Ulm/Neu-Ulm:

leicht bewölkt

leicht bewölkt
22°C/13°C

Die Sicherheit siegt - Hinter den Kulissen der Ratiopharm Arena

Mehr als hundert Menschen kümmern sich während jedes Basketballspiels in der Ratiopharm Arena um die Sicherheit von Fans, Mitarbeitern, Mannschaften und Schiedsrichtern. Ein Blick hinter die Kulissen.

LYDIA BENTSCHE | 0 Meinungen
Markus Grüner rennt. Er kämpft sich durch Menschenmengen. Vorbei an Türen. Vorbei an Getränkeständen. Vorbei an Basketballfans. Immer den Flur der Ratiopharm Arena entlang. „Entschuldigung, ich muss hier durch.“ Die Fans in der Schlange vor dem Kiosk treten zur Seite, machen dem kräftigen jungen Mann in dunkelblauer Uniform und mit akkurat rasiertem Bart Platz. Schnell tritt er durch die Tür ins Innere des Kiosks. „Hey, bei euch hat ein Rauchmelder ausgelöst“, sagt Grüner laut. Die zwei jungen Männer, die in Ruhe Würstchen braten und in Brötchen stecken, blicken ihn fragend an. „Da oben.“ Grüner hat ihn gefunden. Rauchmelder 135/2. Wegen ihm hat im Feuerwehrraum der Alarm gepiept.

Feuer ist im Kiosk aber weit und breit nicht in Sicht. Nur Würstchenduft liegt in der Luft. „Das war ein Voralarm“, erklärt der Feuerwehrmann aus Reutti. „Die gibt es fast während jeder Veranstaltung hier.“ Wahrscheinlich hat die Spülmaschine gedampft oder beim Braten ist zu viel Rauch aufgestiegen. Alles halb so wild, keine Gefahr.

Sicherheit gewährleisten. Darum kümmern sich an jedem Basketball-Spieltag in der Neu-Ulmer Arena neben der Feuerwehr auch Polizei, Rettungsdienst, Security-Mitarbeiter und Stewards. „Sicherheit ist das Wichtigste“, sagt Nico Keller, der bei Basketball Ulm Veranstaltungen leitet. Die Sicherheit der Fans, Mitarbeiter, Spieler, Trainer, Teams und Schiedsrichter. Dafür sind mehr als hundert Menschen im Einsatz, die meisten sind Sicherheitsleute der Ulmer Security-Firma SHS und Ordner, die Stewards genannt werden. Was die Sicherheitsmaßnahmen für ein Spiel kosten, verrät Keller nicht.

Etwa zur gleichen Zeit, als der Rauchmelder 135/2 die Feuerwehr auf Trab hält, herrscht vor dem Eingangsbereich der Arena Gedränge. Fans stehen dicht hintereinander. Es ist 19.30 Uhr. In einer halben Stunde beginnt das Basketballspiel der Ulmer gegen Cholet. Die Sicherheitsleute reagieren flexibel. Sie wollen Panik und Ärger vermeiden – und entscheiden, die Zusatztüren in der Mitte zu öffnen. Es ist genug Personal im Eingangsbereich, um auch dort einen kontrollierten Einlass zu ermöglichen. Die Stewards in türkisenen Shirts begrüßen die Gäste, scannen Tickets. Die Sicherheitsleute in Schwarz achten darauf, dass niemand in die Halle kommt, der stark alkoholisiert ist. Sie kontrollieren Taschen, Trommeln und Fahnen.

"Beim Basketball dürfen Fans mehr Trommeln und Fahnen mitbringen als beim Fußball", sagt Max Heumann, Sicherheitsleiter von SHS. "Die Kontrollen sind aber genauso strikt.“ Körperkontrollen gebe es nur bei Derbys wie Ulm gegen Tübingen. Erhöhte Aufmerksamkeit herrsche, wenn auch Fußballfans zu einem Spiel erwartet werden - etwa weil ein Fußballverein einer Stadt auch in der Gegend spiele. Basketballfans machen wenig Probleme, sagen die Sicherheitsverantwortlichen in Neu-Ulm. Sie seien emotional und laut, aber friedlich. Normalerweise. Anders war es am 2. Dezember nach dem hitzigen Bundesligaspiel der Ulmer gegen Bamberg: Ein Fan warf einen Gegenstand auf den Schiedsrichter, als er den Innenraum der Halle verließ. Dafür musste der Verein 750 Euro Strafe zahlen. Den Fans müsse klar sein, dass sie mit solchen Aktionen den Verein schädigen, sagt Keller. Er akzeptiert keine Gewalt. „Wir machen hier eine Familienveranstaltung für Jung und Alt.“

