Der Generationenkrach bleibt aus

Musik verbindet - erst recht im Podium des Theaters Ulm. Dort feiert heute Abend das Mehrgenerationen-Projekt "Achtung, Lied Jetz'!" Premiere. Gesungen werden klassische Lieder ebenso wie Schlager oder Pop.

THOMAS BLOCK |

Es gab da diesen einen Moment, in dem Benjamin Künzel merkte, dass das alles nicht so klappt, wie er sich das vorgestellt hatte. Die Proben für das Mehrgenerationen-Projekt "Achtung, Lied Jetz'!" am Theater Ulm liefen schon seit einigen Monaten, die Lieder waren ausgewählt, das 21 Mitglieder starke Laien-Ensemble, das aus einem Casting hervorgegangen war, wurde langsam miteinander warm - und doch ging Künzels Rechnung als künstlerischer Leiter und Regisseur nicht ganz auf.

"Ich wollte ein Konzept über die Aufführung stülpen, mit dem ich die Generationen gegeneinander antreten lasse", sagt er. Erst als Künzel in der Pause beobachtete, wie ein 16-Jähriger auf dem Rollator eines wesentlich älteren Ensemble-Mitglieds singend über die Bühne skatete, habe er erkannt, dass auch diese Truppe zwischen 13 und Ende 60 besser miteinander als gegeneinander funktioniert. Und die gemeinsame Arbeit, die am Ende dabei herausgekommen ist, kann sich dann auch sehen lassen. Knapp zwei Stunden lang steht die wild gemischte Truppe auf der Bühne des Podiums und liefert ein musikalisches Programm ab, das wirklich Spaß macht - weil es voller liebevoller Details steckt, und weil man ihm in jeder Minute anmerkt, wie viel Freude die Gruppe selbst an ihrem Werk hat. Das Mehrgenerationen-Projekt hat es geschafft, aus schlaksigen Teenagern, selbstbewussten Mitdreißigern, aus Schülern und Lehrern, aus Sozialarbeitern und Rentnern eine Gruppe zu formen, die hervorragend harmoniert.

Musikalisch schlägt das Programm einen weiten Bogen - Schubert und Schumann stehen ebenso auf der Liste wie Hildegard Knef, Abba und Reinhard Mey. Der Bogen wird dennoch nicht überspannt, weil die Darsteller sich alle Lieder erfolgreich zu eigen gemacht haben. Das wird deutlich, wenn der 16-jährige Thomas Oblio voller Inbrunst Schuberts Winterreise singt. Oder wenn der 17-jährige Matthias Deuring der rund 30 Jahre älteren Isabelle Tschierschke mit "16 going on 17" aus "The Sound of Music" seine Liebe gesteht. Oder wenn der Gruppenälteste Frank Luwe "Für mich soll's rote Rosen regnen" anstimmt, das dann nach und nach von immer jüngeren Darstellern weitergesungen wird.

Künzel habe bei den achtmonatigen Proben vor allem überrascht, auf welche Musik sich die Darsteller einigen konnten. Während Schlager, Kinderlieder oder Pop zu Meinungsverschiedenheiten führten, sei die Gruppe sehr offen an klassische Stücke herangegangen. "Den geringsten Streitwert haben Strauss und Schubert gebildet. Das haben sich alle vorbehaltlos angehört", sagt er. "Achtung, Lied jetz'!" ist das erste Mehrgenerationen-Projekt, dass Künzel am Theater Ulm betreut. Die Erfahrung habe ihn reicher gemacht und alle Mitwirkenden zusammengeschweißt. "Es waren nicht von Anfang an alle auf Augenhöhe", sagt er. Erst das Arbeiten mit der Musik habe alle auf eine Ebene gebracht. "Musik macht einen ja so nackig", sagt er. "Wir haben uns alle weinen gesehen."

Info Das Projekt feiert heute, Freitag, um 19.30 Uhr im Podium Premiere. Die nächsten Vorstellungen sind am 10., 12., 19. und 21. Juni.

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