Der Uhu brütet wieder
Ulm/Neu-Ulm. Auch Flächen auf Mähringer Gemarkung und der Plessenteich im Neu-Ulmer Stadtkreis sind jetzt EU-Vogelschutzgebiete. Die Gronne ging leer aus, weil die EU-Kommission ganz eigene "Erhaltungsziele" hat.
Europäische Vogelschutzgebiete in der Ulmer Region werden großräumig mit Biberach und Reutlingen zusammengefasst unter "Täler der Mittleren Flächenalb". Speziell in Ulm gibt es ausschließlich auf Mähringer Gemarkung drei Lebensräume, "in denen bestimmte Vögel rasten, sich mausern oder überwintern können", heißt es in der Verordnung des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum zur Festlegung von Europäischen Vogelschutzgebieten. Im Internet sind alle Karten abrufbar (siehe Infokasten). Auch in den Landkreisen Alb-Donau und Neu-Ulm wurden bedrohte Vogelarten bedacht.
Dazu die aktuelle Nachricht von Ulmer Ornithologen: Seit genau vier Wochen brütet genau dort, im Mähringer Schammental im stillgelegten Steinbruch, zum wiederholten Mal der Uhu, den die EU-Kommission neben Wanderfalke und Berglaubsänger auf der Flächenalb besonders schützen möchte.
Endlich ist das jahrelange Verfahren nach vielem Hin und Her zwischen den Kommunen, den Regierungspräsidien, der Bonner Sammelstelle für Gebietsvorschläge aus den Bundesländern und der EU-Kommission abgeschlossen. Deren so genanntes Erhaltungsziel sei nicht, lediglich vogelreiche Gebiete aufzuwerten, sondern geeignete Lebensräume für bestimmte bedrohte Vogelarten zu beschützen, sagt Volker Kracht, Referatsleiter im Regierungspräsidium Tübingen für Naturschutz und Landschaftspflege. Er wisse wohl, dass die regionalen Naturschutzverbände nicht alle einverstanden sind mit der strengen Sichtweise der EU-Kommission. Dieser war beispielsweise selbst das Naturschutzgebiet Gronne im Donautal nicht geeignet genug für die regional ausgewählten Vogelarten.
In den europäischen Vogelschutzgebieten herrsche ab sofort ein "Verschlechterungsverbot", sagt Kracht. Positiv gesagt: Die betroffenen Kommunen müssen sich bemühen, die Standorte zu verbessern. Dazu können extensive Bewirtschaftungsverträge mit der Naturschutzbehörde abgeschlossen werden. Und es gibt sogar Fördergelder dafür. Kathrin Haas, Fachkraft für Naturschutz bei der Ulmer Abteilung Umweltrecht, wird also künftig in Mähringen das Schammental, den Mähringer Berg und die Zaunhalde im Auge behalten. Ihr Kollege Dieter Schwarz ist erleichtert über die Neuerung: "Wenn dort ein Eingriff geplant ist, haben wir fortan mehr Chancen, ein Vorhaben abzulehnen."
Diese Chancen gibt es auch im Neu-Ulmer Landkreis, bestätigt Michael Angerer von der Unteren Naturschutzbehörde im dortigen Landratsamt. Im Kreis Neu-Ulm wurden bei Reutti der Plessenteich, an dem immer mehr bedrohte Vogelarten auftauchen (wir berichteten), und die Donauauen in Höhe Thalfinger Baggersee - und weiter bis Dillingen - zu Vogelschutzgebieten erklärt. Bisher galt dort der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Schutzstatus.
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Autor: CAROLIN STÜWE | 13.03.2010
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