Der Gottesacker ist heute ein Park

Ulm.  Steinalte Grabmale namhafter Ulmer, 150 Jahre alte Bäume und nur vereinzelt Sträucher auf den Grünflächen: Dieser offene Charakter ist typisch für den Alten Friedhof. Ein Park, der dennoch seine Nischen hat.

"Der Alte Friedhof in der Innenstadt ist ein Schatzkästlein vergangener Zeit und seit 1945 eine stimmungsvolle Parkanlage." So wirbt die Stadt Ulm auf ihrer Homepage für den Erholungsraum zwischen Frauen- und Friedenstraße, der zugleich eine grüne Verbindung ist zwischen Stadtmitte und Oststadt. Mit "Schatzkästlein" wird auf die zahlreichen Grabmale alter Ulmer Familien aus dem 16. bis 19. Jahrhundert angespielt, die stehen bleiben durften, als der 1000 Jahre alte Friedhof 1898 aus Platzgründen aufgelöst wurde. Weiter erinnern Grabsteine samt Hellenenhelmen (siehe Infokasten) an klassizistische Offiziersgräber. Nach wie vor finden historische Führungen im Park statt, weil jedes Grabmal seine Geschichte hat. Nahe der Pauluskirche war zudem 1853 ein kleiner Teil für jüdische Grabstätten eingerichtet worden.

Blättert man in der Chronik des Alten Friedhofs noch weiter zurück, war dort schätzungsweise seit 600 nach Christus die Vorgängerkirche des Ulmer Münsters, die Kirche "Unserer lieben Frau", angesiedelt. Heute wird der Park mit seinen zwei Spielplätzen flankiert von der evangelischen Pauluskirche und der katholischen Kirche St. Georg.

Es sind jedoch weniger die Kirchgänger, die durch die gut 43 000 Quadratmeter große Grünanlage gehen, sondern vielmehr Bewohner des nahen Elisa-Seniorenstifts. Weiter führen im Park Hundehalter ihre Vierbeiner aus, wenn auch nicht immer wie vorgeschrieben an der Leine. Und etliche Fahrradfahrer nutzen die geschickte Querverbindung.

"In den Wegebau könnten wir nach dem strengen Winter 50 000 bis 100 000 Euro stecken, wenn wir das Geld hätten", sagt Franz Münch von der städtischen Grünflächenabteilung. So werden zunächst nur die schlimmsten Löcher repariert, damit keiner stolpert.

Und da im Park immer etwas los sei, müssten ab und zu einzelne der bis zu 150 Jahre alten Bäume gefällt werden, wenn das Holz morsch geworden ist. Zweimal im Jahr schaut sich ein Kontrolleur die Bäume im belaubten und im unbelaubten Zustand an. Fällt dann ein Spitzahorn, eine Rosskastanie, eine Buche, Esche oder Linde, werde gleich wieder ein junger Baum gepflanzt, versichert Münch.

Unter den insgesamt rund 370 Bäumen findet man auch drei Exoten: Urwelt-Mammutbäume. Diese Zypressengewächse haben eine rötliche faserige Rinde, können bis zu 40 Meter hoch werden und gelten als seltene Parkbäume. Einzigartig im Alten Friedhof seien auch die großen dunkelgrünen Eiben, sagt Münch.

Die Grasflächen werden gemäht, sobald sich die Frühjahrsblüher zurückgezogen haben, und die Sträucher müssen immer wieder gestutzt werden. Kultiviert werden sie bewusst als Solitär-, also Einzelsträucher, nicht in Riegeln, damit der offene Charakter des Alten Friedhofs erhalten bleibt.

Trotzdem gibt es noch Bereiche, in die sich immer wieder Obdachlose zurückziehen oder wo Jugendliche zur Flasche greifen. Pöbeleien sind nicht auszuschließen. Die Polizei habe deshalb den Alten Friedhof stets im Auge, fürchten brauche sich niemand, sagt Polizeisprecher Reiner Durst (siehe Infokasten). Auch die mobile Jugendarbeit beobachtet dort im Stadtgrün die junge Szene.


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Autor: CAROLIN STÜWE | 24.04.2010

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