Die Wandlung der Vogelhäuschen

Früher waren Vogelhäuser aus ästhetischer Sicht keine Hingucker: Sie waren aus Holz, hatten ein Dach und einen Boden. Jetzt haben Designer die Futterstellen unter ihre Fittiche genommen.

ULRIKE ... |

Manche schießen den Vogel ab. So etwa das Modell, das aussieht wie ein Wohnwagen aus alten Zeiten: kugelrund geformt, dekoriert mit Perlen, mit zwei roten Fenstern, einer Gießkanne und einem Blumentopf rechts und links vor einer blauen Tür, in der ein Schlupfloch für die Vögel ist. Oder das einfachere Modell mit Tür, Gitterfenster und Ersatzreifen. Purer Kitsch. Das genaue Gegenteil ist ein Vogelhaus aus kaltem Stahl, das aufgrund der flachen, runden Form mit den ovalen Einfluglöchern an ein Ufo erinnert.

Wer heutzutage die heimischen Piepmätze wie Meisen, Sperlinge, Amseln, Finken, Stare, Rotkehlchen und viele andere im Winter füttern will, hat bezüglich des Vogelhauses die Qual der Wahl. Angeboten werden sie in Baumärkten, Gartencentern und Haushaltswarengeschäften, aber auch in Einrichtungshäusern und natürlich im Internet.

Es gibt die herkömmlichen aus Holz, konservativ in Form und Ausführung genauso wie schicke Design-Vogelhäuser. Vor allem die Produktdesigner haben die Freifutterstellen für sich entdeckt – „nachdem sie jahrelang stiefmütterlich behandelt wurden“, wie der Designer Uwe Sinnig von Opossum-Design in Thüringen auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE einräumt. Er hat verschiedene, eigens entworfene für Händler im Angebot. Eines davon findet sich auch im Einrichtungshaus Pfaehler in der Frauenstraße wieder:

Das VH1 im Bauhaus-Stil. „Vor allem vor Weihnachten waren Vogelhäuser begehrt“, sagt Einrichtungsberaterin und Architektin Svenja Kruse. Früher seien solche Accessoires nicht nachgefragt worden. Das habe sich geändert. Das VH1 war im Schaufenster mit Schneeflocken und einem Ast dekoriert. „Das hat vielen gefallen.“ Klar sei, die designten Futterstellen passten gut zu modernen Häusern und zu Kunden, die auf Ästhetik Wert legten. Kosten tut das VH 1 aus einem Stück Aluminiumblech 105 Euro, die Mehrwertsteuer kommt dazu.

Wichtiges Thema neben der Form ist heute jedoch auch eine vogelgerechte Futterstelle. So soll das Futter weder nass noch eingekotet werden (siehe Infokasten). Ein Beispiel, das beide Ansprüche unter einen Hut bekommt:

Das „Bird Café“. „Es ist im Bauhaus-Stil entworfen“, erklärt Svenja Kruse. Also ein richtiger Klassiker. Durch die Fenster sieht man, wie viel Futter sich darin befindet. Immer wenn Vögel picken, rutschen die Körner und Samen nach. Der Landeplatz ist schmal, aber ausreichend. „Der Hintern bleibt draußen“, bringt es die Architektin auf den Punkt. Zudem hat es Löcher, die für Entwässerung sorgen. Bei ihr hänge das „Bird Café“ im Kirschbaum und mache sich wirklich gut. Kostenpunkt: 29 Euro plus Mehrwertsteuer.

„Ali Gator“ ist ein weiteres – echt ausgefallenes – Vogelhaus von Radius-Design aus Brühl, das es ebenfalls bei Pfaehler gibt. Der Name ist Programm, denn die Vögel nehmen ihr Futter inmitten eines aufgerissenen Aligatorenmaules ein – so wie man es von einigen Arten etwa aus Afrika kennt. Das Vogelhaus ist giftgrün und hat im Schnee Signalwirkung, die sich auf Vögel aber vielleicht auch abschreckend auswirkt. Zudem sitzen sie direkt im Futter. Die Modelle aus pulverbeschichtetem Aluminium gibt es auch als Wolf und Hai und in Weiß. Sie kosten um die 100 Euro.

„Spatz“ wäre in Ulm ein geeigneter Name für den zweckmäßigen, aber durchaus dekorativen und etwa 30 Zentimeter langen dunkelgrünen „Futteranhänger“ aus Metall. In der oberen Hälfte sitzt ein Metallspatz, am unteren ist ein zartes Vogelfüßchen mit drei Zehen angedeutet. An diese kann man Meisenknödel oder -ringe hängen. Der Preis von lediglich 1,99 Euro unterstreicht die Einfachheit.

Keramik-Futterstationen gibt es beispielsweise im Bauhaus in verschiedenen Ausführungen: Eiförmig mit der Öffnung nach unten, aus der zur Hälfte der Meisenknödel herausschaut (5,49 Euro); eiförmig zum Aufstellen, mit zwei gegenüberliegenden Fluglöchern und in den Farben Grün, Blau und Rot (12,95 Euro). Bei Letzterem sitzen die Vögel zwar auch im Futter, aber die glasierte Keramikoberfläche ist leicht zu reinigen.

Ganz puristisch ist eine grüne, kleine flache Gitterbox, in die man in derselben Größe den gepressten „Energieblock Beeren“ einfüllen kann. Der 300 Gramm schwere Block dient Wildvögeln als Nahrungsergänzungsmittel und besteht aus vier Prozent getrockneten Beeren sowie Getreide, Fetten und Saaten. Denn nicht nur bei den Futterstellen, sondern auch beim Futter selbst hat sich einiges getan. Die Klassiker sind Sonnenblumenkerne und Erdnüsse. Da jedoch Körner- wie Weichfresser Fettfutter lieben, gibt es mit Fett und Beeren oder mit Fett und getrockneten Insekten gefüllte Kokosnussschalen zum Aufhängen. Diese Futterstellen sind nicht nur öko-dekorativ, sondern auch noch nachhaltig, weil man immer wieder Fett hineinfüllen kann: ganz „lecker“ sind Mehlwürmer im Fett.

Tipps für die Fütterung verschiedener Vogelarten

Wann füttern?
Bei Frost oder Schnee regelmäßig, denn die Vögel verbrauchen bei der üblichen Futtersuche sonst viel Energie, um ihre Körpertemperatur von mehr als vierzig Grad gegen die Kälte der Umgebung aufrechtzuerhalten. Laborversuche haben ergeben, dass Meisen in einer einzigen Kältenacht bis zu zehn Prozent ihres Gewichts verlieren.

Futterspender
Die Vögel sollten nicht im Futter herumlaufen können, damit es immer frei bleibt von Kot. So verringert sich die Übertragung von Krankheitserregern. Futterstellen öfter mit heißem Wasser reinigen.

Körnerfresser
Dazu gehören alle Finken (Buch- und Grünfinken, Kernbeißer, Zeisige, Stieglitze), Meisen, Gimpel und Sperlinge. Bei ihnen ist der Schnabel deutlich kräftiger, dicker und kürzer als bei den Weichfressern. Sie mögen beispielsweise Sonnenblumenkerne, Hanfsamen und Buchweizen.

Weichfresser
Dazu zählen Amseln, Drosseln, Stare, Zaunkönige, Heckenbraunellen, Kleiber, Baumläufer, Rotkehlchen und Spechte. Sie alle haben eher spitze, zierliche Schnäbel. Sie bevorzugen getrocknete Beeren, Haferflocken, gemahlene Nüsse und frische Äpfel, die aber nicht einfrieren dürfen.

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