Die Ideen für die Synagoge Weinhof: Rückkehr jüdischen Lebens
Ulm. Rückkehr der Ulmer Synagoge an den Weinhof: Neun Vorschläge für ein jüdisches Zentrum wurden gemacht, einer aus Köln machte das Rennen.
"Der Weinhof findet seinen nördlichen Abschluss in einem Solitär, der das jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge in einem Gesamtbaukörper integriert. Das Bauwerk stellt einen minimalen Eingriff in die Platzfläche dar. Die Freistellung formuliert den besonderen Rang der Bauaufgabe. Die Ost-Orientierung und das feine Steinrelief der Fassade deuten auf die Synagoge im Inneren hin . . . Der Christopherusbrunnen bleibt in seiner Position . . . Das Denkmal (Stele und Platte) zur Pogromnacht findet seinen Platz in einer Wandnische."
Auszüge aus dem Erläuterungsbericht des Kölner Architektur-Büros Kister, Scheithauer, Gross zu seiner architektonischen und städtebaulichen Idee einer Synagoge mit Gemeindezentrum, die die jüdische Gemeinde am Weinhof bauen wird; dies nur ein paar Meter entfernt von dem Ort, an dem die Synagoge aus dem Jahr 1869 stand, in der die Nazis am 9. November 1938 einen Brand legten. Der Vorschlag der Kölner, der von Architekturprofessorin Susanne Gross stammt, wurde von der Jury hoch gelobt. Einstimmiges Votum: Dieser Entwurf soll Grundlage der Realisierung werden.
Modell und Pläne sind wie die weiterer acht Büros - Joseph Abiry (Stuttgart), Allmann, Sattler, Wappner (München), Stephan Braunfels Architekten (München/Berlin), Manuel Herz (Köln), Alfred Jacoby (Frankfurt am Main), Nathan Schächter (Münster), Schwarz, Jacobi (Stuttgart), Mühlich, Fink und Partner als einzigem Ulmer Büro, das zur Teilnahme aufgefordert gewesen war - derzeit im Haus der Stadtgeschichte zu sehen. Am Weinhof also, dessen städtebauliche Dominante das Schwörhaus ist. Diese führende Rolle in der Erscheinung des wichtigsten historischen Platzes der Stadt - die Ulmer Siedlungsentwicklung ging von hier aus, von der im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnten Pfalz - tastet Gross nicht an. Anders die meisten anderen Architekten, deren Baukomplexe entweder wuchtiger ausfallen oder aber, so sie flacher sind, sich stark auf den Platz hinein ausdehnen. Jury-Vorsitzender Architekturprofessor Arno Lederer: "Der Bauquader nimmt sich zurück, er fasst den Platz wie ein wertvoller Stein."
Eine der beiden grundsätzlichen Möglichkeiten liegt nach den Worten des Ulmer Baubürgermeisters jeder der neun Arbeiten zugrunde: Die einen nehmen sich in der Höhe zurück, gehen in die Fläche.
Die anderen packen die vorgegebenen Nutzungen - außer Gebetsraum auch Bibliothek, Saal, Küche, Nebenräume - in ein kompaktes Gebäude, das höher wird.
So wie der einhellig ausgewählte Vorschlag aus Köln, den Alexander Wetzig so beschreibt: "Der einfache kubusförmige Baukörper ist kraftvoll, ohne protzig zu wirken; er gewährleistet die Hierarchie des historischen Stadtraumes mit dem Schwörhaus; er ist die richtige Antwort am Weinhof."
Info
Ausstellung geöffnet bis 21. Februar, Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr
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Autor: HANS-ULI THIERER | 06.02.2010
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