Die Wahrheit über den Problembiber
Ulm. Biber sind kriminell. Sie fällen Bäume, sie untergraben die Ufer und und und. Die Wahrheit über den Biber: Er hat eine schwierige Kindheit.
Dass Biber etwas zu verbergen haben, wird spätestens dann klar, wenn man sich mit dem Wohnort der possierlichen Tierchen beschäftigt - und dann ist Schluss mit possierlich. Denn: Biber hausen im Untergrund. Wen wunderts, sie müssen sich verstecken. Ihre Aktionen sind hochgradig kriminell. Sie fällen Bäume, bauen Dämme, untergraben Uferböschungen. Sie sind, wenn man so will, die "RAF" der Tierwelt. Besser gesagt die "PAF", die Pelzige Armee Fraktion. Und deshalb gehört der Biber, . . . ja was eigentlich? Vor Gericht gestellt oder gleich in die ewigen Jagdgründe befördert.
Vor Jahren hatte man noch jedes einzelne Exemplar mit Handschlag begrüßt; seit sich die Tiere aber ausbreiten - was soll der Biber und die Biberin im dunklen Bau und ohne Fernseher auch machen? - und mit großer Vorliebe nagen und beißen, will der Mensch sie wieder los haben. "Vom willkommenen Rückkehrer zum Problembiber" - so lautet denn auch der Titel der 3. Ulmer Biberwoche, die von morgen an bis Freitag im Naturkundlichen Bildungszentrum stattfindet.
Dessen Leiter Dr. Peter Jankov gibt den Biber-Versteher, der Biologe will den aktuellen Konflikt zwischen Mensch und Tier aufarbeiten - wobei ihm eines wichtig ist zu betonen: Das Problem ist nicht der Biber, sondern der Mensch. Wie immer eigentlich. "Wir haben ihnen ihren natürlichen Lebensraum geraubt", sagt Jankov. Fast alle Gewässer seien ausgebaut, die Uferzonen bis auf wenige Meter bewirtschaftet. Kurz: Der Biber hat es nicht leicht - trotz Biberbeauftragtem. Das mag vielleicht daran liegen, dass die beiden unterschiedliche Sprachen sprechen.
Nun, um Verständnis für die Tiere, vor allem aber darum, dass der Biber ein Vorbild für die Renaturierung von Gewässern ist, geht es Jankov. Und so bietet er eine Bibersprechstunde an - sie ist weniger für Biber gedacht, als vielmehr für interessierte Schulklassen, sagt der Museumsleiter. Umfangreiche Materialien werden präsentiert, ein Film wird gezeigt . . . Das Besondere an der Sprechstunde: Eine Praxisgebühr ist nicht zu entrichten. Allerdings sollten sich Klassen beim Naturkundlichen Bildungszentrum (Tel. 0731/161-4740) anmelden.
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Autor: RUDI KÜBLER | 27.02.2012
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Die Rache des Wanderbibers oder: Ist alles nur eine Frage der Zeit, bis sich das Problemtier an Autoreifen zu schaffen macht. Foto: Volkmar Könneke
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