Bereits zwei Stunden vor Spielbeginn trifft sich Keller mit Vertretern von SHS, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und der Arena zu einer kurzen Sicherheitsbesprechung. Was gibt es zum vergangenen Heimspiel zu sagen? Sind alle Sicherheitsmitarbeiter da? Was müssen sie heute beachten? Wie viele Fans werden erwartet? Heute haben sich offiziell keine Gästefans angekündigt. Das heißt, es kommen keine Fanbusse. "Wir gehen davon aus, dass französische Gästefans in der Halle verteilt sitzen werden", sagt Heumann. "Deshalb werden wir den zusätzlichen Mann, der normalerweise den Gästeblock im Auge behält, dort abziehen und lieber mehr Streife laufen."

Sicherheitsbesprechung, Anzahl und Einsatzorte aller Sicherheitskräfte, Handlungsabläufe, Einsatzszenarien und Evakuierungspläne für Notfälle: Alles beruht auf dem Sicherheitskonzept, das der Hallenbetreiber in Rücksprache mit Stadt, Polizei, Feuerwehr und Rettungszweckverband für alle Veranstaltungen erarbeitet hat. Speziell für die Basketballspiele gibt es einen Genehmigungsbescheid der Stadt, der weitere Auflagen und Sicherheitsaspekte enthält. Für Keller ist dabei der Innenbereich mit dem Spielfeld das „Hochsicherheitsgebiet“.

Dort sehen Security-Mitarbeiter nach dem Rechten, nicht die Polizei. "Es gibt keinen Anlass, dass wir uns offensiv zeigen", sagt Jürgen Salzmann, Polizeihauptkommissar aus Neu-Ulm. Mehrere Beamte sitzen im Polizeiraum in der zweiten Ebene. Von dort haben sie durch abgedunkelte Scheiben den Blick in den Innenraum. Und in viele andere Bereiche der Arena. Dank der Videoanlage, die ihnen bis zu 36 Bilder auf jedem der drei Monitore anzeigt. "Wenn die Securityleute jemanden hinausführen, der sich aufführt, haben wir das von hier aus im Blick und könnten sofort Verstärkung an die richtige Stelle schicken", erklärt Salzmann.

Heumann von SHS hingegen ist den ganzen Abend in der Arena unterwegs. Der 32-Jährige trägt einen schwarzen Anzug, ist kräftig und lacht gern. Sein Rundgang führt ihn ins Foyer. Die meisten Sicherheitsmitarbeiter, die hier vorhin den Einlass kontrollierten, sind jetzt während des Spiels im Halleninneren. Alles ist ruhig. Dann torkelt hinter Heumann ein junger Mann die Treppe nach unten – und übergibt sich. "Tschuldigung", stammelt er und wankt weiter in Richtung Toilette. "Bitte einmal auf der Treppe im Foyer wischen", spricht Heumann ins Funkgerät und schüttelt grinsend den Kopf. Als Veranstaltungskaufmann mit „Security-Führerschein“ erlebt er einiges. Seit 2007 arbeitet er bei SHS.

Das Reinigungspersonal ist nicht einmal eine Minute später im Foyer an der Treppe. Und Heumann funkt weiter. Wie sieht es aus mit Schnee und Glatteis vor den beiden Treppenhäusern? Es sind nur noch sieben Minuten bis zum Spielende. Haben Mitarbeiter schon nachgesehen? Falls doch noch etwas ist, sollen sie dem Räum- und Streudienst Bescheid geben.

Die letzten Spielminuten verbringt Heumann im Innenraum. "Ich schaue immer wieder auf die Anzeige oben. Führen wir oder nicht? Je knapper das Spiel, desto emotionaler die Fans." Sollte Ulm gewinnen, kommen die Spieler noch zum Feiern vor den Stehblock. Dann müssen dort noch mehr Sicherheitsleute sein. Schon jetzt stehen etwa 20 mit dem Rücken zum Spielfeld. Sie blicken nach oben in die Zuschauerränge - rechts und links, rechts und links, mal in diesen Block, mal in jenen Block. Hier wird geklatscht, dort wird gejubelt, da holt sich einer ein Bier. "Wenn man den Job eine Weile macht, erkennt man auffällige Bewegungen und weiß, wann man Verstärkung anfordern muss, weil gleich etwas passieren könnte."

Ein Kollege kommt auf Heumann zu, sagt leise: "Hinten über dem Ausgangsbereich für Spieler und Schiedsrichter sind einige junge Leute sehr laut und auffällig. Wir beobachten sie." Jetzt stellen sich dort ohnehin zusätzliche Sicherheitsleute auf. Zwei werden die Schiedsrichter hinausbegleiten. "Falls doch wieder jemand etwas nach unten wirft, wollen wir die Täter identifizieren und ihre Personalien aufnehmen", sagt Heumann. "Wir haben das Hausrecht."

Die Schlusssirene ertönt, die Halle verstummt. Cholet hat in letzter Sekunde einen Dreier versenkt. Ulm hat verloren. Die Sicherheitsleute blicken weiter in alle Richtungen. Schiedsrichter und Spieler verlassen die Halle schnell. Die Zuschauer, die eben noch als auffällig galten, machen keinen Blödsinn. "Nach so einer Niederlage verlassen viele Fans schlagartig die Halle", sagt Heumann. An den Aufgängen staut es sich. Und nicht einmal eine Viertelstunde später ist im Hochsicherheitsgebiet alles vorbei. Auch im Foyer und draußen auf dem Parkplatz gibt es keine Probleme. Ulm hat verloren, die Sicherheit hat gewonnen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Basketball, Bundesliga Saison 2014/15 DBB
Pl. Verein KV Pkt.
1 Skyl. Frankfurt 0 0
1 Alba Berlin 0 0
1 Bremerhaven 0 0
1 Bamberg 0 0
1 Oldenburg 0 0
1 Ludwigsburg 0 0
1 Quakenbrück 0 0
1 Ratiopharm Ulm 0 0
1 FC Bayern 0 0
1 Trier 0 0
1 Mitteldeutscher BC 0 0
1 Hagen 0 0
1 Bayreuth 0 0
1 Braunschweig 0 0
1 Telekom Bonn 0 0
1 Göttingen 0 0
1 Crailsheim 0 0
1 Tübingen 0 0
Themenschwerpunkt

Ratiopharm Ulm

Ratiopharm Ulm

Ob Spielberichte oder Transfergerüchte - auf dieser Seite erfahren Sie alle Neuigkeiten rund um den Ulmer Basketball-Bundesligisten.

mehr zum Thema

Zum Schluss

Verteidiger wird Elfmeterheld

Cosmin Moti hatte als Torwart Grund zur Freude.

Erster Champions-League-Einzug für den bulgarischen Fußball-Club Ludogorets Razgrad: Der Verteidiger Cosmin Moti musste im Elfmeterschießen ins Tor, er verwandelte den ersten Strafstoß selbst und hielt dann zwei Elfmeter des Gegners. mehr

Ein Universum für sich

Das Universum Center bei Nacht.

Anfangs als „Insel der Zukunft“ bezeichnet, hat das Universum Center auf dem Weg in die Gegenwart längst seinen Glanz verloren. In der Stadt hat das Gebäude keinen guten Ruf – doch was sagen die Menschen, die dort leben, über ihr Haus? Ein multimediales Erzählprojekt mehr

Kuriose Wettbewerbe der Finnen

Die verrückten Aktivitäten der Finnen: Frauentragen, Luftgitarrenspielen, Gummistiefelweitwurf und Moorfußball (im Uhrzeigersinn).

Die spinnen, die Finnen - so rutscht es manchem raus. Jedenfalls ist Finnland ein Staat, in dem es besonders viele kuriose Wettbewerbe gibt. Jetzt wird zum Beispiel wieder auf der Luftgitarre gerockt. mehr