Der gebürtige Ulmer Oliver Bendel und seine Handy-Haikus

Ulm.  Haikus sind kurz, sehr kurz. Gerade mal 17 Silben lang dürfen sie sein. Ideal für das kleine Display eines Handys. Der gebürtige Ulmer Oliver Bendel schreibt nicht nur Haikus fürs Handy, sondern auch Romane.

Sein Beruf klingt eher trocken. Oliver Bendel ist 42, lebt in Zürich und ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft in Basel. Geboren wurde Bendel in Ulm, wo er schon als 16-jähriger Lyriklesungen gab.

Mit Erfolg: Vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg wurde er mit einem Stipendium bedacht. "Geld gab es zwar keines, aber Roman Hocke, der Lektor Michael Endes, schaute sich meine Sachen an und gab mir Tipps. Da hab ich eine Menge gelernt", erzählt Bendel heute.

Klar, dass Oliver Bendel auch Schriftsteller werden wollte, in Konstanz Philosophie und Germanistik studierte. Nur: "Das Studium war das Aus für meine Kreativität." Bendel orientierte sich um, promovierte in Wirtschaftsinformatik, schreibt jetzt aber wieder und wird auch verlegt - nicht nur ganz traditionell auf Papier, sondern auch ganz virtuell via Handy.

Überhaupt: Bendel war der erste deutschsprachige Autor, der Romane fürs Handy schrieb. Eine Literaturform, die in Japan entstanden ist. Die Idee, fürs Handy zu schreiben, kam Bendel beim Besuch der Leipziger Buchmesse. "Dass Literatur auch im Internet veröffentlicht wird, ist ja nichts Neues. Nur sind das Texte, etwa beim Gutenberg-Projekt, die nicht fürs Internet geschrieben wurden. Das sind eigentlich gedruckte Bücher, die ins Netz gestellt werden. Ich wollte aber auch mit den Möglichkeiten spielen, die neue Medien bieten: etwa Links einbauen." Fünf dieser Romane hat Oliver Bendel bislang veröffentlicht, der sechste kommt Ende Mai.

Jetzt hat Bendel seine lyrische Ader wiederentdeckt und schreibt Handy-Haikus. Die sind nicht nur fürs Handy gedacht, ein Großteil von ihnen dreht sich auch ums Mobiltelefon. Sie erscheinen zum einen virtuell, können also per SMS-Anruf wie ein Klingelton heruntergeladen werden - aber auch ganz traditionell auf Papier. Womit es sich dabei mit der Tradition auch schon hat. Denn die gedruckte Form ist auch maschinenlesbar.

QR-Codes heißt das Schlüsselwort. Das sind grafische Muster, die ähnlich wie ein Strichcode im Supermarkt Daten enthalten. Via Handy-Kamera und einem QR-Code-Reader, der im Internet kostenlos heruntergeladen werden kann, werden aus dem grafischen Muster wieder Buchstaben. Und die lassen sich per SMS verschicken. Diese Form der Verbreitung wünscht sich Bendel für seine Haikus auch. Aber nicht nur das: Der Professor erhofft sich zudem, dass sein Beispiel Schule macht: "Meine Handy-Romane tippe ich auf dem Computer, die Haikus aber auf der Tastatur des Handys. Das reizt junge Leute vielleicht auch, Handy-Hakus zu verfassen."

Bendel hofft also auf eine Renaissance der Lyrik via Mobiltelefon. Zumindest bei der Vermarktung seiner Haikus hat das neue Medium Bendel schon geholfen. "Um Lyrik reißen sich die Verlage ja nicht gerade", weiß Bendel. "Man muss seine Gedichte anbieten wie Sauerbier." Oft genug müssen sich die Autoren auch noch an den Druckkosten beteiligen. "Seriös sind solche Verlage nicht", sagt Bendel. Im Falle seiner Handy-Haikus war das ganz anders: "Schon meine erste Anfrage war ein Treffer. Offensichtlich habe ich da eine offene Tür eingerannt, und ich habe einen richtigen Vertrag mit Tantiemen bekommen", sagt Bendel.


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Autor: HELMUT PUSCH | 14.04.2010

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