Die Maskenbildnerinnen des Ulmer Theaters

Ulm.  Ob abgetrennte Hände, Falten ins Gesicht oder eine Rokokofrisur: Es gibt keine Verwandlung, die die Maskenbildnerinnen des Ulmer Theaters nicht vornehmen können. Im Rahmen unserer Serie „Zu Besuch bei...“ waren wir in der Maske des Ulmer Theaters zu Gast.

Die zierliche Hand von Natalie Kottmann wird mit Silikon bepinselt. Vorsichtig tragen die beiden anderen Maskenbildnerinnen Daniela Rüegg und Daniela Mayerbacher Schicht für Schicht auf. Dann wird die Hand mit Gipsbinden umwickelt. Sobald alles trocken ist, wird Kottmanns Hand aus ihrem Panzer befreit.

Geduld ist eine der Eigenschaften, die Maskenbildnerinnen benötigen. „Man muss aber auch eine gehörige Portion Idealismus mitbringen und den Theaterbetrieb mögen“, sagt Rüegg. Wie alle am Theater arbeiten die Maskenbildnerinnen dann, wenn andere frei haben: Am Feierabend und am Wochenende. Urlaub können sie nur im Sommer in der Spielpause nehmen, dann allerdings sechs volle Wochen am Stück.



Rüegg macht vor allem die Vielseitigkeit des Berufs Spaß. „Hier gibt es nie Routine, kein Tag ist wie der andere!“ Sie ziehe es vor, Herren zu schminken. Kollegin Mayerbacher hingegen liebt es, Frauen auf ihren Auftritt auf der Bühne vorzubereiten. Für manche Aufführungen wird jeder Schauspielerin eine eigene Rokoko-Frisur gemacht.

Doch die Arbeit einer Maskenbildnerin besteht nicht nur aus Schminken und Frisieren. Das Knüpfen von Perücken gehört ebenso zum täglich Brot der drei Maskenbildnerinnen, wie die Herstellung von Körperteilen aus Silikon. „Für die Perücken verwenden wir hauptsächlich asiatisches Importhaar“, sagt Rüegg. Europäisches Haar sei viel feiner und damit zu teuer. „In Laupheim wird das Haar von seiner obersten Schuppenschicht befreit und eingefärbt, dann kommt es zu uns.“ Manchmal werde auch Büffelhaar verwendet und in die Perücken eingeknüpft. „Ganz besonders gefällt mir auch, dass ich mich in die unterschiedlichen geschichtlichen Epochen einarbeiten muss“, sagt Rüegg.

Nicht nur Frisuren, ganze Körperteile werden von den Maskenbildnerinnen bei Bedarf angefertigt - etwa eine Silikonhand. Natalie Kottmann stellt sich als Model zur Verfügung. Zuerst muss die Hand mit einer Art Vaseline gründlich eingeschmiert werden, damit das Silikon später problemlos abgezogen werden kann. Dann tragen Rüegg und Mayerbacher Schicht für Schicht auf. Sie müssen genau arbeiten, es darf keine Lücke bleiben. Zu langsames Arbeiten wäre aber auch fatal, denn dann trocknet die Silikonmasse am Pinsel ein.

Ist das Silikon trocken, kommt eine Gipsschicht darauf. Später wird der Gips aufgeschnitten, der Silikonhandschuh von der Hand abgezogen und mit einem Spezialschaum aufgesprüht. „Man sieht wirklich jede Pore, jeden Riss im Nagel“, sagt Rüegg.

Ihre Vorgaben erhalten die Maskenbilnerinnen meist von Ausstatter oder Regisseur. Der Ausstatter fertigt Zeichnungen von den Figuren des Stücks an. Anhand dieser Skizzen können die Maskenbildnerinnen sich überlegen, wie der Darsteller geschminkt und frisiert wird. "Da passiert es schon manchmal, dass wir nicht alle Wünsche realisieren können“, sagt Rüegg.

„Bei manchen Vorstellungen sind wir acht Maskenbildnerinnen“, sagt Mayerbacher. Oft blieben nur wenige Augenblicke Zeit, um eine Person neu zu schminken. „Wir hatten mal einen vom Fernsehen da, der war es gewohnt, bis zu zwei Stunden Zeit für eine Person zu haben“. Der sei nach einiger Zeit am Theater dann wieder gegangen.

Rüegg, Mayerbacher und Kottmann jedenfalls haben viel Freude an ihrer vielseitigen Arbeit. Als nächstes stehen die Vorbereitungen für Salome auf dem Plan.



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Autor: Christina Fenchel | 20.04.2010

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