David gibt Hoffnung

Ulm.  Das Münster ist so alt und so groß, dass die Geschichten dort nicht ausgehen. Eine besondere Geschichte aber spiegelt sich in den jüdischen Spuren wider. Eine Führung zugunsten der neuen Synagoge klärt auf.

Am Ende geht noch einmal so richtig ein Stern auf: 40 Meter hoch in der so genannten Orgelkammer im südlichen Chorturm des Ulmer Münsters, da stehen David und Mirjam, bewundernswert. Die beiden kunstvollen, fast lebensgroßen Holzskulpturen zierten die alte Münsterorgel. David mit der Harfe und Mirjam mit der Trommel sind jüdische Figuren aus dem Alten Testament - und von zwei Ulmer Jüdinnen, dem Fräulein Fried und ihrer Lehrerin Fanny Nagel, im späten 19. Jahrhundert fürs Münster gestiftet worden.

So schließt sich der Kreis einer Münsterführung, die diese Vorzeichen derzeit umdreht: Unter dem Titel "Jüdische Spuren" sammelt nun nämlich die Münstergemeinde für den Bau der neuen Ulmer Synagoge auf dem Weinhof, genauer: für den Kindergarten dort. So soll eine Gemeinschaft bekräftigt werden, die über weite Strecken brüchig war. Münsterpfarrerin Tabea Frey sagt: "Es ist eine Führung, die mit der leidvollen und hoffnungsvollen Geschichte von Juden und Christen im Zickzack durch die Kirche führt."

Los geht es gleich mit einer großen Botschaft, die das Israelfenster an der Pforte bereithält. Tabea Frey erklärt: "Das Münster ist meines Wissens die einzige Kirche, die ihre Besucher" - und das sind 700 000 im Jahr - "unter dem Davidstern hindurchführt." 1986 ist es von der Münstergemeinde in Auftrag gegeben worden, als Zeichen auch für die Christen selbst, "nicht die Wurzeln zu kappen", da das Christen- aus dem Judentum hervorging.

Wie brutal wenige Jahre nach Fräulein Fried und Fanny Nagel die Wurzeln gekappt worden waren, hat Künstler Hans Gottfried von Stockhausen in diesem Fenster mit den Namen der KZ Treblinka, Auschwitz, Bergen-Belsen verarbeitet sowie mit dem Zug der Juden durch die Vorhölle in die als Feueröfen dargestellten Gaskammern. Darüber aber dominiert der siebenarmige Leuchter mit dem ewigen Licht.

Noch in der Vorhalle wird an eine viel frühere Zeit erinnert, "in der der Antisemitismus wütete", wie Tabea Frey sagt. Ein Grabstein für die 1288 gestorbene Nina Jizchak ha-Levi wurde 1377 umgewidmet in einen Gedenkstein für den ersten Münsterpfleger. "Ein Sakrileg" nach jüdischer Tradition, just im Jahr der Münstergründung. Wie zum Hohn bedienten sich die Ulmer gleichzeitig aber des Juden Jäcklin als Kreditvermittler für den Münsterbau.

Tabea Frey verbindet ihre Kirchenführung mit der Geschichte der Ulmer Juden und deren Synagogen überhaupt, die mit der Vertreibung 1399 für lange Zeit endete. Im 19. Jahrhundert wird die Beziehung wiederbelebt, und wieder geht es um alte jüdische Grabsteine. Doch diesmal sichert sie der Altertumsverein droben im südlichen Chorturm: "Ihre Ruhe sei im Garten Eden."

Die israelitische Religionsgemeinschaft in Ulm ihrerseits, darunter der Vater Albert Einsteins, stiftete zum 500. Jahrestag der Grundsteinlegung 1877 mit Jeremia eine der Pfeilerfiguren für das Hauptschiff. Tabea Frey: "Das zeigt wie weit man einander nähergekommen war." Und woran jetzt für den Synagogenbau angeknüpft werden kann - unter dem Stern von David und Mirjam hoch droben im Turm.

Info Die nächsten Führungen zu den "Jüdischen Spuren" im Ulmer Münster finden am Freitag, 8. April, Start: 16 Uhr, und am 6. Mai, 15 Uhr, statt. Treffpunkt ist die Münsterpforte, wo es auch Karten für 10 Euro gibt - als Beitrag für die neue Synagoge.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: JAKOB RESCH | 06.04.2011

Google 1+

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr