Die 9.-November-Synagoge

Ulm.  Die neue Synagoge öffnet ihre Fassade nunmehr zum Weinhof hin. Der überarbeitete Wettbewerbsentwurf fand gestern einhellige Zustimmung. Das jüdische Zentrum soll am 9. November 2012 eröffnet werden.

Eine gemeinsame Sitzung zweier gemeinderätlicher Ulmer Ausschüsse - jenem für Bau und jenem für Finanzen -, zeitigte am Ende drei wesentliche Nachrichten.

Erstens: Die Gremien billigten gestern den überarbeiteten Wettbewerbsvorschlag der Kölner Architekturprofessorin Susanne Groß (Büro Kister, Scheithauer, Groß) und damit die Entwurfsplanung für die Synagoge am Weinhof. Einstimmig - und mit durchweg freudigen Kommentaren aus allen vier Fraktionen.

Zweitens: Die Architektin hat die Verbesserungsvorschläge des Preisgerichts in Absprache mit der Bauherrin, der israelitischen Gemeinde in Württemberg, und Rabbi Shneur Trebnik als dem Repräsentanten der jüdischen Gemeinde Ulm beherzt überarbeitet. Das hat, so die einhellige Meinung, zu maßgeblichen Verbesserungen geführt, ohne dass die Grundidee eines kubischen Gebäudes aufgegeben worden wäre. OB Ivo Gönner: "Durch die Umsetzung der Jury-Anmerkungen ist der hervorragende Ausgangsentwurf noch besser geworden." Baubürgermeister Alexander Wetzig: "Der Weinhof wird als Platz eindringlicher und urbaner."

Architektin Groß hat den Synagogenbau etwas nach Nordosten gedreht, so dass er nun wie eine leicht geöffnete Tür wirkt und von der Sattlergasse her einlädt auf den Weinhof. Dort präsentiert sich die Platzfassade nicht mehr als geschlossene Wand (aus Kalkstein) und lediglich mit einem Relief als architektonisch gestalterischem Element. Vielmehr hat das jüdische Zentrum, das außer dem Gebetsraum auf einer Grundfläche von 24,5 auf 16 Meter und unter einem 17,5 Meter hohen Dach (Schwörhaus-Firsthöhe 25 Meter) auch Schule und Gemeindezentrum aufnimmt, nun drei Öffnungen: außer Eingang und großem Fenster darüber vor allem das sich übers Südost-Eck spannende "Jerusalem-Fenster" mit David-Stern-Motivik. Es wird diesen Namen tragen, weil es ausgerichtet ist auf die Hauptstadt des Staates Israel. Damit, so Stadtrat Dr. Bruno Waidmann eine allgemeine Einschätzung wiedergebend, komme der Städtebau in der Bürgerschaft an. "Denn es gab natürlich kritische Stimmen: Warum an dieser Stelle? Warum so ein Klotz?"

Drittens: Israelitische Gemeinde und Stadt haben ein ehrgeiziges Ziel: Die Synagoge soll am 9. November 2012 eröffnet werden. Am Datum des deutschen Schicksalstags also: Am 9. November 1938 brannten die Synagogen, 51 Jahre später fiel die Mauer.


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Autor: HANS-ULI THIERER | 09.02.2011

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