"Der goldene Drache" am Theater Ulm

Schwere Kost darstellerisch gekonnt serviert: Oliver Haffners Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs Schauspiel "Der goldene Drache" am Theater Ulm. Sabrina Schatz befragte Zuschauer.

SWP |

Heinz Stickel - (70), Dillingen: "Der Goldene Drache" hat mir ein völlig neues Theatererlebnis beschert. Es war faszinierend zu beobachten, wie fünf Schauspieler in fünfzehn Rollen schlüpfen. Das sorgte für einen ständigen Fluss der Szenen. Anfangs wirkte der Zusammenschnitt etwas durcheinander, das hat sich aber bald gelegt. Oliver Haffner hat sehr nüchtern inszeniert ohne ablenkendes Tamtam.

Ilona Trischler - (47), Ulm: Meines Erachtens ist das Stück schwere Kost. Es hat eine Viertelstunde gedauert, bis ich mich in die Handlung eingefunden hatte. Ich war überrascht, dass so viele Rollen auf fünf Akteure verteilt wurden. Die weißen Tücher sorgten für Orientierung: Als Chinesen banden sie sich die Darsteller um die Stirn, als Stewardessen um den Hals. Christel Mayr und Christian Streit sind mir positiv aufgefallen. Das Bühnenbild (Britta Lammers) war schlicht. So stand das Schauspiel im Fokus.

Heidi Fetzer - (64), Elchingen: Das Stück ist gewöhnungsbedürftig. Man muss hochkonzentriert sein, um zu verstehen, wie die aneinandergereihten Szenen - mal im Restaurant, mal in der Wohnung - verknüpft sind. Aglaja Stadelmann hat den zahnschmerzgeplagten Chinesen hervorragend gespielt. Die einheitlichen Kostüme (Britta Lammers) symbolisierten für mich die Gleichwertigkeit der Menschen.

Brigitte Scheller - (58), Biberach: Mein Mann und ich fanden das Schauspiel grandios. Auch wenn es dem Zuschauer viel Konzentration abverlangt hat. Die schauspielerische Herausforderung, von Szene zu Szene zu springen, wurde hervorragend gemeistert. Allein, wie die Darsteller nach der neutralen Regieanweisung "Pause" so unglaublich emotional weitergeredet haben - bemerkenswert! Das Bühnenbild war oben offen gestaltet, sodass sich die Charaktere in einem riesigen Raum befanden. Das bildete für mich die Welt ab, in der wir leben.

Daniela Brandl - (48), Ulm: Das Stück spiegelt für mich die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft wider. So wurden manche Geschichten nicht auserzählt, etwa die des Ehepaares. Das war erst ein unbefriedigendes Ende. Es hat aber seinen Reiz, sich als Zuschauer selbst einen Reim auf die Handlung machen zu können. Zum Nachdenken angeregt hat mich auch das Thema Migration. Die sprachliche Umsetzung war dem angemessen: zielgerichtet, nicht gespreizt. Die Darsteller haben mit einer teils groben, teils komödiantischen Art das Beste aus den Szenen rausgeholt. Interessant war, dass sich die Grille mit der Zeit als Menschengestalt entpuppt.

Franz Bernardi - (74), Wiblingen: Das Schauspiel war mir zu mühsam - da hätte ich lieber daheim Fußall geschaut. Ich mag unterhaltsameres, etwas mit Musik. Objektiv betrachtet haben die Darsteller aber gut und bissig gespielt. Das ist nicht einfach bei so vielen Aktionen, Schauplätzen und Rollen.Das Bühnenbild war skurril und originell, wie immer im Ulmer Theater.

Ines Mussotter - (22), Neu-Ulm: Ich fand toll, dass die weiblichen Schauspieler auch männliche Rollen übernommen haben und umgekehrt. Dass der chinesische Junge tot im Fluss landet und dann in seine Heimat treibt, empfand ich als seltsames Ende. Dabei wurde seine Geschichte zuvor gut thematisiert. Beim Bühnenbild war es ein interessanter Dreh, dass der Boden hochfuhr und dann gleichzeitig Wohnung und Brücke darstellte.

Marlene Müller - (63), Riedlingen: Das Stück hat meine Erwartungshaltung nicht erfüllt. Es war mir zu viel rezitierendes Theater, zu wenig Aktion. Statt von einem Aspekt zum nächsten zu springen hätte die jeweilige Problematik ausführlicher entfaltet werden können, etwa der Konflikt zwischen Großvater und Enkelin. Das wurde mir zu oberflächlich behandelt.

Christiane Aschenbrenner - (45), Unterelchingen: Mein Mann und ich mögen moderne Inszenierungen eigentlich gerne. Aber im "Goldenen Drachen" haben wir keine rechte Aussage gefunden. Vielleicht sind wir nicht philosophisch genug an die Sache herangegangen. Zudem sind manche Parts etwas langatmig geraten. Da immer die gleichen fünf Schauspieler auf der Bühne standen, war mir zu wenig Wechsel drin.

Weitere Aufführungen

Termine Das Theater Ulm zeigt Roland Schimmelpfennigs Schauspiel "Der goldene Drache" in der Inszenierung von Oliver Haffner im Großen Haus erneut am Sonntag, 12. April, um 14 Uhr; am Freitag, 24. April, um 20 Uhr; am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr; am Sonntag, 10. Mai, um 19 Uhr; Samstag, 23. Mai, um 19 Uhr und Dienstag, 14. Juli, 20 Uhr.

 

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