik, Wolfgang Seibel, anmerkte.
Doch ob die auf maximal 185 000 Mann abgespeckte Bundeswehr der Zukunft dem gerecht werden kann, steht auf einem anderen Blatt. "Ich bin immer für mehr Streitkräfte", sagte Oberst Ulrich Kirsch, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, wissend, wie knapp das Finanzkorsett geschnürt ist. In jedem Fall, darin waren sich alle Redner einig, müsse der Soldatenberuf attraktiver werden. "Dies wird Geld kosten", sagte Arnold, Seibel beklagte die herrschende "ganz merkwürdige deutsche Einstellung zum Militär" und Kirsch mahnte eine Diskussion über die gesellschaftliche Verankerung des Soldatenberufs in der Bevölkerung an. Denn da herrscht das längst sprichwörtliche freundliche Desinteresse.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: CHRISTOPH FAISST | 05.11.2011
| Artikel twittern |
|
|
"Was für eine Bundeswehr brauchen wir?" Dieser Frage gingen Wolfgang Seibel, Rainer Arnold (SPD), Moderator und SÜDWEST-PRESSE-Redakteur Willi Böhmer und Oberst Ulrich Kirsch (von links) nach. Foto: Volkmar Könneke
MEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK
